„Mama, Papa, Kind nicht mehr die Norm“: Kita bastelt keine Geschenke zum Mutter- oder Vatertag

Elternbiref der Kita
Elternbrief sorgt für heftige Diskussionen.
© Unsplash / Micheile Henderson / Twitter / Angela Jacobi

Amöneburg / Hessen: In dieser Kita wird es zum Muttertag keine selbstgebastelten Geschenke geben – auch nicht zum Vatertag. Das habe man im Team beschlossen, weil sie „keinen Menschen ausschließen“ wollen.

Kita möchte Diversität vorleben

Die Entscheidung, in diesem Jahr keine Geschenke zum Muttertag oder Vatertag zu basteln, hat die Kita-Leitung in einem Elternbrief bekannt gegeben. Darin heißt es: „In der heutigen Zeit, in der Diversität einen immer höheren Stellenwert erhält, möchten wir diese vorleben und keinen Menschen ausschließen.“ Diesen Entschluss habe das ganze Team zusammen getroffen.

Vater, Mutter und Kind sei „nicht mehr die Norm“

Da eben auch Kinder in die Kita gehen, die nicht in einer heteronormativen Familienkonstellation leben, also deren Familie nicht aus Mama, Papa und Kind besteht, könnte das Geschenke basteln die Kinder verwirren: „Ein Vatertags Geschenk ohne Vater in der Familie ist nicht nur ohne Wert, sondern kann die Identität eines Kindes in Frage stellen“, schreibt die Kita in der Mitteilung an die Eltern.

Keine „stereotypen Geschenke“

Viele Eltern verlassen sich darauf, dass die Erzieherinnen und Erzieher im Kindergarten ein kleines Geschenk für Mama und Papa zu ihren Ehrentagen basteln. Dabei halten diese Geschenke oft an stereotypen Klischees fest, wie „Blumen für die Mutter oder Werkzeug für den Vater“, schreibt die Kita-Leitung weiter.

„Um allen Menschen gerecht zu werden, müssten wir mit jedem einzelnen Kind ein individuelles Geschenk anfertigen“, heißt es in dem Elternbrief. Da die Kita dies schlichtweg nicht leisten könne, sei die Entscheidung gegen die Geschenke ausgefallen.
Auch wenn im letzten Satz extra betont wird, man wolle damit „keinesfalls die Bedeutung eines Mutter- oder Vatertages absprechen“, stieß der Brief nicht bei allen Eltern auf Verständnis. Schnell landeten Bilder davon auf den sozialen Medien und das Thema wird seitdem heftig diskutiert.

Meinungen über Entschluss sind gespalten

Viele regen sich darüber auf und erzählen, wie wichtig ihnen die selbstgebastelten Geschenke zum Muttertag sind. Eine Twitter-Userin schreibt: „Das allerletzte- ich hab die Muttertagsgeschenke meiner Kinder heute noch.“. Eine andere Mama sieht das genauso: „Ich bestehe auf meinem ‚Mama, du bist die Beste‘-Herz aus roter Pappe und meinem Muttertagsgutschein für ‚1 Mal Früstük machen‘.“

Aber auch einige Nutzer:innen heißen die Entscheidung gut: „Ich lese da eher den Punkt, dass ein Vatertagsgeschenk ohne Vater in der Familie für das Kind ein großes Problem ist. Oder halt ein Muttertagsgeschenk ohne Mutter. Finde ich völlig sinnvoll im Sinne des Kindes. Was kann nämlich das Kind dafür, außer sich dann schlecht zu fühlen?“, schreibt ein anderer User auf Twitter.

Sind keine Geschenke die richtige Lösung?

Ob die Entscheidung der Kita nun gerechtfertigt ist oder nicht, darüber lässt sich offensichtlich streiten. Dennoch wollen viele Kinder für die Eltern etwas Kleines basteln – sei es für ihre Mamas, Papas oder die alleinerziehende Person. Und das müssen keine stereotypen Werkzeuge oder Kochlöffel sein. Über einen hübsch gestalteten Bilderrahmen mit Foto freuen sich alle.

Und im Morgenkreis zu besprechen, dass eben nicht alle Kinder einen Vater oder eine Mutter (mehr) haben, so viel Verständnis darf einem Kita-Kind ruhig zugetraut werden.

Quellen