Geburtsvorbereitung als Mann: 9 Tipps für werdende Väter

Papa hält sein Baby gleich nach der Geburt
So bist du als Papa perfekt vorbereitet.
© Unsplash / Robert Bussey

Nicht nur die Schwangere muss sich auf die Geburt vorbereiten. Auch die werdenden Väter sollten aktiv werden, damit der große Tag für alle ein zauberhaftes Erlebnis wird. Wir haben mit Doula Amira Gorski gesprochen, welche Tipps sie am liebsten allen Männern mit auf den Weg geben würde.

: Unsere Expertin

Amira Gorski ist Lust-Coach und Lustgeburts-Doula®️. Seit der lustvollen Geburt ihrer eigenen Tochter möchte sie allen Paaren diese Erfahrung ermöglichen. Auf ihrer Website Lustgeburt.de kannst du mehr über Amira erfahren. In ihrem Buch hat sie außerdem jede Menge positiver Geburtsgeschichten gesammelt.

Auch Papa muss sich auf die Geburt vorbereiten

Zwar sind die werdenden Mamas diejenigen, die das Kind zur Welt bringen, aber auch die Väter können den Verlauf der Geburt positiv beeinflussen. Denn ihr Verhalten und ihre Stimmung wirken sich auf die Gebärende aus. So können sich Männer auf die Geburt vorbereiten:

1. Sei das Sprachrohr der Mama bei der Geburt

Doula Amira rät, dass du als werdender Vater bei der Geburt die Wünsche der Gebärenden kennen und auch durchsetzen solltest. Diese können zum Beispiel den Ablauf der Geburt betreffen, oder auch das Klinikpersonal:

„Wenn die Frau eine bestimmte Hebamme zum Beispiel total unsympathisch findet, dann kann der Mann das für sie artikulieren und deutlich machen: Diesen oder jenen Menschen möchten wir nicht dabeihaben.“

Dass Mama und Papa sich mit den Menschen wohlfühlen, die sie bei der Geburt begleiten und betreuen, ist besonders wichtig für werdende Eltern, die sich eine lustvolle Geburt wünschen. Was das ist und warum die ganze Familie davon profitieren kann, liest du in unserem Interview:

: Ein Orgasmus bei der Geburt?

2. Gemeinsam das Geburts-Team zusammenstellen

Neben dir als Partner können auch andere Personen die werdende Mama während der Geburt unterstützen. Zur Vorbereitung solltet ihr deshalb gemeinsam besprechen, welche Personen ihr gern dabei haben würdet. Das kann die große Schwester oder die beste Freundin sein, die selbst schon ein Baby bekommen hat oder eine Doula, die euch beide auf nicht-medizinischer, dafür emotionaler Ebene sehr gut unterstützen kann.

„Eine Doula würde ich sehr empfehlen, weil sie diesen Raum eben richtig gut halten kann. Gerade wenn es für den Partner vielleicht auch die erste Geburt ist oder die Geburts-Vorerfahrungen eher negativ waren.“, sagt Amira. Sie hat schon zahllose Geburten begleitet und weiß, welchen Unterschied es macht, wenn die Sympathie stimmt.

3. Den Raum gemütlich machen

Besonders bei der Geburt in der Klinik kann es manchmal schwierig sein, dass die Gebärende sich in dem medizinischen Setting wohlfühlt. Das ist bei einer Hausgeburt natürlich deutlich einfacher. Aber: Auch im Kreißsaal hast du als werdender Vater einige Möglichkeiten, es deiner Liebsten schönzumachen. Vielleicht möchte sie gern einen besonderen Duft riechen oder sich an das Lieblings-Kissen von zu Hause anlehnen.

„Auf jeden Fall darf die richtige Musik nicht fehlen, die deine Partnerin entweder entspannt oder vielleicht auch zum Mitsingen oder Tanzen anregen kann. Denk also an eine Bluetooth-Box oder wasserdichte Kopfhörer. Auch Kraftbilder, Karten mit positiven Geburtsaffirmationen oder Blumen können dazu beitragen, dass deine Frau sich wie eine Gebärgöttin fühlt.“, erklärt Amira und weiter:

„Du darfst zum Beispiel auch darum bitten: ‘Muss jetzt das Neonlicht die ganze Zeit an sein oder geht es auch mit unserer mitgebrachten Lichterkette?’ Hier brauche ich natürlich auch das Wissen, was in der Klinik möglich ist. Zum Beispiel bringt es nichts, Kerzen mitzubringen, da offenes Feuer nicht erlaubt ist.“

4. Bereite ein Verwöhn-Programm vor

Sei dir bewusst, dass deine Partnerin gerade das körperliche Äquivalent zu einem Marathon-Lauf leistet. Um sie dabei bestmöglich zu unterstützen, kannst du einiges tun. Sei dir auch nicht zu schade, sie bei all ihren Wünschen zu unterstützen, wenn der große Moment gekommen ist. Wenn deine Partnerin tanzen möchte, um die Wehen voranzutreiben, dann wird eben im Krankenhaus getanzt. Peinlichkeit sollte dir unter der Geburt ein Fremdwort sein. Schließlich leistet deine Frau gerade unvorstellbar Großes.

