„Ganz der Papa!“- Warum mich dieser Satz wahnsinnig nervt

„Ganz der Papa!“- Warum mich dieser Satz nervt

Es scheint Volkssport Nummer eins zu sein: Wer ein Baby das erste Mal sieht, der sucht nach Ähnlichkeiten. Unser Autor Markus Noldes hat das früher auch gemacht – seitdem er selbst Vater ist, nervt es ihn aber zunehmend. Eine Abrechnung.

Vater hat seinen Sohn auf dem Arm
Ganz die Mama oder doch eher der Papa? Unser Autor sagt: Ist doch völlig egal! © Unsplash / Alp Studio

Wem sieht das Baby ähnlicher?!

„Die Augen hat er aber von Papa“, „Die Nase ist ganz die Mama“ – was kommt als nächstes? Die Fußnägel hat sie von Opa? Irgendwie scheinen wir alle den Zwang zu haben, nach Ähnlichkeiten zwischen Kind und Erzeuger zu suchen. Gibt es nichts Offensichtliches, folgt oft schon ein fast enttäuschtes „Ich kann da jetzt aber keinen von euch beiden direkt wiedererkennen“. Auch ich habe schon oft solche Vergleiche angestellt.

Ich finde diese Vergleiche extrem nervig

Doch seit ich selbst Vater bin, finde ich es wirklich nervig, wenn teilweise krankhaft nach gleichen Merkmalsausprägungen gesucht wird. Warum müssen wir gleich von der ersten Minute an Vergleiche ziehen? Mich stören daran vor allem zwei Dinge:

#1 Die Vergleiche können verletzend sein

Es gibt Kinder, die sehen ganz klar ihrem Vater oder ihrer Mutter ähnlicher. Meine Tochter hat ein paar meiner Gesichtszüge mit auf den Weg bekommen. Deshalb heißt von allen Seiten immer: „Die ist ja ganz der Papa!“ Ich weiß nicht, ob es meine Frau stört, aber ich fühle mich zumindest immer merkwürdig dabei. Es ist unser gemeinsames Kind. Da empfinde ich es als unfair, wenn dauernd mein Name fällt. Wäre es andersherum, ich würde mich komisch fühlen. Ein wenig, als hätte man einen Wettstreit verloren. Dabei ist dies völlig absurd, aber das Thema Kind ist gerade in den ersten Wochen und Monaten sehr emotional.

Video-Empfehlung

#2 Mein Kind ist mehr als „50 % Mama/ 50 % Papa“

Jeder Mensch ist einzigartig. Aber das erste was uns einfällt, wenn wir ein Baby sehen, ist zu gucken, wem sieht es ähnlich. Wir fangen also sofort an zu vergleichen und können es nur schwer als das akzeptieren, was es ist: ein ganz eigenes Individuum. Es sollte nicht schon den ersten Wochen seines Lebens irgendwelchen Vergleichen ausgesetzt sein. Denn was nur mit dem Aussehen anfängt, geht weiter von „Jens kann aber schon laufen“ bis hin zu „Hilde hat aber eine eins mit Sternchen in Mathe“. Ist doch ehrlich gesagt: scheißegal!

Lass uns neue Sätze finden!

Auch mir wird es nicht immer gelingen, mein Kind nicht mit anderen zu vergleichen, aber ich versuche es möglichst nicht zu tun. Und was ich selbst für meine Tochter einfordere, werde ich daher auch selbst umsetzen. Weg mit diesen platten, längst ausgelutschten Sätzen. Wie wäre es mit „Wow, solch schöne Augen habe ich aber noch nie gesehen!“ oder „Euer Kind strahlt aber Lebensfreude aus“. Das würde mich als Vater deutlich stolzer machen, als irgendwelche, zufällig durchgesetzten Merkmale aus meinen Genpool.