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Mutterschutz nach Fehlgeburt: Petition fordert Trauerzeit für Sternenkinder-Mamas

Frauenärztin schaut in Bildschirm während Ultraschall-Untersuchung
Wenn die Gynäkologin keinen Herzschlag mehr beim Baby erkennen kann, bricht für viele Frauen eine Welt zusammen
© Pexels / Mart Productions

München: Noch immer sind Fehlgeburten ein Tabuthema, obwohl jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens mindestens einmal ein Baby verliert. Mutterschutz nach Fehlgeburten gibt es in Deutschland erst ab der 24. Schwangerschaftswoche. Eine Münchnerin fordert in ihrer Petition nun einen früheren gestaffelten Mutterschutz.  

Nach einer Fehlgeburt müssen Frauen direkt wieder zur Arbeit

“Ich kann leider keinen Herzschlag mehr finden.” Diesen Satz hörte Natascha Sagorski in der 10. Schwangerschaftswoche von ihrem Frauenarzt, während einer Routine-Untersuchung. Dann ging alles ziemlich schnell: Noch am selben Abend wurde im Krankenhaus eine Ausschabung vorgenommen. Körperlich und psychisch ging es Sagorski anschließend sehr schlecht.

Doch auf Nachfrage bekam sie von der jungen Ärztin in der Klinik keine Krankschreibung für den Arbeitgeber. Sie könne am nächsten Tag wieder arbeiten gehen.

Doch so einfach ist das nach einer Totgeburt nicht. Während andere Mütter mit Baby im Maxicosi nach Hause gehen und im Wochenbett stillen, müssen Mütter von totgeborenen Babys (sogenannten Sternenkindern) mit leerem Bauch die Klinik verlassen und ihr Baby im Wochenbett beerdigen.

Jede dritte Frau ist Betroffene

Jede dritte Frau erleidet im Durchschnitt im Laufe ihres Lebens mindestens eine Fehlgeburt. Viele behalten das für sich, andere sprechen offen darüber. Bekannte Persönlichkeiten wie Sängerin Britney Spears oder Model Chrissy Teigen mussten jeweils bereits um Babys trauern.

Mutterschutz steht einer Frau erst ab dem 6. Monat zu

Mutterschutz steht diesen Frauen gesetzlich nicht zu, denn sie sind offiziell keine Mütter mehr. Zeit zu trauern bleibt nicht. Denn oftmals werden sie anschließend nicht einmal für ein paar Tage krankgeschrieben. Medizinisch ist es nicht erforderlich.

Bisher ist die Regelung nach Fehlgeburten so, dass Mutterschutz erst gewährt wird, wenn das Baby nach der 24. Schwangerschaftswoche gestorben ist. Oder wenn es bereits über 500 g gewogen hatte. Eine neue Gesetzesinitiative für den Herbst verspricht, Frauen bereits ab der 20. Schwangerschaftswoche Mutterschutz zuzusprechen.

Natascha Sagorski fordert Mutterschutz auch vor der 20. Schwangerschaftswoche

Doch Natascha Sagorski ist das noch zu wenig. In der Erklärung ihrer Petition schreibt sie: “Wir fordern einen gestaffelten Mutterschutz für Frauen, die vor der 24. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erleiden. … Auch der Änderungsvorschlag der neuen Bundesregierung, der die 20. Schwangerschaftswoche als Grenze vorsieht, ist unzureichend. All den Frauen, die bereits in der 19. Woche oder früher eine Fehlgeburt hatten, steht weiterhin kein Mutterschutz zu. Das bedeutet, dass Frauen, die wochen- und monatelang ihr Kind unter dem Herzen getragen haben, weiterhin kein Anrecht auf Mutterschutz haben.”

Wenn du die Petition unterschreiben und Natascha Sagorski und andere Betroffene unterstützen möchtest, gelangst du hier zur Website von OpenPetition.

Quellen

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