Die Geburt: Für Papa ein komplett unbekanntes Gefühl

Die Geburt: Für Papa ein komplett unbekanntes Gefühl

Vater zu werden ist das Schönste, das es gibt, sagen alle. Dem würde unser Autor Markus Noldes auch zustimmen – allerdings zählte für ihn der Teil der Geburt nur bedingt dazu. Hier erzählt er, warum er sich in den ersten Minuten nur bedingt über die Geburt seiner Tochter freuen konnte.

Vater schläft mit Baby auf einem Bett
So anstrengend die Geburt auch für Papas ist: Wenn das Baby da ist, ist die Freude grenzenlos. © Bigstock / Romrodinka

Es war ein Freitag, kurz vor 17 Uhr, als die Fruchtblase meiner Frau platzte. Während in jeder romantischen Komödie nun die völlige Panik ausbrechen würde, ging meine Frau erstmal entspannt duschen, während ich uns Essen machte – etwas weniger entspannt. Es war der Moment, in dem ich begriff, dass ich keine Ahnung hatte, was in den nächsten Stunden auf mich zukommen würde. Und damit meine ich nicht den Ablauf „Krankenhaus, Wehen, Pressen, Kind“, sondern meine Emotionen. Denn wenn meine Frau bislang meine Unterstützung brauchte, hatte ich meist eine Situation im Kopf, in der es mir schon mal ähnlich ging.

Unpassend: Das haben Männer im Kreissaal wirklich gesagt!

Mir wurde klar: Ich habe keine Ahnung!

Doch das hier, das war neu – für beide. Natürlich ließ ich mir (fast) nichts anmerken, weil eine werdende Mutter wohl am allerwenigsten einen nervösen Partner braucht. Als wir dann im Krankenhaus waren, sorgte ein Gefühl von Sicherheit für Entspannung. Dann kamen die Wehen. Als die schnell immer heftiger und die Pausen dazwischen immer kürzer wurden, wurde mir klar: Ich habe keine Ahnung, wie sich das anfühlen muss.

Die Qual der Ungewissheit war nur schwer auszuhalten

Ich fühlte mich komplett hilflos, weil ich zeitweise nicht wusste, wie ich meiner Frau helfen kann. Gut zureden nervt spätestens nach zwei Stunden. Außerdem wollte sie zeitweise auch einfach in Ruhe gelassen werden. Total verständlich, aber mehrere Stunden ohne wirkliche Aufgabe neben seiner Frau zu sitzen, fühlen sich sehr komisch an.

Die noch größere Qual ist die Ungewissheit, wie lange die Wehen dauern werden. Nicht zu wissen, wann etwas vorbei ist, beziehungsweise der eigentliche Geburtsvorgang so richtig in Gang kommt, ist schwer auszuhalten und demotivierend.

Es war nicht einfach mit anzusehen

Am frühen Samstagmorgen ging es dann endlich in den Kreißsaal. Schmerzmittel, Wehenmittel, PDA – meine Frau bekam das ganze Programm. Auch das war nicht schön mit anzusehen. Einerseits, weil meine Frau panische Angst vor Spritzen hat, andererseits, weil man auch den besten Ärzten bei Schichtende um kurz vor 6 Uhr nicht mehr Spitzenleistungen zutraut. Ein ungutes Gefühl. Schließlich klappte aber alles (die PDA allerdings erst im zweiten Versuch) und die Geburt begann.

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Ich konnte mich erst gar nicht über meine Tochter freuen

Es dauerte weitere vier Stunden, viel Kampf und Blutverlust (ich erspar hier die Details), ehe unser kleiner Schatz auf der Welt war. Die Heftigkeit, mit der meine Frau pressen musste, hatte mir bis da ganz schön zugesetzt. Ich hatte Angst, dass jeden Moment etwas im Gehirn platzen könnte und meine Frau vor Erschöpfung zusammenbricht. So konnte ich mich in den ersten Minuten auch noch gar nicht über meine Tochter freuen, weil die Sorge um meine Frau einfach noch viel zu groß war – und das trotz zwei fantastischer Hebammen, die uns auf den letzten Metern nicht besser hätten betreuen können.

Und dann kam die Freude

Erst nach rund zehn Minuten stellte sich dann die unbändige Freude ein, von der alle reden. Auch weil ich sah, wie bei meiner Frau die Strapazen wie weggeblasen schienen, als sie unseren kleinen Pinsel auf der Brust hatte.  Eine Geburt ist also auch ein wirklich harter Kampf, der sich ohne Zweifel lohnt, der aber auch Spuren hinterlässt. Bei beiden Elternteilen.