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Auch Eltern haben ein Recht auf schlechte Laune

vonMarkus Kirschbaum

Trotzphase, 6-Jahres-Krise oder Pubertät – es gibt Momente, da müssen wir die Launen unseres Nachwuchses einfach aushalten. Ein bisschen schlechte Laune von Zeit zu Zeit ist völlig in Ordnung!

Das findet auch unser Autor und Papa Markus Kirschbaum. Er sagt: auch Eltern haben ein Recht auf schlechte Laune!

vonMarkus Kirschbaum
© Pexels / Ketut Subiyanto

Muffi-Schlumpf? Wohnt bei uns zu Hause!

Manche Eltern ahnen das bereits im Vorfeld, andere wiederum werden sprichwörtlich ins kalte Wasser gestoßen. Ein bisschen schlechte Laune von Zeit zu Zeit ist völlig in Ordnung!

Miese Stimmung ist nämlich mitnichten ein Privileg der lieben Kleinen. Im Gegenteil, auch Eltern haben ein Recht auf schlechte Laune!

Unterirdische Stimmungshighlights in der Trotzphase, Wutausbrüche in der Wackelzahnpubertät, pseudocooles Genervtsein als Vorbote der echten Pubertät (Hilfe…) – kennen wir alles zur Genüge!

Muffi-Schlumpf – ihr wisst schon, der grummelige Schlumpf, der wirklich ALLES hasst – wohnt fallweise bei uns zu Hause.

Manchmal lässt er sich tagelang nicht blicken, dann wieder poltert er lautstark durchs Haus. Und auch, wenn es mühsam ist, ist es okay.

Kein Kind ist durchgehend ein Sonnenscheinchen vor dem Herrn. Schlechte Laune darf ruhig sein! Im Hinblick auf die derzeitigen Corona-Gegebenheiten ist sie sogar ziemlich nachvollziehbar.

Es dürfen also Türen geknallt, patzige Antworten gegeben, Schreiduelle veranstaltet oder Stofftiere durch die Gegend geworfen werden – ist gar kein Problem.

Auch wenn nach allen Regeln der Kunst geflucht wird, schaffe ich es, darüber hinwegzusehen.

Nur eine Sache ist wichtig: Muffi-Schlumpf darf jeder sein! Von klein bis groß, von jung bis alt! Schlechte Laune ist schließlich keine Einbahnstraße…

Schwankende Stimmung kennt kein Alter

Nur weil ich aus der Trotzphase, Zahnlückenpubertät und echter Pubertät schon herausgewachsen bin (obwohl, bei der echten Pubertät bin ich mir da nicht so sicher…), heißt das nicht, dass ich das mit den Stimmungsschwankungen nicht immer noch ganz passabel hinkriege.

Wie das ist, mit dem falschen Fuß aus dem Bett zu hüpfen, das wissen eben auch die Großen.

Der einzige Unterschied zum jüngeren Volke: Erwachsene beißen die Zähne zusammen und schlucken ihren Frust runter.

Lernt man ja im Laufe seines Lebens. Affektregulation und so…

Blöderweise schwankt die Stimmung dann halt im Magen lustig weiter. Schlechte Laune löst sich leider nicht in Luft auf, nur weil man sie nicht zulässt.

Oder anders gefragt: Wie viele Kinder kennt ihr, die an Gastritis oder einem Magengeschwür laborieren? Und wie viele Erwachsene? Eben!

Der Dachs hat heute schlechte Laune? Der Papa auch!

Es gibt da dieses Bilderbuch, das meine beiden Sprösslinge geliebt haben: Der Dachs hat heute schlechte Laune. Ein Buch, direkt aus dem Leben gegriffen und von hohem literarischen Wert. Das sollte sich wirklich jeder ins heimische Bücherregal stellen, der etwas auf sich hält. (Am besten direkt neben die „Heule Eule“ :D)

Dass nicht nur der Dachs schlechte Laune haben darf, sondern auch der Papa, war bei uns lange ein geflügelter Satz.

In manchen Momenten unterirdischer Stimmung sieht mich Söhnchen auch heute noch gespielt mitleidig an und meint grinsend: „Na, heute mal wieder ein Dachs, Papa?“

Dann sucht er aber auch relativ schnell das Weite, denn er kennt mich und meine Stimmungen ja ganz gut. Zum Glück…

Schlechte Laune – gleiches Recht für alle!

So läuft es also bei uns: Dachs oder Muffi-Schlumpf dürfen wir alle einmal sein, solange es nicht aus dem Ruder läuft. Papa und Mama haben schlicht das gleiche Recht auf miese Stimmung wie der Nachwuchs. Hört ja mit dem Älterwerden nicht auf, das mit den Launen…

: Wann und wie lange?

Verhaltenskodex gibt es aber dennoch: Man kann noch so muffig drauf sein, beleidigt wird nicht! Genauso wenig wird der eigene Frust gezielt an den anderen ausgelassen.

Können kleine Kinder noch nicht gut, wird aber mit steigender Anzahl von Geburtstagskerzen auf der Torte besser – zumindest meiner bescheidenen Erfahrung nach!

: 3 skurrile Situationen

Wenn man schlechte Stimmung rauslässt, gärt sie viel weniger im Verborgenen vor sich hin – davon profitieren wir dann irgendwie alle.

Ich halte grundsätzlich daran fest, dass Eltern authentisch sein sollten, gerade auch was Stimmungen angeht. Wie sollen Kinder sonst lernen, mit ihren eigenen umzugehen?

Und hinterher geht‘s uns allen besser…

Einen ganz simplen Effekt hat es außerdem, wenn sich Papa, Mama, Söhnchen und Töchterchen stimmungsmäßig nicht zurückhalten müssen: Es wird nichts auf die lange Bank geschoben und hinterher ist es dann auch schnell wieder gut!

Und so ein bisschen Authentizität, die schadet Kindern ja bekanntlich nicht. Warum sollte sie auch? Die Erfahrung, dass man Gefühle rauslassen darf und auf Regen wieder Sonnenschein folgt, die ist ja auch irgendwie heilsam…

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