Bookmark

Spielplatz-Frust: Wenn Eltern anstrengender sind als ihre Kinder

Die Kinder unseres Autors Markus Kirschbaum zwingen ihn regelmäßig auf den Spielplatz. Das ist im Prinzip auch kein Problem, wären da nicht die anderen Eltern. Denn mit denen kann es mitunter ganz schön mühsam werden…

Eltern, die sich in alles einmischen, machen Papa Markus wahnsinnig.
Eltern, die sich in alles einmischen, machen Papa Markus wahnsinnig.
© Unsplash / Jens Johnsson

Spielplatz = Erholung?

Im Gegensatz zu meiner Frau bin ich eigentlich ganz gerne mit der Brut am Spielplatz. Frische Luft, Auslauf und andere Kinder – mehr brauchen Zwerge nicht! Am Abend sind sie dann richtig schön ausgepowert und schlafen (hoffentlich!) wie Steine. Und mit zunehmendem Alter der Kinder kommt ein nicht zu unterschätzender Bonus hinzu: Die beiden brauchen mich nicht mehr zum Händchen halten, auffangen, schaukeln oder wippen. Grandios, denn somit kann ich mich wunderbar mit Zeitung, Zeitschrift oder Buch auf einer Parkbank entspannen und die strapazierte Papa-Seele baumeln lassen.

Das war’s dann mit der Entspannung

So zumindest der formvollendete Optimalfall! Die Wirklichkeit sieht leider ein bisschen anders aus. In der Realität nämlich, da trampelt so mancher Elternteil auf meinen Nerven herum und erstickt jeden Relax-Versuch im Keim. Das Problem dabei liegt leider klar bei meiner Wenigkeit. Mit Leichtigkeit kann ich nämlich Kindergeschrei, knallende Bälle oder quietschende Schaukeln ausblenden, sobald aber ein mütterlich oder väterlich besorgtes: „NEEEIN, Constantin! Der Eimer gehört dem MÄÄÄDCHEN!“ oder „Aber EMIIILY, wir HAUEN doch NICHT!“ an mein Ohr dringt, ist es vorbei mit der Entspannung! Das macht mich wahnsinnig!

Video-Empfehlung

Eigentlich war doch alles in Ordnung

Als Constantin den Eimer, der dem MÄDCHEN gehört, angefasst hat und Emilys kleine Kontrahentin einen Schubs abbekommen hat, war nämlich noch alles in Ordnung. Die Kinder regeln das schon untereinander – so zumindest meine Erfahrung! Sobald sich Mama oder Papa jedoch in bester Absicht einmischen, kippt die Stimmung. Mit einem Mal wird wegen Eimerchen und Schubsern gekreischt, als würde die Welt untergehen. Dabei war doch gerade noch alles in bester Ordnung. Aber wenn Mama und Papa so beherzt eingreifen, dann muss doch wirklich etwas Tragisches passiert sein. Oder nicht?

Lasst die Kinder doch einfach machen

Und die Spirale dreht sich weiter! Denn natürlich wollen Mama und Papa die Wogen (die sie selbst verursacht haben!) möglichst rasch glätten und machen alles nur noch schlimmer! Das ist der Zeitpunkt, wo ich mich in meine Lektüre krallen muss, um nicht rüberzugehen und die Wahrheit zu verkünden: „Bevor Sie sich eingemischt haben, war bei Constantin, Emily und deren Mitstreitern doch alles in Butter. Warum zum Kuckuck haben Sie sie nicht einfach machen lassen?!“

Denn die Wahrheit – auch, wenn sie für manche Eltern schwer zu ertragen ist – ist doch folgende: Die Zwerge brauchen uns für ihr Spiel und ihre Konflikte meistens überhaupt nicht. Die kommen wunderbar ohne uns klar! Nur wir Großen haben das noch nicht wirklich kapiert und sorgen so mitunter für Chaos und Tränen am Spielplatz!

Mein Tipp: Sich öfter mal in vornehmer Zurückhaltung üben und die Kleinen in ihrer Entwicklung einfach machen lassen. Dann kann sich nämlich ein gewisser erholungsbedürftiger Papa auf der Parkbank entspannen, während seine Kinder so spielen, wie Kinder spielen sollten – alleine und ohne Einmischung!