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Kita-Kollaps: Müssen Tausende Kinder ab Herbst zuhause betreut werden?

Kleines Mädchen sitzt in Kita am Tisch und bastelt
Auf Grund von Personalmangel steuern Kitas auf einen Kollaps im Herbst zu
© Pexels / Natalie

Stuttgart: In Baden-Württemberg sorgt die angespannte Lage in Kindertagesstätten für Frustration. Akuter Erzieher:innenmangel und zu starre Standards in Bezug auf Gruppengröße und Betreuungsschlüssel könnten zur Folge haben, dass viele Tausend Kinder ab Herbst keinen Platz bekommen.

In Baden-Württemberg droht Kita-Kollaps im Herbst

In Baden-Württemberg schlagen die Kommunen Alarm: Es fehlt eine große Anzahl an Erzieherinnen und Erziehern und auch auf Grund der starren Strukturen durch die Corona-Pandemie steuern die Kindertagesstätten auf eine Betreuungskatastrophe zu.

Die Kommunen warnten das Land bereits vor einer dramatischen Verschärfung der Lage in den Kinderkrippen und Kindergärten. Steffen Jäger, der Präsident des Gemeindetages sagte gegenüber der Deutschen Presseagentur: „In hunderten von Kommunen wurden bereits Öffnungszeiten reduziert oder sogar Gruppen geschlossen … das frühkindliche Bildungssystem steuert auf einen Kollaps zu.“

Die Ursache für den Engpass liegt im akuten Erzieher:innenmangel, der sich vermutlich auch in den nächsten Jahren nicht erheblich verbessern wird.

Zusätzlich fordern die Kommunen, dass Standards gesenkt, die Gruppengrößen angepasst und in den Betreuungsschlüssel auch Arbeitskräfte mit einbezogen werden, die keinen pädagogischen Hintergrund haben.

“Leistungsversprechen und Standards” sollen überprüft werden

Peter Kurz, der Präsident des Städtetags fordert zusätzlich mehr zur Verfügung gestellte Mittel für das Bildungssystem. Er bittet „Leistungsversprechen und Standards“ zu überprüfen und die Öffentlichkeit nicht hinters Licht zu führen. Die Familien sollten realistisch über den Zustand und den Engpass in Kindertagesstätten informiert werden.

In ganz Deutschland droht eine Kita-Krise

Aber nicht nur in Baden-Württemberg ist die Lage angespannt. „Heutzutage ist es fast schon eine Erfolgsmeldung, wenn in einer Kita alle Stellen besetzt sind“, sagt Cornelia Maria Götz, Fachberaterin beim Evangelischen KITA-Verband Bayern e.V. (evKITA). Laut Götz ist es leider Realität, dass Stellen in Kitas über Monate nicht besetzt werden können.

Daher hat die evKITA einen Leitfaden zum Umgang mit Personalengpässen erstellt, den sich Kindertagesstätten kostenfrei downloaden können.

Laut einer Studie der bertelsmann-Stiftung von August 2021 werden im Jahr 2030 mehr Erzieher:innen gebraucht, als aktuell in Ausbildung sind. Außerdem zeigt sich, dass es im Westen Deutschlands viel zu wenige Plätze in Kitas gibt (lediglich 31 Prozent der Kinder haben einen Platz) und im Osten Betreuungspersonen zu viele Kinder gleichzeitig betreuen.

In den westlichen Bundesländern liegt der Betreuungsschlüssel bei etwa 3,5 Kinder pro Erzieher:in, Im Osten dagegen betreut eine Person im Durchschnitt 5,5 Kinder. Die Studie zeigt, dass für eine flächendeckende, gute frühkindliche Betreuung mehr Betreuungspersonal ausgebildet werden muss.

Quellen

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