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Mordfall Ayleen: Darum sollten Eltern den Internetkonsum ihrer Kinder beobachten

Mädchen spielt mit Controller
So können Eltern ihre Kinder im Internet schützen
© Unsplash/ Kelly Sikkema

Der Tod der 14-jährigen Ayleen hat Themen wie Sicherheit im Internet und Cybergrooming erneut ins Gespräch gebracht. Denn: Der mutmaßliche Täter habe Ayleen scheinbar in einem Online-Chatroom kennengelernt. Das raten Experten besorgten Eltern.

Ayleen (†14): Im Chat lernte sie wohl den Täter kennen

Wie viele andere in ihrem Alter, war auch die 14-jährige Ayleen aus Gottenheim im Internet sehr aktiv. Unter anderem nutzte sie den Chat im beliebten Online-Spiel „Fortnite“. In diesem Chat soll Ayleen laut den Ermittlern den mutmaßlichen Täter, einen vorbestraften 29-jährigen Sexualstraftäter, kennengelernt haben.

Wochenlang soll Ayleen mit ihrem mutmaßlichen Mörder gechattet und gespielt haben. Ein Vorgehen, mit dem sich Täter das Vertrauen ihres Opfers erschleichen wollen. Genannt wird das Cybergrooming.

: was ist das?
Cybergrooming

Cybergrooming meint die gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener mit Kindern im Internet, um sexuelle Handlungen anzubahnen. Dieses strategische Vorgehen von Tätern und Täterinnen ist als Vorbereitung zum sexuellen Missbrauch zu werten und damit verboten und strafbar.

Detaillierte Informationen über Cybergrooming, wie du mit deinen Kindern darüber sprichst, wie du die Anzeichen erkennst und, wie du dein Kind schützen kannst, findest du in diesem Artikel.

Am Freitag, 29. Juli, wurde der Leichnam der 14-Jährigen im Teufelsee in Hessen gefunden. Sie war laut der Polizei Freiburg einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen.

Der 29-jährige Tatverdächtige wurde noch am selben Tag festgenommen. Bei ihm wurden persönliche Gegenstände von Ayleen gefunden. Er befindet sich in U-Haft.

Aktuell werten die Ermittler im Fall Ayleen noch riesige Mengen an Daten aus dem Online-Spiel aus, um nachvollziehen zu können, mit wem Ayleen Kontakt hatte.

Bist du selbst von Cybergrooming betroffen oder machst dir Sorgen um ein Kind, dann kannst du dich an das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch wenden. Unter der kostenfreien Nummer 0800 22 55 530 wirst du von geschulten Mitarbeiter:innen beraten und unterstützt – und das ganz anonym. Auch online, unter www.hilfeportal-missbrauch.de, findest du Hilfe.

Was können besorgte Eltern tun?

Der Fall Ayleen löst in ganz Deutschland starke Betroffenheit aus – und bei einigen Eltern auch Angst. Genau aus diesem Grund geben aktuell viele Experten, wie zum Beispiel Medienwissenschaftler, Tipps und Ratschläge, wie besorgte Eltern ihre Kinder schützen können.

Aufklärung ist das A und O

Am wichtigsten ist es, dass Kinder über die Gefahren im Internet aufgeklärt und dafür sensibilisiert werden. Eltern sollten mit ihren Kindern über Cybergrooming sprechen und ihnen die Warnsignale und Anzeichen deutlich erklären. Wichtig ist hierbei, dass das Thema nicht tabuisiert wird – sonst schämen sich Kinder und öffnen sich gar nicht erst.

Die Plattform „Innocence in Danger„, die sich auf das Thema Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche spezialisiert hat, erklärt:

Kinder müssen wissen, dass es in Ordnung ist, über sexuelle Gewalt zu sprechen. Sorgen Sie für Vertrauen und Transparenz. Machen Sie es Ihrem Kind so leicht wie möglich, sich Ihnen zu öffnen.

Eltern sollten wissen, was ihre Kinder online machen

„80–90 % aller Fälle [des sexuellen Missbrauchs] finden im sozialen Umfeld des Kindes statt. Zu diesem Umfeld gehören mittlerweile auch Soziale Medien und Online-Spiele. Hier haben Täter oder Täterinnen mittels Chat oder Sprachkanal direkten Zugriff auf ein Kind“, erklärt „Innocence in Danger“.

Die Online-Welt sollte für Eltern also kein Mysterium sein. Eltern sollten verstehen, was ihre Kinder im Internet machen und wissen, auf welchen Plattformen ihr Kind ein Profil hat.

Online-Gaming: Viele Plattformen sind nicht sicher

Was soziale Medien angeht, wissen viele Eltern schon Bescheid: private Profile, keine Standortangaben, etc.

In der Welt der Online-Spiele tummeln sich allerdings auch einige Gefahren, die weniger bekannt sind. Meistens wird hier nur darauf geschaut, ob das Spiel altersgerecht ist.

Wichtig ist es allerdings auch, dass Eltern wissen, wie die Spiele funktionieren:

  • Gibt es eine Chat-Funktion?
  • Ist dieser Chat moderiert?
  • Wer kann über den Chat mit meinem Kind in Kontakt treten?

Ein weiterer Punkt, in dem sich die Experten einig sind:

Eltern sollten es mit der Kontrolle nicht übertreiben!

Es ist wichtig, dass Eltern wissen, was ihre Kinder im Internet treiben. Jedoch sollten Eltern keinem Kontrollzwang verfallen. Das führt nur dazu, dass die Kinder Dinge eher vor ihren Eltern verheimlichen und ihnen nicht mehr vertrauen. „Innocence in Danger“ rät:

Grundsätzlich sollten Eltern nicht überängstlich sein, aber achtsam. Interessieren Sie sich für das digitale Hobby Ihres Kindes und dafür, mit wem Ihr Kind online unterwegs ist. Vor allem: Fragen Sie nach, wenn Sie das Gefühl haben, etwas stimmt nicht.

Kommt es zu einem Treffen – nie alleine!

Wichtig ist es außerdem, dass persönliche Treffen nicht alleine stattfinden. Im Idealfall sollten die Eltern dabeisein – aber auch Freunde können zu einem solchen Treffen mitgenommen werden.

Auch der Ort sollte möglichst öffentlich sein. Also nicht in der Wohnung oder einem abgelegenen Waldstück.

Quellen

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