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Geld für Zeugnisse? Nicht im Hause Kirschbaum!

vonMarkus Kirschbaum

Gute Leistungen wollen belohnt werden, wie es so schön heißt. Was also, wenn der Nachwuchs am Zeugnistag mit breitem Grinsen und geöffneter Hand vor einem steht? Oder anders gefragt: Geld für Noten – eine Selbstverständlichkeit oder ein No-Go? Unser Autor und Papa Markus Kirschbaum hat sich so seine Gedanken gemacht!

vonMarkus Kirschbaum
© Unsplash / Annie Spratt

Fürs Leben lernen wir

Spätestens ab dem Grundschulalter ist einem die altbackene Weisheit alles andere als fremd. Irgendein Lehrer, Großeltern- oder Elternteil (ich habe mich übrigens vornehm zurückgehalten) flötet nämlich gewiss mit bedeutungsschwangerem Blick: „Nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir!“ Tja, wer‘s glaubt, wird selig… Bescheidene sechs Monate hat die „Fürs-Leben-Lernen“-Ära jedenfalls bei meinem Erstgeborenen gedauert. Dann stand das erste Zeugnis an…

Geld für Noten? Echt jetzt!?

Das Halbjahreszeugnis in den Händen, stand Söhnchen mit Eurozeichen in den Augen vor mir. Seine Noten wären doch ganz passabel, was es denn dafür geben würde… Wie bitte?! Ob ich mich verhört hatte? Ich selbst habe in meinem ganzen Leben nie auch nur einen Cent für Noten bekommen. Was wollte der Kerl von mir? Auf meine erstaunte Nachfrage hin, gab der Herr Sohn äußerst bereitwillig Auskunft.

Zeugnisgeld ist wohl salonfähig

Nämlich: ALLE (ja klar…) Kinder würden Geld – oder zumindest ordentlich Geschenke – für gute Noten abräumen. So sei das eben mittlerweile. Das hatten sie auf der Heimfahrt im Bus ausführlich besprochen. Der Stefan zum Beispiel bekommt von seinen Eltern für jede Eins einen Fünf-Euro-Schein. Und noch einmal 20 Euro von der Oma. Die Patentante schlägt dann noch 40 Euro drauf – ganz egal, wie das Zeugnis ausfällt.

 

„Sohn“, sage ich also bedächtig und der Zwerg schaut hoffnungsvoll zu mir hoch, „damit hat der Stefan aktuell vermutlich mehr Geld in der Tasche als ich!“

Söhnchens Hoffnung schwindet sichtlich.

„Also kein Geld fürs Zeugnis?“, fragt er und die Eurozeichen verabschieden sich aus seinen Augen.

„Nein, kein Geld für Noten“, bestätige ich dem Kind, das seinen Papa verdammt gut kennt, „aber wir können ein Eis essen gehen und darüber reden“, biete ich an.

„Okay, aber ein Großes. Mit Sauce. Und Waffeln.

Kein Geld für Noten im Hause Kirschbaum

Dann reden wir also über die Sache mit dem Zeugnisgeld. Bei einem großen Eis. Und ich schwöre, der Satz mit dem Lernen fürs Leben, der kommt mir nicht über die Lippen. Aber anderes durchaus. Söhnchen – ein kluger Kopf – versteht erstaunlich viel.

Dass Noten eben nicht grundsätzlich etwas über Fleiß und Mühen aussagen zum Beispiel. Dass hart erarbeitetes Mittelmaß eigentlich mehr wert sein müsste als eine nachgeworfene Bestnote. Dass Zensuren nicht viel über Wissen, Können und Einsatz aussagen. Und natürlich, dass Mama und Papa bei solch einem gescheiten Kind rasch bitterarm wären. Letzteres bringt Söhnchen zum Grinsen. Aber trotzdem… Ein bisschen Bares wäre halt schon gut gewesen….

Ein Kompromiss muss her

Nach vier Kugeln Eis, Schlagobers, ordentlich Schokosauce und Waffeln einigen wir uns auf einen fairen Kompromiss: Geld fürs Zeugnis gibt‘s zwar nicht, dafür ab sofort Taschengeld. Und das ganz unabhängig von irgendwelchen Leistungen. Damit kann Sohn leben. Und ich sowieso.

 

: Wie viel ist angebracht?

Bliebe zu sagen: Ende gut, alles gut! Doch es kam sogar noch besser: Einige Tage später schlenderte Söhnchen stolz wie Oskar mit einem nagelneuen 20-Euro-Schein daher. Den habe ihm die Oma gegeben. Für das gute Zeugnis! Was soll ich sagen? Dafür sind liebe Omas nun mal da – und ich bin aus dem Schneider!

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