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Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft: Wann darf ich nicht mehr arbeiten?

Zum Schutz der werdenden Mutter und des Ungeborenen kann ein Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft ausgesprochen werden. Hier findest du einen Überblick, ab wann du schwanger nicht mehr arbeiten darfst.

Auch bei schweren körperlichen Tätigkeiten kann ein Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft ausgesprochen werden
Auch bei schweren körperlichen Tätigkeiten kann ein Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft ausgesprochen werden
© Pexels/ bruce mars

Beschäftigungsverbot: Schwangerschaft als Ausnahmezustand

Um dir und deinem Ungeborenen den bestmöglichen Schutz zu gewährleisten, gibt es das Mutterschutzgesetzt (MuSchG). Es gilt für alle Schwangeren, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, wie es offiziell heißt. Das schließt auch Heimarbeiterinnen und Hausangestellte ein. Auch wenn du einer geringfügigen Beschäftigung nachgehst oder erst in Ausbildung bist, gilt für sich das MuSchG – für Schülerinnen und Studentinnen nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Mutterschutzgesetz regelt Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung haben alle Schwangeren ein Recht auf ihren Mutterschaftsurlaub. Bei Frühgeburten, bei Mehrlingen wie Zwillingen oder Drillingen oder wenn ein Kind mit einer Behinderung auf die Welt kommt, verlängert sich der Mutterschutzurlaub auf zwölf Wochen. Auch wenn „Urlaub“ viel schöner klingt, handelt es sich hierbei im Grunde um ein Beschäftigungsverbot für Schwangere.

Zusätzlich sind im MuSchg Arbeiten festgelegt, die schon du schon davor nicht mehr ausführen darfst. Dazu gehört unter anderem der Umgang mit giftigen Stoffen, aber auch Lärm und extreme Hitze oder Kälte sind ein Grund für ein Beschäftigungsverbot. Schwangere können aber auch von einem Arzt von ihrer Arbeit freigestellt werden. Daher wird zwischen einem generellen Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft und einem individuellen Beschäftigungsverbot unterschieden.

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Generelles Beschäftigungsverbot: Schwangere und der § 11 MuSchG

Der § 11 des MuSchG listet ganz genau „unzulässige Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen für schwangere Frauen“ auf. Die Konsequenz ist natürlich ein Beschäftigungsverbot: Schwangere dürfen unter diesen Umständen nicht mehr weiterarbeiten. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass der Arbeitgeber deinen Arbeitsplatz entsprechend umgestaltet. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend informiert in ihrem Leitfaden zum Mutterschutz: „Zu einem betrieblichen Beschäftigungsverbot kommt es nach dem Mutterschutzgesetz nur, wenn Ihr Arbeitgeber unverantwortbare Gefährdungen für Sie oder Ihr Kind weder durch eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes noch durch einen Arbeitsplatzwechsel ausschließen kann.“

Beispiele für verbotene Tätigkeiten für Schwangere:

  • Akkordarbeit und Fließarbeit
  • Arbeiten, bei denen schwere Lasten getragen werden müssen
  • Nachtarbeit und Sonntagsarbeit (hier gibt es Ausnahmeregelungen)
  • Umgang mit Gefahrenstoffen oder Strahlung
  • Arbeiten mit starken Erschütterungen, Vibrationen oder Lärm
  • Arbeiten mit großer Hitze, Kälte und Nässe
  • Arbeiten, bei denen ein höheres Infektionsrisiko besteht (z.B. Rötelnvirus, Toxoplasma)

Individuelles Beschäftigungsverbot: Schwangerschaft mit Komplikationen

Vom Gesetz vorgeschrieben werden jedoch nur allgemeine Bedingungen für ein Beschäftigungsverbot. Schwangerschaft ist aber nicht gleich Schwangerschaft und so müssen auch individuelle Fälle berücksichtigt werden. Dein Frauenarzt kann dir gegebenenfalls ein Zeugnis ausstellen, dass es dein Gesundheitszustand nicht zulässt, dass du weiterarbeitest. Das kann zum Beispiel bei einer drohenden Frühgeburt der Fall sein oder ganz allgemein bei Vorliegen einer Risikoschwangerschaft: Beschäftigungsverbote, die individuell ausgesprochen werden erfordern immer ein ärztliches Attest!

Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft: Wer zahlt dafür?

Keine Angst vor dem Beschäftigungsverbot – Schwangere sind gut abgesichert. „Setzt eine Frau wegen eines Beschäftigungsverbotes ganz oder teilweise vor Beginn und nach Ende der Schutzfrist mit der Arbeit aus, muss sie trotzdem keine finanziellen Nachteile befürchten. Sie behält mindestens ihren Durchschnittsverdienst (Mutterschutzlohn)“, erklärt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf ihrer Webseite.

Möchtest du nach dem Mutterschutz nicht gleich wieder deinem Beruf nachgehen, sondern direkt deine Elternzeit anhängen, hast du Anspruch auf Elterngeld. Wie du das Elterngeld beantragen kannst und was dabei zu beachten ist, haben wir hier für dich zusammengefasst: Elterngeld beantragen – so geht’s.



Quellen:

  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Leitfanden zum Mutterschutz
    https://www.bmfsfj.de/blob/94398/b235a06e6fa9ece3d1a6effbc5a510ee/mutterschutzgesetz-data.pdf (letzter Abruf: April 2019)
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mutterschaftsleistungen im Überblick, In: bmfsfj.de
    https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/familienleistungen/mutterschaftsleistungen/mutterschaftsleistungen-im-ueberblick/73754 (letzter Abruf: April 2019)
  • Gesetz zum Schutz von Müttern bei der Arbeit, in der Ausbildung und im Studium (Mutterschutzgesetz – MuSchG), In: Gesetze im Internet
    https://www.gesetze-im-internet.de/muschg_2018/BJNR122810017.html#BJNR122810017BJNG000300000 (letzter Abruf April 2019)
  • Khan, Kareem; Weber, Thomas: Beschäftigungsverbote in der Schwangerschaft: Nach Recht und Gesetz, In: aerzteblatt.de
    https://www.aerzteblatt.de/archiv/134526/Beschaeftigungsverbote-in-der-Schwangerschaft-Nach-Recht-und-Gesetz (letzter Abruf: April 2019)