„Cars 3“ aus der Sicht eines Papas

„Cars 3“ aus der Sicht eines Papas

Unser Autor Dominic Grzbielok kann das Hörspiel von „Cars“ und „Cars 2“ bereits auswendig. Seit 28. September läuft die Fortsetzung „Cars 3“ in den deutschen Kinos und er hat ihn sich natürlich angesehen – und ist mittlerweile etwas „Cars-geschädigt“, aber seine Kinder werden den Film lieben.

"Cars 3" läuft ab 28. September 2017 in den deutschen Kinos
"Cars 3" läuft ab 28. September 2017 in den deutschen Kinos © 2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

„Cars 3“ enttäuscht nicht. Es ist perfekte Unterhaltung für die, die die Geschichten um sprechende Autos lieben. Sechs Euro Eintritt fürs Kino, plus Apfelschorle, vielleicht Popcorn oder ein Eis – da können Eltern wenig falsch machen.*

Für Filmkritiker ist diese Art von Film undankbar. Auch wenn der Film kein Riesenhit im Kino sein wird, so viel ist nach dem Abschneiden in den USA sicher: Er wird sehr lange sehr gut auf DVD und Blu-ray verkauft werden, solange es diese Geräte gibt, und sehr beliebt sein beim Streaming. Kinder, die Fans von Lightning McQueen, dem roten Rennflitzer sind, wollen den Film sehen.

4 Erwartungen, die dein Kind nicht erfüllen kann

Außerdem ist der rote Renner überall präsent auf Brotzeitdosen, als Spielzeugauto, als Karnevalskostüm, als Badehose, als Duplo- und als Lego-Set, als Baseball-Cap, als Unterhose, als T-Shirt, als Jogginghose. Und das sind allein die Merchandising-Produkte, die wir daheim haben.

„Das Cars-Universum ist für Eltern nur schwer zu vermeiden.“

Wenn man so will, bin ich Cars-geschädigt. Ich habe in den letzten zwölf Monaten das Hörspiel von „Cars“ und „Cars 2“ oft gehört. Mindestens einmal pro Woche, vor dem Zubettbringen. Gäbe es „Jeopardy“ noch, ich wäre in der Kategorie „Sprechende Fahrzeuge von Disney“ unschlagbar. Solange ich nicht gegen meine Kinder antreten müsste. Das Cars-Universum ist für Eltern nur schwer zu vermeiden. Überall befindet sich das rote Rennauto. In jedem Samstagsprospekt der Supermärkte findet sich ein Teil aus der Lizenzwelt rund um die Rennautos aus Radiator Springs.

H&M ist Lizenznehmer der Marke Cars, Lego mit seiner Duplo-Reihe. Und viele, viele andere mehr. Disney ist der wichtigste Lizenzgeber für Intellectual Property überhaupt. Jährlicher Umsatz: 40 Milliarden Dollar. In diesem Fall ist die Lizenz seit elf Jahren die Lizenz zum Gelddrucken. Ganz ohne Wertung. Es ist einfach so. Disney verdient damit dreimal so viel Geld wie der nächste im Ranking der besten Lizenzgeber.

Im Geschäft ganz vorne liegen dabei zwei hübsch aufgeräumte Fantasiewelten: Cars für Jungs, Mädchen lieben „Die Eiskönigin“. Ungefähr so verläuft die Geschlechterfront bereits im Kindergarten. Leider. Trotz aller Versuche, den Kindern nicht alle Genderklischees zu vermitteln.

„„Cars 3“ immer noch deutlich besser als die Filme aus der „Planes“-Reihe.“

Eigentlich sollte es doch laut Überschrift um „Cars 3“ gehen. Warum liest du diesen Text also noch? Weil es manchmal wichtig ist, die wirtschaftlichen Zwänge zu verstehen, auch wenn es um so genannte Kulturproduktion geht. „Cars 3“ ist nicht mal ein schlechter Film, auch wenn das diesen Text besser und pointierter machen würde. Nein, bei dem, was zu befürchten war, ist „Cars 3“ immer noch deutlich besser als die Filme aus der „Planes“-Reihe. „Cars 3“ ist Risikominimierung für Shareholder. Aber eben auch langweilig und letztlich ganz egal.

„Cars 3“ erzählt von dem heranziehenden Karriereende von Lightning McQueen. Der rote Rennwagen mit der Startnummer 95 wird von immer mehr jungen Herausforderern überholt. Zur Erinnerung: In der Cars-Reihe reden Autos. Sie haben Gefühle, nicht nur Motor, Karosserie und Reifen. Teil 1 ist die Geschichte des Erwachsenwerdens von Lightning, Teil 2 erzählt vom großen Konkurrenzkampf von Lightning und einem fiesen Formel-1-Auto.

 

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„Lightning McQueen entspricht Rocky Balboa.“

Teil 3 erzählt vom großen Konkurrenzkampf zwischen Lightning und einem jungen Herausforderer. Formelkino, auch wenn der Film anders als im Film zuvor diesmal überhaupt keine Internationalisierungsanstrengungen unternimmt. Im zweiten Teil wurde eine eigene Rennserie kreiert, um möglichst exotische Schauplätze abzuklappern. Dazu gesellte sich noch eine James-Bond-Parodie, die sogar in der deutschen Fassung von der Synchronstimme von Daniel Craig, Dietmar Wunder, gesprochen wurde. Viel von dem Subtext, der Disney-Filme auch für Erwachsene spannend macht, fehlt in Teil 3.

US-Kritiker, die den Film schon im Sommer gesehen haben, haben Cars mit Rocky verglichen. Lightning McQueen entspreche also Rocky Balboa. Und so wie niemand die Rocky-Fortsetzungen gebraucht hätte, ist das auch mit Cars. Anders als Rocky Balboa kommt Lightning aber nicht aus dem Ghetto, sondern war immer schon überzeugt davon, ein toller Rennwagen zu sein.

 

„Cars 3“ ist Mehr-davon-Filmemachen, genauso wie das die Superheldenfilme auch sind. Thor 3, Transformers 5, Fast and the Furious 8, Star Wars 8 – letztlich folgt alles dem gleichen Bauprinzip. Wir können als Zuschauer unsere Idole, Identifikationsfiguren und Actionfiguren noch einmal sehen, in leicht anderen Settings – und behutsam wird ihre Reihe ergänzt um neue, zeitgemäße Figuren (Enkel des King Strip Weathers, schwarze Rennautos, Frauen-Rennautos). Das ist alles sehr vorbildlich erzählt, auch wenn es eine Menge Logikfehler gibt.

Dem Film merkt man an, dass er aus dem Jahr 2017 ist. Menschen/Autos, die man früher Randgruppe genannt hätte, bekommen ihren angemessenen Platz in der Pixar-Welt. Sogar der traditionelle Kurzfilm vor dem Film stimmt auf diese Botschaft an. Das ist alles blitzsauber, aber auch unfassbar langweilig. Wie immer: Sichere Sache für Familien mit Kindern, aus dem Hause Disney.

*Eine Szene gibt es, die für kleinere und empfindlichere Kinder vielleicht schwierig ist: ein Autorennen im Dunkeln mit vielen Feuern und Explosionen. Vorsicht bei Kindern im Vorschulalter. Die Szene könnte sie ängstigen. Ansonsten kommt der Filme ohne Bösewichte aus. Selbst der Gegenspieler von Lightning ist kein böser Typ.