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Nein, ich bespaße meine Kinder nicht!

vonMarkus Kirschbaum

Unserem Papa Markus Kirschbaum ist der Unterschied zwischen „Spaß“ und „Bespaßung“ sehr wichtig. Warum er Spaß nicht abgeneigt ist, seinen Nachwuchs aber nicht bespaßt, erzählt er uns heute.

vonMarkus Kirschbaum
©Pexels/Tatiana Syrikova

Ich bin Papa, kein Entertainer!

Es gibt da ja die bekannte Redewendung, was man gerne macht, macht man gut. Das unterschreibe ich nur allzu gerne. Ich für meinen Teil bin gerne Papa und ich wage zu behaupten, das mache ich gar nicht so schlecht. Dafür bin ich ein ganz lausiger Entertainer. Weil ich es eben einfach nicht gerne mache, so einfach ist das!

Wenn ich Kinderstimmen höre, die „Mir ist sooo langweilig!“ quengeln, bricht mir der kalte Schweiß aus. Gehören die Kinderstimmen meinem eigenen Nachwuchs, sehe ich zu, dass ich möglichst schnell Land gewinne.

In der Regel bedeutet: „Mir ist sooo langweilig!“ nämlich nicht „Mir ist gerade ein wenig fad. Gib mir doch ein paar Tipps, die ich dann in Eigenregie umsetze“, sondern: „Du bist mein Papa und damit für mein Lebensglück verantwortlich. Mach sofort, dass ich mich besser fühle. Wie ist mir egal, aber es könnte etwas mit Brettspielen, Lego, Zeichnen oder einem Ausflug zu tun haben. Ob das gerade für dich passt, ist mir egal.“

: Wissenschaftlich bestätigt

Darauf reagiere ich mit Vermeidung und Flucht. Ich bin niemand, der sich von anderen gerne etwas aufs Auge drücken lässt. Da geht mir nämlich blöderweise jegliche Freude daran verloren. Das trifft auch auf die Freizeitgestaltung meiner Kinder zu.

Was ich freiwillig und gerne mache, mache ich gut. Fühle ich mich gezwungen, wird es schwierig. Auf die „Mir-ist-so-fad-Forderung“ gibt es von mir deshalb meistens nur ein: „Ich bin Papa, kein Unterhaltungskünstler!“ zurück.

Spaß – sehr gerne! Bespaßen – nein, danke!

Dabei bin ich eigentlich ein ziemlich guter Kinder-Entertainer. Ich mache alles, meine Referenzen sind absolut vorzeigbar. Ich spiele Lego, finde mich in Puppenhäusern bestens zurecht, koche auf Drei-Sterne-Niveau in kleinen Küchen (in großen ja nicht so ;)) und kann mich auch für Brettspiele begeistern.

Wandern, Natur und Sport gehen auch problemlos. Polsterschlacht, „Behalt-den-Luftballon-in-der-Luft“, Apnoetauchen in der Badewanne – alles kein Problem…

Aber eben nur dann, wenn ICH will. Fühle ich mich gezwungen, bin ich der grummeligste Spielverderber aller Zeiten. Ehrlich, ich würde dann selbst nicht mit mir spielen wollen. Deshalb lasse ich das auch. Entertainment gibt es eben nur, wenn es sich gerade stimmig anfühlt. Das nennt man dann wohl authentisch. Oder anders ausgedrückt: Ich hab wirklich gerne Spaß mit meinen Kindern, aber bitte nicht erzwungen.

Ohne Langeweile keine Kreativität

Das Ganze hat auch einen sehr positiven Beigeschmack. Ich bin nämlich der bescheidenen Meinung, dass Kreativität ohne Langeweile nur wenig Chance hat. Wenn ich mich für erzwungene Bespaßungen sperre, mag es zwar eine Zeitlang Gequengel geben, dafür kommt hinterher umso Großartigeres dabei raus.

Tolle Kunstprojekte zum Beispiel. Oder selbstgebaute Kugelbahnen aus Büchern, Stühlen und Tennisbällen. Manchmal auch ein umgestaltetes Kinderzimmer. Zuletzt hat sich Töchterchen mithilfe von Online-Anleitungen ein kleines Täschchen genäht.

Währenddessen ist Söhnchen – bewaffnet mit einer Kamera – in den nahegelegenen Wald aufgebrochen und mit großartigen Fotos wieder zurückgekommen…

Selbst beschäftigen? Die meisten Kinder können das!

In all den Jahren des Papa-Seins habe ich es nie geschafft zu verstehen, warum manche Eltern darüber stöhnen, dass sich ihre Kinder nicht selbst beschäftigen können und ständig „bespaßt“ werden müssen.

: So klappt's

Die Sache ist doch die: Wenn man das mit dem „Bespaßen“ einfach verweigert, findet der Nachwuchs andere Lösungen und alles ist gut. Dann klappt das irgendwann auch mit dem „Selbst-Beschäftigen“. Die Quengelei, dass alles so langweilig ist, muss man halt aushalten können. Aber dafür wird man dann auch mit kindlicher Kreativität belohnt!

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