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Angst vor der Geburt – woher kommt sie und wie überwindest du sie?

Das Baby kommt bald – da sollte die Vorfreude eigentlich groß sein. Für viele Schwangere mischt sich zur Vorfreude aber auch die Angst vor Geburt, Schmerzen und Verletzungen. Je näher der Entbindungstermin rückt, desto nervöser werden viele Schwangere. Woher die Angst kommt und wie du deine Geburtsangst überwinden kannst, erfährst du hier.

Viele Schwangere haben Angst vor Geburt, Schmerzen und Verletzungen. Es gibt aber Dinge, die du dagegen tun kannst.
Viele Schwangere haben Angst vor Geburt, Schmerzen und Verletzungen. Es gibt aber Dinge, die du dagegen tun kannst.
© Unsplash/ Juliet Furst

Angst vor Geburt ist total normal

Erstmal vorweg – mit der Angst vor Geburt, Geburtsschmerzen oder Ähnlichem bist du nicht alleine. Die meisten Frauen machen sich vor der Geburt Gedanken über alle möglichen Szenarien. Laut Corinna Reck, Psychologin am Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg, ist das auch total normal und verständlich. Frauen „trauen sich nicht zu, die Schmerzen zu ertragen, oder fürchten, dass Kind nicht gesund zur Welt bringen zu können“, sagt sie gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Woher kommt die Angst vor der Geburt?

Es kann verschiedene Gründe für die Angst vor der Geburt geben. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben die meisten Frauen aber Angst vor Geburtsschmerzen. Außerdem machen sich viele Frauen Gedanken über die Gesundheit des Kindes. Das kann Sorgen und Ängste auslösen. Als weiteren entscheidenden Punkt nennt die BZgA: „Negative Erfahrungen von Müttern oder Freundinnen, aber auch Medienberichte können Angst erzeugen“. Hat jemand seine Geburt als schwer, kompliziert oder unschön erlebt, wird das oft in allen Einzelheiten geschildert. In den meisten Fällen bleiben negative Berichte besser im Gedächtnis als positive Geburtsberichte. Daher ist die Geburtsangst bei vielen Erstgebärenden sehr präsent und das kommt einem wie eine durchaus nachvollziehbare Angst vor: Geburt ist schließlich noch etwas völlig Unbekanntes und scheinbar Unkontrollierbares. „Manchmal kommt sogar die Angst zu sterben hinzu, obwohl diese Gefahr in der Realität verschwindend gering ist“, erklärt die BZgA.

Doch auch Frauen, die schon ein Kind haben, können Angst vor der zweiten Geburt haben. Schlechte Erfahrungen bei der ersten Entbindung können sich auf die zweite auswirken.

Angst vor Geburt wegen möglichen Geburtsverletzungen

Neben der Angst vor Geburtsschmerzen kommt natürlich auch die Angst vor Verletzungen hinzu. Kleine Risse und Schürfungen sind dabei relativ häufig, aber auch nicht sehr schmerzhaft. Sie verheilen außerdem meist recht schnell. Größere Geburtsängste löst da meist ein möglicher Dammriss oder Dammschnitt aus. Obwohl es keine genauen Angaben dazu gibt, ist es Fakt, dass der Dammschnitt häufig angewendet wird – ist aber nicht bei allen Geburten notwendig.

Der Dammschnitt wird meistens angewendet, um einen Dammriss zu verhindern. Und auch, wenn du trotzdem einen Dammschnitt brauchen solltest, klingt der meistens schlimmer, als er wirklich ist. Der Dammschnitt ist in den meisten Fällen schmerzlos. Mehr Infos zum Thema Dammschnitt findest du auch hier.

Grundsätzlich gilt auch: Wenn du dir schon vor der Geburt Angst vor einer möglichen Verletzung hast, dann bist du nur verspannt bei der Geburt – und das kann eine Geburtsverletzung begünstigen.

Angst vor Geburt: psychische Ursachen

Wenn du Angst vor der Geburt hast, kann das auch andere Gründe haben. Frauen, die zum Beispiel schon schlechte Erfahrung mit ihrer sexuellen Selbstbestimmung gemacht haben, können Ängste entwickeln. Ein Elternhaus in dem Sexualität geleugnet oder bestraft wurde (etwa aus religiösen Gründen), kann Geburtsängste auslösen.

Ein anderes Problem können negative Erfahrungen mit dem Partnern sein: Ist eine Frau in der Vergangenheit zu ungewünschten sexuellen Handlungen gedrängt oder gar gezwungen worden, wird sie die Aussicht auf eine ähnlich ausgelieferte Situation in Angst versetzen. Hier kann eine Therapie dabei helfen, Ängste zu überwinden und Vergangenes zu verarbeiten.

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Das kannst du gegen die Geburtsangst tun

Es gibt verschiedene Methoden und Tipps, die gegen die Angst vor Geburt, Schmerzen oder Geburtsverletzungen helfen sollen. Dir sollte jedoch bewusst sein: Keine Geburt ist gleich und jede Frau nimmt Schmerzen unterschiedlich stark wahr. Was für die eine Frau hilft, muss nicht für alle gelten. Hier findest du eine kleine Auswahl von beliebten Tipps, mit denen du deine Ängste überwinden kannst.

Angst vor der Geburt, was hilft?

