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Der Tag, an dem ich meine Tochter im Indoor-Spielplatz verloren habe

Es gibt ja immer wieder diese lustigen Anekdoten, dass Kinder am Spielplatz vergessen werden. Bei unserem Autor Markus Kirschbaum wurde dieser Alptraum Wirklichkeit. Hier erzählt er davon.

"Wo ist meine Tochter?!"
"Wo ist meine Tochter?!"
© Unsplash / Annie Spratt

Indoor-Spielplätze: Des einen Freud‘, des anderen Leid!

Wer Kinder hat, kennt Indoor-Spielplätze! Für alle, die sie nicht kennen: Das sind überdimensionierte Freudenburgen, die genügend Auslauf auch in der kalten und nassen Jahreszeit garantieren. Was sie alle gemeinsam haben: Sie sind heillos überfüllt und wirken immer ein bisschen schmierig. Man merkt schon: Ich bin nicht unbedingt ein großer Fan von Indoor-Spielplätzen! Meine beiden Augensternchen sehen das – sehr zu meinem Leidwesen – anders. Deshalb kommt es alle heiligen Zeiten einmal vor, dass ich wertvolle Stunden dort verbringe. Ohne Ohrenstöpsel und Laptop ertrage ich das sehr schwer. Und dann war da der Tag, an dem ich Töchterchen in genau solch einem Spielplatz verloren habe. Tja, Karma lässt grüßen…

Mit Kindern am Indoor-Spielplatz? Flöhe hüten ist einfacher!

Die Kinder waren noch recht klein, als ich mich an einem Wintertag mit ihnen in den Indoor-Wahnsinn begab. Mit einem ungestümen Vierjährigen und einer furchtlosen Dreijährigen am Sonntagnachmittag einen Indoor-Spielplatz unsicher machen? Einen Sack Flöhe zu hüten ist ein Kinderspiel dagegen!

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Und dann war plötzlich das Kind weg!

Es kam schließlich, wie es kommen musste: Gerade war Töchterchen noch da, plötzlich war sie wie vom Erdboden verschluckt! Wer sein Kind schon einmal inmitten gefühlter drei Milliarden wuselnder Zwerge verloren hat, kann erahnen, wie ich mich fühlte. Mir wurde erst heiß, dann kalt, dann wieder heiß! Mein Rufen ging in ohrenbetäubendem Kindergeschrei unter. Ich zerrte meinen Sohn durch den Spielplatz, in der Hoffnung, die Kindermasse würde sich teilen und mein Mädchen mir entgegenschreiten. Von Schuldgefühlen war ich förmlich aufgefressen! Irgendwo hier stand meine Tochter, verzweifelt, vaterseelenallein und Tränen überströmt.

Alles halb so schlimm! Es gibt doch Schokolade!

Schließlich tat ich das, was ein Vater tun musste: Ich machte mich auf die Suche nach dem Info-Schalter, um um Hilfe zu bitten! Gott, war mir das peinlich… Ich war noch einige Meter vom Schalter entfernt, als ich meinen Augen nicht traute: Da saß mein Töchterchen – quietschvergnügt – zwischen den Mitarbeitern, einen Schokoriegel in der Hand. Sie lachte und scherzte und schien sich bestens zu unterhalten. So viel zu „vaterseelenallein“…

„Können wir das nochmal machen?“

Ich eilte ihr die letzten paar Schritte entgegen und hauchte entkräftet: „Mein armer Schatz!“ Die Angestellten grinsten und meinten, jetzt sei ich ja da, da müssten sie mich nicht mehr ausrufen lassen. Viel Spaß habe man außerdem gemeinsam gehabt… Und Töchterchen? Die presste ihren schokoverschmierten Mund an mein Ohr und flüsterte: „Ich hab Süßes gekriegt! Das war so toll! Können wir das nochmal machen?“