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Mediziner warnen vor Engpässen in Kinderkliniken

Eine Pflegerin schiebt ein Baby auf einer Pritsche entlang des Krankenhausflurs
Werden im Herbst in Kinderkliniken genügend Betten frei sein?
© Unsplash Hush Naidoo Jade Photography

Auf Grund von Personalmangel in deutschen Krankenhäusern können viele Betten nicht belegt werden – besonders in Kinderkliniken. Der deutsche Ärzteverband warnt vor massiven Engpässen, wenn im Herbst durch hohe Infektionszahlen oder eine erneute Coronawelle wieder viele Kinder Versorgung bräuchten. 

Bettenzahl um ein Drittel gesunken

Seit Anfang der 1990 Jahre stiegen in Deutschland die Fallzahlen der zu behandelnden Kinder und Jugendlichen in Kliniken von ca. 900.000 auf über 1 Million im Jahr an. Und dennoch ist die Zahl der Betten in der Pädiatrie (Kinderheilkunde) um ein Drittel gesunken.

Auf Grund dieses Missstandes werden immer häufiger Behandlungen verschoben oder betroffene Kinder in andere Krankenhäuser verlegt. Und das, obwohl eine dem Wohnort nahe Behandlung für Familien wichtig wäre.

Der Grund: Personal-Fehlplanung in Kliniken

Wie können solche Engpässe entstehen? Das Hauptproblem liegt in der Fehlplanung des Klinikpersonals. Bei der Kalkulation des medizinischen Personals einer Klinik wird die Anzahl der Mitarbeiter*Innen angesetzt, aber nicht die Anzahl der Stunden, die sie arbeiten. Was man dabei wissen muss: Viele Mitarbeiter*Innen sind nur halbtags angestellt.

Außerdem wird die Bedarfsplanung von der durchschnittlichen Betten-Auslastung abhängig gemacht. Das Problem auf den Kinderstationen ist jedoch, dass sie großen Schwankungen ausgesetzt sind und es – anders als bei Erwachsenen – weniger geplante Krankenhausaufenthalte gibt. In Zeiten von vielen Infektionswellen und auch während der Corona-Pandemie sind die Kinderstationen voll, während zu einem anderen Zeitpunkt viele Betten leer stehen.

Engpässe sind vorprogrammiert

Prof. Dr. Ingeborg Krägeloh-Mann, die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft der Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) warnt vor flächendeckenden Versorgungsengpässen in der Kindermedizin und sogar Aufnahmesperren, wenn sich nicht grundlegend etwa ändert.

Das kann auch bedeuten, dass man für Notfälle oder für ein akut krankes Kind erst nach einem freien Bett suchen muss. Kinder und Jugendliche mit einer seltenen Krankheit wird hier und da zugemutet werden müssen, einen belastend langen Weg auf sich zu nehmen, um medizinisch behandelt zu werden.

Der Bund muss handeln

Krägeloh-Mann fordert vom Deutschen Bund einen Kinderzuschlag als Sicherungszuschlag für Krankenhäuser mit Kinderstationen. Auch die Versorgung von komplex und chronisch kranken Kindern muss laut ihr zusätzlich honoriert werden. Nur so könne in Zukunft ein Engpass in Kinderkliniken vermieden werden.

Quellen

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