#1 Die richtige Vorbereitung

Ein gutes Mittel gegen die Angst vor Geburt und Geburtsschmerzen ist eine gute Vorbereitung. Dadurch weißt du genau, was bei der Geburt passiert und kannst dich darauf einstellen. Bücher können ein gutes Mittel zur Geburtsvorbereitung sein. Hilfreiche Entspannungsmethoden und Atemtechniken kannst du auch in einem Geburtsvorbereitungskurs lernen.

#2 Finde die passende Hebamme für dich

Gerade, wenn dich der Gedanke an die Geburt sehr ängstigt, solltest du eine Hebamme finden, der du wirklich vertraust. Wenn die Chemie zwischen euch nicht stimmt, dann solltest du dir eine neue Hebamme suchen. Mit ihr kannst du über deine Sorgen sowie die Angst vor der Geburt sprechen. Eine sogenannte Beleghebamme wird zum Beispiel nicht nur in der Geburtsvorbereitung, sondern auch während der Geburt für dich da sein.

#3 Akupunktur in den letzten Schwangerschaftswochen

Eine Studie der Universität Mannheim kam zu dem Ergebnis, dass „tonische Akupunkturbehandlung nach chinesischem Muster die Geburtsdauer signifikant um rund zwei Stunden gesenkt [haben]“, heißt es im Ärzteblatt. Frauen, die in den vier Wochen vor der Geburt vier bis acht Mal eine Akupunktur bekamen, hatten durchschnittlich eine um zwei Stunden verkürzte Geburt.

Laut der deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V kann eine Akupunktur die Angst vor der Geburt lindern. Diese Geburtsvorbereitung „wirkt seelisch entspannend und schmerzhemmend, sie regt die Wehenaktivität an und führt zu einer besseren Reifung des Muttermunds.“

#4 Hypnose gegen Angst vor Geburt

In einer Studie der Diplom-Psychologin Helga Hüsken-Janßen unter Mitwirkung der Universität Tübingen und dem Westfälischen Institut für Hypnose und Hypnotherapie, war an acht deutschen Krankenhäusern bei rund 200 Frauen Hypnose Teil der Geburtsvorbereitung. Rund 40 Prozent der hypnotherapeutisch vorbereiteten Frauen gaben vor der Geburt an, keine Angst zu haben. In der nicht vorbereiteten Kontrollgruppe, hatten nur zwölf Prozent keine Angst.

#5 Aromatherapie gegen Angst vor Geburt

Mehrere Studien deuten darauf hin, dass eine Aromatherapie schmerzlindernd wirken kann. In einer Studie der Alborz University of Medical Sciences verwenden die Schwangeren eine Schmerzskala von eins bis zehn, um ihre Wehen einzuordnen. Das Ergebnis: Frauen, die eine Aromatherapie mit Lavendelöl bekamen, schätzten ihre Geburtsschmerzen zwischen 0,4 und 1,6 Punkten niedriger ein.

Auch wenn der Schmerzunterschied nicht wirklich groß ist, könnten ätherische Öle und Gerüche trotzdem entspannend wirken und damit die Angst vor der Geburt zumindest lindern.

#6 Medizinische Hilfe in Anspruch nehmen

Wenn du medizinische Hilfe wie eine PDA in Anspruch nimmst, ist das kein Zeichen von Schwäche. Sich vor der Geburt zu verbieten, solche Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen kann bei dir zu Anspannung und erst recht zu Angst vor Geburt und Schmerzen führen.

#7 Positive Affirmation während der Geburt

Sollte die Angst während der Geburt dann doch mal zu viel werden, kannst du es immer mit positivem Denken versuchen. Vor der Geburt kannst du dir schon einige Dinge überlegen, auf die du dich freust, wenn das Baby da ist. Wenn dich die Ängste zu überrollen drohen, sagst du dir diese Dinge wie ein Mantra vor.

Einige Beispiele könnten sein: Ich freue mich auf die Geburt, weil …

  • … ich endlich mein Baby sehen und kennenlernen kann
  • … ich stolz auf mich bin, wenn ich ein Baby geboren habe
  • … ich endlich den süßen Strampelanzug benutzen kann
  • … die Schwangerschaftsbeschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit etc. vorüber sind
  • … ich mich bald wieder ungehindert bewegen kann

#8 Lass dich von deinen Ängsten nicht verrücktmachen!

Die meisten Mütter hatten Angst vor Geburt, Schmerzen und möglichen Komplikationen. Mit deiner Angst bist du also nicht allein. Denk daran: Viele Mütter vor dir haben es geschafft – egal, wie groß ihre Angst war. Lass dich also nicht verrücktmachen und vertraue deinem Körper.

Angst vor Geburt: Was tun, wenn nichts hilft?

Bei Angst vor Geburt und Schmerzen lohnt es sich immer, die Hebamme oder den Frauenarzt aufzusuchen. Sie können dir Information und Hilfe geben. Sollten sich deine Ängste und Sorgen trotzdem nicht bessern oder vielleicht schlimmer werden, kann ein Gespräch mit einem Psychologen sinnvoll sein. So kannst du herausfinden, ob deine Angst vielleicht einen bestimmten Grund hat und ihr könnt gemeinsam an einer Lösung arbeiten.

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Quellen