Doula Amira rät, der Partnerin dieses Gefühl zu vermitteln und sie zu verwöhnen „mit Essen, Getränken, Musik, mit Gerüchen, Massagen, mit Lob und bestärkenden Worten, mit Tanzen oder Singen. Achte am besten immer auf ihre Körpersprache, um zu erkennen, was sie gerade braucht – ohne dass du sie extra fragen musst. Denn das kann sie aus ihrer Geburtstrance rausholen.“

5. Sei bereit, dich zurückzunehmen

Bereite dich auch auf die Möglichkeit vor, dass die Gebärende deine Nähe und deine Unterstützung während der Geburt nicht gut findet. Das solltest du dann nicht persönlich nehmen und kann sich auch in den einzelnen Geburtsphasen immer wieder ändern.

Doula Amira weiß, wie unterschiedlich das sein kann: „Manche mögen es total gerne vom Partner berührt, stimuliert oder geküsst und gestreichelt zu werden. Und dann gibt es eben auch Phasen der Geburt, in denen die Frau das vielleicht überhaupt nicht möchte. Du solltest ihr vermitteln: ‘Ich liebe dich immer. Ob du mich gerade brauchst oder nicht, ich bin da und halte dir den Raum’.“

6. Eine angstfreie Grundhaltung aufbauen

„Der vielleicht wichtigste Punkt, was ich als Mann machen kann, ist angstfrei zu bleiben. Während der Geburt sind bei uns Frauen die Spiegelneuronen besonders aktiv. Das bedeutet, wir übernehmen unbewusst das, was wir bei anderen wahrnehmen. Es bringt der Gebärenden überhaupt nichts, wenn du als Mann weiter an ihrer Seite bleibst, obwohl du innerlich durch etwas getriggert wurdest und in totaler Angst bist.“, sagt Amira. In der Vorbereitung auf die Geburt solltest du als werdender Papa also auch daran arbeiten, deine eigenen Ängste abzubauen.

„Du solltest die ganze Zeit im tiefen Vertrauen sein, dass deine Frau alles richtig macht und sie nur bestärken und daran glauben, dass sie gebären kann – super leicht und lustvoll. Das sollte deine Grundhaltung sein.“, erklärt sie weiter.

7. Lass dir genau erklären, was auf euch zukommt

Einigen Vätern hilft es, die Angst zu verlieren, wenn sie im Vorfeld schon ziemlich genau wissen, was sie bei der Geburt erwartet und wie ein natürlicher Geburtsverlauf aussieht. Deshalb empfiehlt Amira allen Vätern, selbst mit in die Geburtsvorbereitungskurse zu gehen. Vielleicht hilft es dir auch, ein paar positive Geburtsberichte durchzulesen oder gute Geburtsvideos zu sehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was da eigentlich passiert.

„Wir Menschen lernen durch Nachahmung. Überlege mal wie viel negative Geburten du bereits medial gesehen oder von Freunden erzählt bekommen hast. Je mehr du dein Unterbewusstsein mit positiven Geburtsgeschichten fütterst, desto besser kannst du deine Partnerin aus diesem neuen Vertrauen heraus begleiten.“

8. Einen geburtserfahrenen Freund auf Abruf haben

Die optimale Geburtsvorbereitung für Männer ist auch ein Gespräch mit einem guten Freund, der selbst schon Papa ist. Er kann dir berichten, wie er sich selbst gefühlt hat, was passiert ist und hat vielleicht sogar einen Tipp, was er beim nächsten Mal anders machen würde. Für den großen Tag der Geburt ist es außerdem hilfreich, wenn du diesen Freund kontaktieren kannst, sollte die Angst oder Unsicherheit zu groß werden. Solltest du so einen Freund nicht haben, kann diese Rolle natürlich auch eine Doula oder eine andere geburtserfahrene Person übernehmen.

Amira weiß: „Oft hilft es, einen geburtserfahrenen Freund im Hintergrund zu haben, den ich mal kurz von der Toilette aus anrufen kann. Da kann es auch helfen, einige Dinge einfach nur zu erzählen und eine neue Sichtweise von Außen zu bekommen. Manches wirkt schlimmer als es in echt ist.“

9. Das Wochenbett vorbereiten

Auch die ersten Tage mit Baby fallen unter die Vorbereitungen, die der werdende Papa vor der Geburt treffen kann: „Für die Zeit danach, die Flitterwochen nenne ich sie gerne, kannst du als Mann das Wochenbett entsprechend vorbereiten. Zum Beispiel die Schwiegermutter, die deine Partnerin vielleicht nicht mag, ausladen und dafür andere Hilfe organisieren. Also Sorge tragen auf eine ganz liebevolle Art und Weise, entsprechend den Bedürfnissen deiner Frau, damit ganz viel Zeit für Kuscheln und euch zu dritt neu kennenlernen bleibt. Unterschätze auch nicht die Anforderungen und helfe, wo du kannst, um deine Liebste zu entlasten. Deshalb solltest du nicht gleich wieder arbeiten, sondern dir wirklich Zeit nehmen. Schließlich gibt es diese Zeit mit deinem Neugeborenen nur ein einziges Mal.“, erklärt Amira.