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Stillen aus Männersicht: Ein gut gemeinter Post endet im Desaster

Ein Ehemann hat sieben Tipps für Männer, deren Frauen stillen, auf Facebook geteilt. Der Post, der eigentlich gut gemeint war, löst unter Müttern eine heftige Debatte aus. Was hältst du von dem Post?

In einem Facebook-Post gibt ein Vater sieben Still-Tipps für Väter.
In einem Facebook-Post gibt ein Vater sieben Still-Tipps für Väter.
© Bigstock/Lana Iva

„Brüste sind für mich für immer ruiniert“

In Amerika ist im August der sogenannten „National Breastfeeding Month“. Auf Facebook und Instagram finden sich zu diesem Anlass daher viele Posts, die das Stillen, vor allem das Stillen in der Öffentlichkeit, normalisieren wollen. Die meisten Posts sind von Frauen – aber auch Männer beschäftigen sich mit dem Thema. So auch Paul Spadone. Er findet, dass es „wichtig ist, auch die Perspektive eines Ehemannes zum Thema Stillen zu teilen.“ Doch der gut gemeinte Post des Vaters verärgert viele Mütter. Denn ein zentrales Fazit seines Posts ist: „Frauen haben außergewöhnliche Körper … und Brüste sind für mich für immer ruiniert“

„Breastfeeding Tipps for Men“ nennt Spadone diesen Spickzettel für Männer für den Umgang mit stillenden Frauen. Insgesamt gibt er sieben Tipps.

"My husband wrote this… thought y’all might like it! In honor of breastfeeding week I feel like it is important to…

Gepostet von Breastfeeding Mama Talk am Mittwoch, 7. August 2019

Seine 7 Still-Tipps für Männer

Tipp #1: „Das Mysterium und die daraus resultierende Begeisterung, die du fühlst, wenn du die Brüste deiner Frau siehst, wird für immer weg sein“, schreibt er.

Der Vater erklärt, dass man sich irgendwann daran gewöhnt, Brüste zu sehen, weil die Mutter ihr Kind ja oft Stillen muss. „Egal ob neben dir auf der Couch, im Restaurant, im Flugzeug oder im Auto…irgendwann nimmst du gar nicht mehr wahr, dass die Brüste deiner Frau oft zu sehen sind.“

Tipp #2: „Habe ich Muttermilch schonmal probiert? Ja! Schmeckt sie gut? Nein. Genug gesagt!“

Tipp #3: „Du wirst schnell lernen, dass deine Frau und du eine Sache gemeinsam habt: Ihr beide hegt einen großen Hass für die Muttermilchpumpe!“

Spadones findet nicht nur die Lautstärke und die Geräusche, die eine Muttermilchpumpe macht, störend. „Es ist die visuelle Erfahrung, wie du die Nippel deiner Frau siehst, die immer wieder gezogen und gedehnt werden.“ Der Vater endet diesen Tipp mit einer Warnung. „Wörter allein können diese Erfahrung gar nicht beschreiben.“

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Tipp #4: „FASS SIE NICHT AN!

Der Vater erklärt, dass Brüste durch das Stillen und die Muttermilchpumpe oft wund sind. Deswegen sollten Väter die Hände einfach bei sich lassen. „Bedenke, dass die Brüste deiner Frau nicht mehr nur für dein Vergnügen da sind.“

Tipp #5: „Wie kannst du deiner Frau beim Stillen helfen? Mach Flaschen sauber!“

Nicht nur Flaschen, sondern auch die Einzelteile der Muttermilchpumpe müssen saubergemacht werden. Spadones rät Vätern, diese langweilige Aufgabe zu übernehmen.

Tipp #6: „Leg dich nicht mit ihr an!“

Der Vater erklärt: „Die Mutter deiner Kinder ist jetzt bewaffnet mit zwei Milch-Spritzpistolen, die jederzeit einsatzfähig sind. Und sie wird sie verwenden.“

Tipp #7: „Neue Vater, beachtet meine Warnung: Hängebrüste werden kommen!“

Spadone gibt Vätern hier einen Tipp: „Verbrenne das Bild der Brüste einer Frau während der Schwangerschaft auf deinem Gehirn.“ Denn die Brüste sind laut ihn nie wieder wie zuvor.

„Es gibt Zeiten, da werden sie prall gefüllte Doppel D’s sein, die den BH fast zum Platzen bringen werden🤪. Aber am Ende werden sie aussehen wie leere Wasserballons […] 😞“

Der Post ist gut gemeint…

Zunächst wirken Spadones Tipps nicht sonderlich bestärkend. „Ich hasse diesen Post! Der Focus liegt nur auf dem Aussehen der Brüste und wie sie jetzt ‚ruiniert‘ sind“, kommentiert eine Nutzerin. Eine Meinung, die viele teilen. Unter dem Facebook-Post finden sich mittlerweile über 1.300 Kommentare. „Ich finde das nicht wirklich nett. Der Post ist ziemlich unhöflich und ich hoffe, dass niemand diese Dinge zu seiner Frau sagt“, schreibt zum Beispiel eine andere Userin.

Doch Spadone wird für seine ehrlichen Worte auch gelobt. „Ich habe den ganzen Brief geliebt […] Er scheint ein großartiger und unterstützender Ehemann zu sein – und das ist, was wichtig ist“, schreibt eine Nutzerin. Dem stimmt auch eine andere Mutter zu: „Ich habe drei Kinder gestillt und dieser Post ist perfekt. Wahrscheinlich würde mein Mann auch so etwas sagen.“

Seinen Post endet Spandone mit einer Erinnerung, wie wichtig Brüste für Neugeborene sind. „Schütze [die Brüste], behüte sie und ehre sie, denn, obwohl sie nicht mehr nur für dich da sind, braucht dein Baby sie. Yay für Brüste! Aus dem Ende geht also klar hervor, dass der Vater es gut gemeint hat, auch wenn einem die ehrlichen Worte vielleicht schmerzen. Spandone richtet sich mit dem Post an andere Väter und mahnt sie zum Verständnis.

Deine Frau hat dein Baby den ganzen Tag an der Brust und dann ist es endlich abends und sie hat ein bisschen Freiheit. Das letzte, was sie jetzt will ist ein Riesenbaby (DU!) im Haus. Sie ist müde, ihre Brüste sind wund und sie will nur ein bisschen Raum für dich. Ich weiß, das nervt!

Seine Ehefrau hat alle ihre drei Kinder gestillt und er habe sie währenddessen so gut er kann unterstützt. Seiner Meinung nach sollten das alle anderen Väter auch dringend tun! Dass das (in Amerika) offenbar nicht selbstverständlich ist, zeigt, wie wichtig der Post eigentlich ist.