Das passiert, wenn man unsere Tochter zur Eile antreibt

Schneckentempo lässt grüßen: Das passiert, wenn man unsere Tochter zur Eile antreibt

Kinder, vor allem kleine, haben etwas, wovon sich Erwachsene eine Scheibe abschneiden können: kein besonders ausgeprägtes Zeitgefühl nämlich! Sie kennen keine Hektik und keinen Stress. Eigentlich ganz schön, wenn da nicht diese Papas und Mamas wären, die sie ständig zur Eile antreiben. Unser Autor Markus Kirschbaum ist einer davon…

Kleines Mädchen sitzt auf dem Boden und schaut sich Blumenblätter an
"Komm, wir müssen jetzt los, sonst kommen wir zu spät!" Kleine Träumer lassen sich von solchen Sätzen meist nicht aus der Ruhe bringen. © Unsplash / Kelly Sikkema

Unsere Tochter ist eine Träumerin

Während unser Sohn relativ flott unterwegs ist, ist Töchterchen seit jeher das, was man wohl eine Träumerin nennt. Böse Zungen (die ihres Bruders zum Beispiel, wenn er wegen ihrer Langsamkeit sichtlich genervt ist) würden es wohl als „Lahme-Schnecken-Syndrom“ bezeichnen, aber Träumerin klingt irgendwie ein bisschen netter. Begrifflichkeiten hin oder her, der Inhalt bleibt derselbe: In vielen Dingen ist sie einfach unglaublich langsam. In manchen anderen Dingen gleicht sie das aber wieder aus: Süßes verschlingt sie zum Beispiel im Flug!

Schneckentempo lässt grüßen …

Im Alltag sieht das dann ungefähr so aus: Auf dem Weg zum Kindergarten muss jeder Schritt sorgsam gesetzt und jede Begebenheit („Da fährt aber ein hübsches Motorrad!“) noch viel sorgsamer besprochen werden. Davor noch wird jedes einzelne Kleidungsstück mit besonderer Sorgfalt ausgewählt. Auch die Zahnpasta drückt man nicht „einfach so“ auf die Zahnbürste. Nein, nein, das Zähneputzen ist ein minutiös geplanter (und im Schneckentempo ausgeführter) Prozess – ist doch wohl klar!

Wenn sich unsere Tochter im Supermarkt ein Eis aussucht, nimmt das gefühlte Stunden in Anspruch. Soll sie sich nach dem Duschen abtrocknen und ihren Pyjama anziehen, kann man sicher sein, dass sie auch eine Viertelstunde später noch in ihr Handtuch gewickelt dasitzt und fröhlich Löcher in die Luft starrt.

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Manchmal kostet das Trödeln ganz schön Nerven

Je nach Gemütslage ist dieser Charakterzug unserer Tochter entweder recht charmant oder aber unglaublich nervig. Wenn die Zeit drängt, dann eindeutig zweiteres! Vorwiegend ist das morgens der Fall, wenn Papa und Mama Termine haben und der große Bruder rechtzeitig in der Schule sein muss. Oder abends, wenn es darum geht, dass die Kinder halbwegs pünktlich im Bett sein sollten.

Wie man Trödeltanten zur Eile antreibt, ohne dass die es merken

Was mich mittlerweile sechs Jahre mit dieser entzückenden Trödeltante in einem Haushalt gelehrt haben? Treibst du das gemütliche Goldkind zur Eile an, machst du damit alles nur schlimmer. Viel schlimmer! Statt einem flotten Kind, das in Windeseile erledigt, was es zu erledigen gilt, habe ich dann nämlich ein bockiges Kind, das – wie zur Strafe – gleich doppelt so lange braucht!

Bei Schneckentempo-Alarm hilft meiner bescheidenen Erfahrung nach also nur eines wirklich gut: Tief in die Trickkiste greifen, um aus einem langsamen Kind ein flottes Kind zu machen, ohne dass dieses es bemerkt. In Form lustiger Wettkämpfe auf Zeit nämlich, ausgestattet mit Stoppuhr und manchmal auch einem Bestechungs-Ehrenpreis für besonders schnelle Mädchen. Klappt meistens, macht außerdem Spaß und pünktlich kommt man obendrein!