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DLRG-Studie: Immer weniger Grundschüler können gut schwimmen

Kindern können nicht gut schwimmen
Symbolbild: Viele Eltern schätzen die Schwimmfähigkeiten ihrer Kinder falsch ein.
© Pexels / Porapak Apichodilok

Laut einer neuen Studie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist die Zahl der Nichtschwimmer bei Grundschülern und Kindern rapide angestiegen. Eine Erklärung dafür ist die Pandemiezeit, in der zeitweise keine Schwimmkurse angeboten wurden.

Die Zahl der Nichtschwimmer steigt

Die Zahl der Kinder, die nicht schwimmen können, hat sich in den letzten Jahren stark, auch durch die Corona-Pandemie verdoppelt. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die Forza 2022 im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nach 2017 erneut durchgeführt hat. Damals konnten laut der befragten Eltern 10 Prozent der Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren nicht schwimmen. Mittlerweile sind es laut der DLRG 20 Prozent. Ein erschreckendes Ergebnis.

Während der Pandemie fand keine Schwimmausbildung statt

Dazu sagt die DLRG-Präsidentin Ute Vogt: „Der Unterschied ist gravierend, aber angesichts der Entwicklungen in den vergangenen zwei bis drei Jahren auch wenig überraschend“. Weiter weist sie darauf hin, dass Kinder neben dem Lesen, Schreiben und Rechnen auch Schwimmen lernen müssen. „Wir müssen dahin kommen, dass jedes Kind am Ende der Grundschule sicher schwimmen kann“, so die Präsidentin. Dass zeitweise während der Pandemie keine Schwimmausbildung stattfand, hat nun zur Folge, dass aktuell 37 Prozent der Grundschüler noch kein Schwimmabzeichen oder das Seepferdchen hätten.

Umfrage über Nichtschwimmer, unsichere und sichere Schwimmer ist aufschlussreich

Für die Umfrage wurden im August 2022 bundesweit 2000 Personen ab 14 Jahren befragt. Hierbei ging es darum, herauszufinden, ob sich diese als Nichtschwimmer, unsichere Schwimmer oder sichere Schwimmer wahrnehmen. Der Anteil der Kinder, deren Eltern das Schwimmen als sicher einstufen, hat sich mit 57 Prozent im vergangenen Jahr kaum verändert. Denn 2017 waren es 59 Prozent und 2010 waren es 64 Prozent. Dabei sei allerdings der Anteil der 6-jährigen Kinder, die sicher schwimmen können, um 26 Prozent angestiegen. Bei den 10-Jährigen liegt die Quote bei 83 Prozent.

Eltern schätzen Schwimmfertigkeiten von Kindern falsch ein

Allerdings sieht das die DLRG anders, da Eltern die Situation oft falsch einschätzen. „Mütter und Väter sind noch allzu oft der Meinung, ihr Kind kann schwimmen, wenn es das Seepferdchen hat“, gibt der Leiter Ausbildung im DLRG-Präsidium, Christian Landsberg an. Oft seien aber die Eltern aber „auf dem Holzweg“, denn zwar würde das Seepferchen das Beherrschen der wichtigsten Grundlagen bescheinigen, aber sicher könnten sie noch nicht schwimmen. Dafür bräuchte man erst das Bronze-Abzeichen, um Freischwimmer zu werden, erklärte der Leiter.

In diesem Zusammenhang geht die DLRG davon aus, dass sechs von zehn Kindern (58 Prozent) am Ende der Grundschule aufgrund der Angaben ihre Eltern keine sicheren Schwimmer sind, trotz abgelegter Schwimmabzeichen.

Einkommen der Eltern und die Energiekrise sind weitere Faktoren

„Was uns in der Deutlichkeit überraschte, sind die Unterschiede nach Einkommen“, sagte Ute Vogt. Demnach können fast 49 Prozent der Kinder aus Familien mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 2.500 Euro nicht schwimmen. Bei einem Nettofamilieneinkommen von über 4.000 Euro sind es zwölf Prozent. Dazu betonte Vogt: „Schwimmen zu können darf keine Frage des Geldes sein. Umso wichtiger ist es, dass jede Schule in die Lage versetzt wird, das Schwimmen angemessen zu unterrichten“.

Auch würde die Energiekrise eine wichtige Rolle spielen, denn die abgesenkten Wassertemperaturen erschweren die Ausbildung der Kinder, so Arne Grosser, DLRG-Schwimmausbilder aus Hannover.

„Wir haben donnerstags für die Seepferdchen-Gruppe eine Stunde angesetzt, können die Zeit aber meist gar nicht voll ausnutzen. Die Kinder sind irgendwann durchgefroren und müssen früher raus. Da dauert es dann länger als üblich, das Kursziel zu erreichen“, so der Schwimmausbilder.

DLRG-Chefin fordert Lösungen

87 Prozent der Befragten hätten ein Schwimmbad in ihrer Nähe, 2017 waren es noch 92 Prozent. Laut DLRG-Chefin Ute Vogt entwickelt sich der Trend der Bäderversorgung in die falsche Richtung. Hier fordert sie, dass Bund, Länder und Kommunen an einem Tisch zusammenkommen, um systematisch die Mängel in der Bäderinfrastruktur zu beheben.

Quellen

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