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Zahl der ukrainischen Schüler an deutschen Schulen steigt rapide an

Ukrainisches Mädchen in deutscher Schule
Anzahl ukrainischer Kinder an deutschen Schulen auf Rekordwert
© Bigstock/ Marina Andrejchenko

Deutschland – Alleine in der vergangenen Woche wurden wieder über 1800 ukrainische Mädchen und Jungen an deutschen Schulen neu angemeldet. Inzwischen übersteigt die Gesamtzahl die 200.000-Marke. Lehrerverbände fordern deshalb mehr Unterstützung ein.

Schulanmeldungen ukrainischer Kinder steigen weiter an

Viele Kinder und Jugendliche aus der Ukraine mussten aufgrund des Krieges aus ihrem Heimatland nach Deutschland fliehen. Seit Kriegsbeginn wurden 200.754 Kinder und Jugendlichen an deutschen Schulen angenommen. Vor allem nach den Sommerferien sind die Zahlen bundesweit noch einmal nach oben geschossen. Für Schulen und Lehrkräfte sind die zusätzlichen Schüler eine große Herausforderung.

Es fehlt an pädagogischen Fachkräften und geeigneten Räumen

Schon vor der Aufnahme der ukrainischen Kinder litt Deutschlands Schulsystem an einem massiven Lehrer- und Personalmangel. Neben den pädagogischen Fachkräften würden auch die geeigneten Räume fehlen, so die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Vorsitzende Maike Finnern äußert sich dazu:

„Aktuell warten schulpflichtige Kinder deshalb häufig monatelang auf einen Platz in der Schule, oder sie erhalten nur ein eingeschränktes Bildungsangebot“.

Das würde die Integration der geflüchteten Kinder und Jugendlichen massiv stören, so Finnern weiter.

„Kaum noch zu lösenden Herausforderungen“

Eine Sorge, die auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) teilt. Die Lehrer-Gewerkschaft spricht von „kaum noch zu lösenden Herausforderungen“ an den deutschen Schulen.

„Raumknappheit, Lehrkräftemangel und fehlende Unterstützung durch andere Professionen, beispielsweise bei der Bearbeitung von Traumata, führen dazu, dass eine erfolgreiche Integration trotz höchstem Engagement der Lehrkräfte kaum leistbar ist“, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. Teils findet zwischen den geflüchteten Schülern und Lehrkräften nahezu keine Kommunikation statt, da es an weiteren Dolmetschern und ehrenamtlichen Helfern fehlt.

Diese Notlage sollte nicht schöngeredet werden

Diese Extremsituation führe indirekt zu Stundenkürzungen und Streichung von Zusatzangeboten für alle Schüler und Schülerinnen. Der Verbandspräsident der GEW, Heinz-Peter-Meidinger, gehe es nicht um Schuldzuweisungen, „sondern das ist die reale Lage“ und „die Politik sollte so ehrlich sein, diese Notlage nicht schönzureden“.

Laut Meidinger bräuchte es für die über 200.000 Kinder und Jugendlichen weitere 12.000 bis 14.000 Lehrkräfte, was momentan nicht möglich sei. Auch die Hilfe von ukrainischen Lehrkräften würde nur einen Bruchteil des Bedarfs abdecken, da momentan nur 2.700 Lehrkräfte aus der Ukraine in Deutschland beschäftigt sind.

Schulen werden mit den Problemen allein gelassen

Meidinger zufolge schwankt die momentane Stimmung bei den Schulleitungen zwischen Stolz bis hin zur schieren Verzweiflung. Einerseits hat man die Versorgung gesichert und neue Beschulungskräfte gefunden, andererseits werden die Schulen mit den fehlenden Ressourcen und den ganzen Problemen allein gelassen. Zwar liege das nicht am Geld für zusätzliches Personal, sondern daran, dass das passende Personal und die ehrenamtlichen Helfer vor Ort zu finden.

Wie die weiteren Maßnahmen aussehen werden, ist noch unklar. Allerdings lobt der Verbandspräsident die Willkommenskultur und Aufnahmebereitschaft der Schulen für die ukrainischen Kinder und Jugendlichen.

Quellen

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