Gericht verbietet Mutter das Stillen, weil es den Vater bei Besuchen stört

Baby wird gestillt
Mit nur 5 Monaten muss das Baby abgestillt werden (Symbolbild)
© Unsplash/ Hanna Balan

Virginia – Eine amerikanische Mutter wurde vom Gericht dazu verurteilt, ihr fünf Monate altes Baby abzustillen. Geklagt hatte der Vater des Kindes – das stündliche Stillen würde ihn bei seinen Besuchen nämlich stören.

Gericht beschließt: Mama muss ihr Baby abstillen

Kurz nach der Geburt ihres gemeinsamen Kindes haben sich Arleta Ramirez und Mike Ridgway getrennt. Es folgten Verhandlungen um das Sorgerecht. Denn: Papa Mike will weiterhin Zeit mit seinem Kind verbringen. Und diese Zeit genehmigte ihm das Gericht auch, wie die Washington Post berichtet.

Das Gericht entschied, dass Mike seine Tochter an vier Tagen in der Woche besuchen darf. Ab Februar soll seine Tochter auch nachts beim Papa bleiben dürfen.

Das Problem: Mit nur fünf Monaten wird das Mädchen aktuell noch gestillt. Deshalb erließ das Gericht einen weiteren Beschluss: Mama Arleta muss ihr Kind abstillen und an eine Flasche gewöhnen.

Laut Berichten macht sich der Vater Sorgen, dass die Stillzeiten seine Besuche mit seiner Tochter stark beeinträchtigen. Das Mädchen wird laut Angaben aktuell einmal pro Stunde gestillt.

Der Vorwurf: Mutter soll das Stillen instrumentalisieren

Die Anwältin von Mike wirft der Mutter vor, das Stillen ‚als Waffe‘ gegen ihren Ex-Partner einzusetzen. Tatsächlich soll es laut ihr häufiger vorkommen, dass es zu Streitigkeiten bei den Besuchsrechten wegen des Stillens kommt.

Mama: „Wieso zwingen sie mich, mit dem Stillen aufzuhören?“

Mama Arleta kennt die Vorteile des Stillens. Sie beruft sich auf Empfehlungen der WHO, die Stillen als gesündeste Ernährungsform für Kinder bis zum Ende des zweiten Lebensjahres sehen.

Über die Verordnung des Gerichts ist die Mutter schockiert: „Wieso zwingen sie mich, mit dem Stillen aufzuhören?“, fragt sie gegenüber der Washington Post. „Ist es nicht im Interesse meines Babys, dass ich sie stille?“ Die Mutter hatte am Anfang Probleme, Milch abzupumpen – Fläschchen habe ihre Tochter anfangs außerdem nicht akzeptiert.

Papa Mike soll gegenüber der Washington Post aber nochmal betont haben, dass er will, dass seine Tochter so lange wie möglich mit abgepumpter Muttermilch gefüttert wird – fertiges Milchpulver will er nur im absoluten Notfall einsetzen.

Online scheiden sich die Meinungen

Mittlerweile hat das Gerichtsurteil im Internet eine rege Diskussion ausgelöst. Und die Meinungen scheiden sich. Viele Twitter-Nutzer verteidigen die Frau. Eine Person schreibt zum Beispiel:

„Verzeihung? Sollte es nicht darum gehen, was für das Baby am besten ist? Aber nein, es dreht sich alles um den Wunsch, Frauen zu kontrollieren, indem man ihre Körper als Waffe gegen sie einsetzt“

Andere Mütter betonen auch, wie schwer der Wechsel von der Flasche zur Brust und zurück ist.

Manche Nutzer stellen sich ganz klar auf die Seite des Vaters. Eine Person schreibt zum Beispiel:

„Das ist dumm. Ich bin ein Fan von Stillen, wenn es für die Mutter funktioniert, aber zu sagen, dass der andere Elternteil keinen Besuch haben kann, weil sie ausschließlich stillen will, ist nicht vernünftig!“

Diese User betonen, dass der Vater ja auch ein Recht auf Zeit mit seinem Kind hat.

Tatsächlich sind einige Menschen auch hin- und hergerissen. Laut ihnen müsste es eigentlich einen Kompromiss geben.

Mutter wehrt sich gegen Gerichts-Beschluss

Mama Arleta will den Beschluss des Gerichts übrigens nicht auf sich sitzen lassen – im April hat sie eine weitere Anhörung vor dem Gericht. Hier will die Mutter die Meinungen von Still-Experten und Ärzten vorlegen, um gegen das Urteil anzukämpfen.

Tatsächlich soll jedoch auch ihre eigene Anwältin ihr geraten haben, abzustillen, damit sie der Anweisung des Richters folgt.

Wie es mit diesem Fall weitergeht, bleibt erstmal noch offen.

Quellen