„Dickes Problem beim Alkoholkonsum“: Suchtbeauftragter will Trinken unter Aufsicht verbieten

Kind und Familie stoßen zusammen an
Ist ein Verbot wirklich richtig?
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Kinder dürfen in Deutschland schon mit 14 Jahren Alkohol trinken – solange die Eltern dabei sind. Das möchte der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung nun endlich verbieten. Denn vor allem in der Pubertät kann regelmäßiger Alkoholkonsum dauerhafte Schäden anrichten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Laut Jugendschutzgesetz dürfen Kinder und Jugendliche in Deutschland unter Aufsicht der Eltern bereits im Alter von 14 Jahren Alkohol trinken.
  • Diese Regelung ist einmalig in Europa.
  • Der Suchtbeauftragte der Bundesregierung sieht darin ein „dickes Problem“ und fordert eine Grenze von 18 Jahren.

Ab wann dürfen Kinder Alkohol trinken?

Kinder und Jugendliche dürfen schon im Alter von 14 Jahren in der Öffentlichkeit Alkohol trinken, sofern sie das unter der Aufsicht ihrer Eltern tun. Das ist tatsächlich so im Jugendschutzgesetz offiziell festgelegt. Bier, Wein und Sekt dürfen dann zum Beispiel auch im Restaurant an Jugendliche ausgeschenkt werden, Schnaps aber nicht. Eine einmalige Regelung innerhalb von Europa, die der Drogen- und Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, jetzt endlich abschaffen will.

: Zählt auch der Geschmack?

Das ist aktuell erlaubt:

  • Unter 14 Jahren: Generelles Alkohol-Verbot
  • 14 – 16 Jahre: Kinder und Jugendliche ab 14 dürfen in Begleitung der Eltern Wein, Bier oder Sekt trinken, aber keinen harten Alkohol.
  • 16 – 18 Jahre: Jugendliche dürfen ab dem 16. Geburtstag auch ohne elterliche Begleitung Bier, Wein oder Sekt trinken. Harter Alkohol bleibt verboten.

Erst ab dem 18. Geburtstag dürfen auch harter Alkohol wie Schnaps, Wodka oder hochprozentige Mischgetränke in der Öffentlichkeit konsumiert werden.

Suchtbeauftragter will Alkohol-Verbot unter 18 Jahren

”Darin spiegelt sich die anachronistische Wahrnehmung, dass wir in Deutschland kein Alkoholproblem hätten. Wir haben aber ein dickes Problem beim Alkoholkonsum“, sagt Burkhard in einem Interview mit Ippen Media. Er fordert eine generelle Altersgrenze von 18 Jahren für alle Suchtmittel. Diese solle demnach auch für Cannabis gelten.

Wie schädlich ist Alkohol bei Kindern?

Das Problem des „begleiteten Trinkens“ sieht Blienert vor allem in der Wirkung, die Alkohol auf den heranwachsenden Körper haben kann. „Wenn Kinder und Jugendliche neben ihren Eltern sitzen, ist und bleibt die Wirkung von Alkohol dieselbe“, sagt er im Interview.

Alkohol ist ein Zellgift. Er kann im ganzen Körper Schäden anrichten – vor allem bei Kindern. Durch das geringere Körpergewicht führen bereits kleine Mengen zu einer höheren Blutalkoholkonzentration (Promille) als bei Erwachsenen. Das belastet die Organe, besonders natürlich die Leber und kann die Hirnreifung stören. Die ist erst mit etwa 25 Jahren abgeschlossen und vor allem in der Pubertät finden nochmals wichtige Umbauprozesse im Gehirn statt. Regelmäßiger Alkoholkonsum bei Teenagern kann daher auch zu langfristigen gesundheitlichen Problemen führen.

Mögliche Folgen von regelmäßigem Alkoholkonsum:

  • Schädigungen der Leber (Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose)
  • Schädigungen der Bauchspeicheldrüse
  • höheres Risiko für psychische Beeinträchtigungen z.B. Angstzuständen, Depressionen
  • erhöhtes Krebsrisiko für Mund-, Rachen-, Speiseröhrenkrebs
  • höheres Risiko für Suchtkrankheiten

Ist ein Alkohol-Verbot der richtige Weg?

Fraglich ist allerdings, ob ein Verbot aller Suchtmittel unter 18 Jahren der richtige Weg ist. Trinken die Kinder im Beisein der Eltern, haben diese schließlich immerhin die Kontrolle über die Menge und Art des Alkohols.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass vor allem die Fälle von Alkoholmissbrauch bei den Unter-18-Jährigen weiterhin hoch sind. Rund 22 % der Kinder und Jugendlichen, die wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär behandelt werden mussten, waren sogar noch unter 15 Jahren.

Was meinst du? Sollte es ein Alkohol-Verbot für Kinder und Jugendliche geben oder nicht?

Quellen