So schlimm ist der „Klaps auf den Po“ wirklich für Kinder

Ein kleiner Junge weint
Der Klaps auf den Po, so sehr leiden Kinder darunter
© Volha Zaitsava via Bigstock

Manchmal stellt Kindererziehungen Eltern vor richtige Stresssituationen. Dass dabei mal die Hand ausrutscht und das Kind einen Klaps auf den Po erhält, finden viele nicht so schlimm. Schließlich war es früher ganz normal. Dabei hat selbst eine vermeintlich leichte Züchtigung schon schlimme Folgen für Kinder – wie eine Studie nachgewiesen hat.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Prügelstrafe und körperliche Züchtigung von Kindern sind heutzutage gesetzlich untersagt
  • Trotzdem ist der „Klaps auf den Po“ für widerwillige Kinder noch viel weiter verbreitet, als man denkt
  • Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigte deutlich, welch schlimme Folgen körperliche Züchtigung für Kinder hat – bis ins Erwachsenenalter

Selbst ein kleiner Klaps auf den Po hat schlimme Folgen

„Ein Klaps auf den Po hat noch niemandem geschadet“ – Sprüche wie dieser sind auch heutzutage noch weit verbreitet. Die Aussage dahinter: wenn ein Kind partout nicht hört, bockig ist und sich dem Willen der Eltern widersetzt, muss zur Not auch mal eine kleine körperliche Züchtigung sein.

Dabei sind die negativen Folgen von Schlägen auf den Hintern längst bekannt. Eine amerikanische Langzeitstudie aus dem Jahr 2016 untersuchte die langfristigen Auswirkungen und zeigte: selbst der vermeintlich kleine Klaps auf den Po kann die Psyche von Kindern lebenslang beeinflussen.

Wer als Kind Gewalt erfährt, leidet als Erwachsener darunter

Dafür untersuchten die Wissenschaftler der „University of Texas“ in Austin über 50 Jahre hinweg insgesamt 160.000 Menschen, die in ihrer Jugend dem sogenannten „spanking“ ausgesetzt waren – also dem, was man bei uns leichthin „Klaps auf den Po“ nennt.

Professorin Elizabeth Gershoff stellte damals fest:

„Wir haben herausgefunden, dass Schläge auf den Hintern mit unbeabsichtigten schädlichen Folgen verbunden sind und nicht mit sofortiger oder langfristiger Einhaltung der Regeln, was die Absicht der Eltern ist, wenn sie ihre Kinder züchtigen.“

Zusammengefasst lässt sich sagen: je mehr Kinder Gewalt ausgesetzt sind, desto wahrscheinlicher neigen sie zu „unsozialem Verhalten“ im Erwachsenenalter und leiden unter psychischen Problemen. Außerdem ist die Chance groß, dass sie selbst Gewalt gegen ihre Kinder anwenden – also dass das Problem von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Umfrage: Die Hälfte der Deutschen findet Schläge auf den Hintern nicht tragisch

Ähnlich erschreckend waren die Ergebnisse einer deutschen Umfrage aus dem Jahr 2020: demnach  hält jeder zweite Befragte den Klaps auf den Po für unproblematisch und sogar jeder sechste findet eine Ohrfeige von Zeit zu Zeit angemessen.

Dabei hat sich insgesamt in den letzten Jahrzehnten natürlich etwas verändert: War die Prügelstrafe früher noch sozial akzeptiert, hat sie längst auch im deutschen Recht Einzug gefunden. Gemäß § 1613 BGB haben Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung: „Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig“.

Auch der Klaps auf den Po (strenggenommen sogar schon der Versuch) fällt unter den Tatbestand der Körperverletzung (§ 223 StGB) und kann strafrechtlich verfolgt werden.

Dass Kindererziehung nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist und Eltern oftmals an den Rand der Verzweiflung treiben kann, ist kein Geheimnis. Doch selbst in stressigen Situationen ist der Klaps auf den Po immer die schlechteste Lösung.

Quellen