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Neue Abtreibungsregel: Ungarn zwingt Frauen die Herztöne des Babys anzuhören

Ungarn verschärft Abtreibungsgesetz
© Pexels/ Nora

Ungarn: Staatschef Viktor Obán und Innenminister Sandor Pinter führen überraschend neue Regel für Abtreibungen ein. Ab Donnerstag gilt, dass jede Frau vor einem Schwangerschaftsabbruch, die Herztöne des Embryos in ihrem Bauch anhören muss. Das geht aus dem ungarischen Amtsblatt hervor.

Ab Donnerstag gelten in Ungarn neuen Abtreibungsregelungen

Möchten Frauen ihre Schwangerschaft beenden, so ist nach der neuen Verordnung von Innenminister Sandor Pinter eine fachärztliche Bescheinigung notwendig.

In dieser soll hervorgehen, dass ihr „die Faktoren, die auf das Vorliegen der Lebensfunktionen des Embryos hinweisen, auf eindeutige Weise zur Kenntnis gebracht wurden“. Damit ist gemeint: Frauen, die in Ungarn abtreiben lassen wollen, sind künftig dazu gezwungen, die Herztöne des Babys mit anzuhören.

Die Abtreibungsgesetze in Ungarn sind bedingt „frei“. Es gilt eine Fristenlösung und die Pflicht zur Beratung. Hier kann sich die Schwangere bis zur zwölften Woche auf eine persönliche Krisensituation berufen. Neu wird jetzt sein, dass ein Ultraschall, auf dem die Herztöne des Babys zu hören sind, teil der medizinischen Beratung werden.

„Zwei Drittel der Ungarn den Beginn des Lebens eines Kindes mit dem ersten Herzschlag in Verbindung bringen“, erklärt das ungarische Innenministerium, wie die Tagesschau berichtet. Moderne Geräte sind in der Lage, die Herztöne schon früh in der Schwangerschaft festzustellen. Das würde eine „umfassendere Information für schwangere Frauen“ ermöglichen auf Grund derer sie sich für oder gegen einen Abbruch entscheiden sollen.

Eine weitere Belastung für schwangere Frauen

Laut mehreren Frauenrechtsorganisationen erhöhe sich durch diese Verschärfung der Druck auf die schwangeren Frauen enorm. Dabei würden sich diese ohnehin schon durch eine ungewollte Schwangerschaft in einer äußerst schweren Lage befinden.

Neuerung kommt überraschend

Áron Demeter, der Medienbeauftragte von Amnesty International Ungarn, sagte, die Verordnung würde „den Zugang zu legalen und sicheren Abtreibungen erschweren“, so die Deutsche Welle. Die Gesetzesänderung sei „aus dem Nichts gekommen, ohne irgendeine Art von öffentlicher und professioneller Konsultation zu diesem Thema“.

Woher stammt die Idee zum Anhören der embryonalen Herztöne?

Die Idee habe der Ministerpräsident Viktor Obán von der rechtsextremen Partei Mi Hazánk (dt.: Unsere Heimat). Einer Partei, die in dieser Legislaturperiode das erste Mal ins Parlament einzog. Und obwohl die Partei Mi Hazánk die regierenden Parteien und Gruppen im Parlament sowie auch Viktor Obán für deren Politik ablehnt, erhält sie in der Bevölkerung viel Zuspruch und Unterstützung.

Beweggründe des Ministerpräsidenten

Viktor Obán gilt als konservativ. Er spricht sich sehr für die christlichen Werte und für das Ideal der traditionellen Familie aus. Zugleich ist ihm aber bewusst, dass ein umfassendes Abtreibungsverbot, wie im rechtsnational regierten Polen, in seinem Land äußerst kritisch wäre. Das neue Abtreibungsgesetz, ist für Obán also quasi ein Hintertürchen, dass die Frauenrechte einschränkt, ohne ein offizielles Verbot.

Quellen

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