Vater erzählt: Mein Sohn darf schlafen gehen, wann er möchte!

Mein Sohn darf schlafen gehen, wann er möchte!

Bei kaum einem Thema häufen sich die guten Ratschläge mehr als beim Schlaf. Wie viel davon braucht der Nachwuchs denn nun eigentlich? Und darf er selbst bestimmen, wann er schlafen geht? Der Sohn unseres Autors Markus Kirschbaum darf das. Warum es bis dahin ein langer Kampf war und weshalb das leidige Thema Schlafen im Hause Kirschbaum mittlerweile viel entspannter betrachtet wird, erzählt Markus hier.

Junge liest im Bett
©Unsplash/Annie Spratt Wieviel Schlaf braucht mein Kind?

Was macht man mit einem Kind ohne Schlafbedürfnis?

Sohn war immer ein extrem schlechter Schläfer, schon als Baby. Im Prinzip hat er nämlich nicht besonders schlecht geschlafen, er hat genau genommen überhaupt nicht geschlafen. Wenn er sich dann dankenswerter Weise erbarmt und sich doch eine Mütze Schlaf gegönnt hat, schlief der Kerl sogar ziemlich gut. Nicht oft, nicht lange, aber gut!

Jedenfalls drehte sich bei uns viele, viele Jahre lang alles ums Schlafen – oder eben ums Nicht-Schlafen. Alles Mögliche haben wir ausprobiert, um Sohnemann das ein oder andere Stündchen Schlaf abzuluchsen. Tagsüber auspowern (da waren dann eigentlich nur wir Erwachsenen streichfähig), alle möglichen Einschlafrituale (irgendwann kamen wir damit durcheinander, Rituale sind irgendwie nichts für uns), eiserne Konsequenz (haha, das passt noch weniger zu uns) – nichts fruchtete. Überhaupt nichts! Sobald man die Kinderzimmertüre geschlossen hatte, kam der kleine Zwerg nur wenige Minuten später hellwach und in bester Laune wieder zurück zu uns ins Wohnzimmer. Mit einem fröhlichen: „Gar niiich müüüde!“ auf den Lippen.

Langer Rede, kurzer Sinn: Der Kerl schlief nicht und wenn wir uns auf den Kopf stellten und mit den Ohren wackelten! Er war eben niiich müüüde, basta!

Laissez-faire? Ja, manchmal schon!

Irgendwann waren wir mit unserem Latein am Ende. Ein Kind muss doch schlafen, oder etwa nicht? Wir änderten die Strategie. Ganz im Sinne von laissez-faire ließen wir ihn einfach aufbleiben und selbst bestimmen, wann er ins Bett geht. Da war er im Kindergarten und am nächsten Tag musste er fit sein, weil Papa und Mama zur Arbeit fuhren. Und siehe da: Er hatte das voll im Griff! Zwischen 21 und 22 Uhr brach er ins Bett auf, legte sich aufs Ohr und schlief schließlich ein.

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Nach gängigen Richtlinien war das wahrscheinlich viel zu wenig Schlaf für ein vier oder fünf Jahre altes Kind, doch für unseren Sohn war es perfekt. Und nein, er war am nächsten Tag nicht übermüdet und unausgeglichen, er war tatsächlich fit. Damals ist uns zum ersten Mal deutlich aufgefallen, dass es eben nicht um Autonomie oder Machtkampf geht, sondern dass der Zwerg tatsächlich ein reduziertes Schlafbedürfnis hat. Soll ja vorkommen… Unsere Einstellung zum Schlafen wurde jedenfalls lockerer und auf Söhnchen hat das sichtlich abgefärbt.

Bleib‘ halt auf, wir müssen es ja niemandem auf die Nase binden!

Bald ist unser Wenigschläfer neun Jahre alt und an seinem Schlafbedürfnis hat sich nichts geändert. Auch wenn am nächsten Tag Schule ist, geht er nicht vor 22 oder 23 Uhr ins Bett. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass er leise sein muss. Immerhin schläft seine Schwester und uns Eltern ist unsere Ruhe ab einer bestimmten Uhrzeit auch heilig. Das ist für Sohnemann aber kein Problem. Meist liest er, schreibt etwas oder baut Lego. Und sobald er müde wird, geht er ins Bett. Ohne viel Theater! Wir haben es uns aber angewöhnt, das nicht unbedingt nach außen zu kommunizieren. Bei einem Kind, das so lange aufbleiben darf, werden die Blicke nämlich gerne einmal wertend und das muss ja nicht unbedingt sein!