Nicht ohne deinen Helm, Kind!

Kind mit Helm auf dem Kopf, schaut böse in die Kamera
Helmpflicht? Diskutiere ich nicht!
© Unsplash / Mick Haupt

Helm beim Laufrad-, Roller- oder Fahrradfahren? Absolute Pflicht, findet unser Autor und Papa Markus Kirschbaum. Das diskutiert er mit seinen Kindern auch nicht. Egal, wie angestrengt der Nachwuchs versucht, die Helmpflicht zu umgehen – Markus bleibt eisern.

Helmpflicht gilt auch für kleine Trotzköpfe

Mit Schaudern erinnere ich mich an die Zeit, als mein Nachwuchs mit Schwung in die Trotzphase kippte. Die beiden machten Bekanntschaft mit ihrem eigenen Willen und ich selbst mit meinen Grenzen. Was stets ganz selbstverständlich funktionierte und nicht boykottiert wurde, war plötzlich ein RIESENPROBLEM.

Für den Helm, der bis dahin brav und duldsam am Kopf belassen wurde, bedeutete das eine gewisse Umstellung. An ihm wurde gezerrt, gerüttelt und war sie endlich offen, diese blöde Schnalle, wurde er wutschnaubend vom Haupt gerissen und in hohem Boden auf den Boden geknallt. Dicht gefolgt von einem schrillen: „KEEEIN HEEELM!!!“

Was erwarten sich Papa und Mama auch sonst, wenn sie den friedfertigen Nachwuchs dazu zwingen dieses Folterinstrument aufzusetzen, wo er doch nur ein wenig herumcruisen möchte? Den Wind im wallenden Haar und so… Das ist doch bitteschön nicht so schwer zu verstehen…

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Tja, Papa verstand nicht und setzte – auch Papas dürfen das – zur Abwechslung einmal seinen eigenen Kopf durch. Für die Kinderköpfe bedeutete das: Ohne Helm kein Laufrad, Roller oder Fahrrad! Bleibt an dieser Stelle nur zu sagen: Ja, wir mussten die eine oder andere Tour aus pädagogischen beziehungsweise gesundheitsfördernden Gründen abbrechen. Manchmal sogar, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Tja, so ist das Leben…

Helmpflicht? Diskutiere ich nicht!

Was nach der Trotzphase folgte, waren ein paar herrlich unkomplizierte Jahre, wo sich die beiden einfach anstandslos an die Helm-Vorgabe hielten. Ob kurze Fahrten oder lange Touren, der Helm wurde ohne Murren aufgesetzt. Eine tolle Zeit, die aber leider nicht ewig dauerte.

Irgendwann inmitten dieser idyllischen Phase klopfte zaghaft die Pubertät an. Das hat nun zur Folge, dass einfach ALLES kritisch beleuchtet und hinterfragt werden muss. Egal, worum es geht, sie sind schon einfach aus Prinzip dagegen. Helm, wenn man nur kurz zum Supermarkt fährt? Helm, wenn das Nachbarskind doch auch keinen trägt? Helm, wenn es sooo heiß ist?

Dazu lässt sich kurz und knapp sagen: Papa bleibt eisern. Dass die Helmpflicht nicht diskutiert wird, ist aber auch wirklich nichts Neues…

: „Ihr seid so peinlich“

Zu cool für einen Helm?

Eine bedenkliche Wende läutete vor einigen Monaten der zwölfte Geburtstag meines Älteren ein. Die sogenannte Helmpflicht gilt für ihn jetzt nämlich nicht mehr. Die ist gefallen und hat dabei ganz neuen Argumentationslinien Tür und Tor geöffnet. Schließlich ist er doch jetzt alt genug, ein Helm uncool und sowieso trägt überhaupt keiner von seinen Freunden einen Helm. Wieso also verlangen wir das von ihm? Unnötig zu erwähnen, dass ich immer noch nicht diskutiere… Kein Helm, kein Fahrrad! Aber mühsam sind solche Grabenkämpfe halt…

Manche Dinge regeln sich von selbst…

Dann hat es sich zuletzt ganz zufällig zugetragen, dass meine Kinder und ich als Ersthelfer zu einem Unfall kamen. Keine große Sache, aber es waren ein Fahrrad, kein Helm und (gar nicht so wenig) Blut beteiligt… Keine Sorge, dem verunfallten Mann geht es gut! Doch anscheinend hat die Begebenheit Söhnchen dazu bewogen in sich zu gehen und nachzudenken.

Seit wenigen Wochen schnappt er sich jedenfalls anstandslos seinen Helm und Coolness und Freunde sind kein Thema mehr. Wir werden sehen, wie lange das so bleibt. So lange schweige ich jedenfalls demütig und freue mich über seine Vernunft…