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Blasensprung erkennen: Ist gerade meine Fruchtblase geplatzt?

Du spürst plötzlich ein warmes, nasses Gefühl zwischen den Beinen und fragst dich: Ist das jetzt Urin oder ist etwa meine Fruchtblase geplatzt? Hier erfährst du, wie du einen Blasensprung erkennen kannst, wann die Geburt eingeleitet wird und, ob ein Blasensprung gefährlich ist.

Blasensprung erkennen: Ist gerade etwa meine Fruchtblase geplatzt oder ist es nur Urin?
Blasensprung erkennen: Ist gerade etwa meine Fruchtblase geplatzt oder ist es nur Urin?
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Blasensprung – wann platzt die Fruchtblase?

Der Blasensprung bezeichnet die Öffnung der Fruchtblase, in der sich dein Baby bis zur Geburt befindet. Sobald die Fruchtblase platzt, tritt Fruchtwasser aus. Das bedeutet aber nicht, dass es wie in Hollywoodfilmen ganz plötzlich in Strömen an deinen Beinen hinunterläuft. Solche Fälle eines sogenannten vorzeitigen Blasensprungs sind eher selten – laut Prof. Dr. Deppe tritt das nur bei rund zwei bis fünf Prozent aller Schwangerschaften auf.

Wenn die Fruchtblase geplatzt ist, geht es normalerweise mit der Geburt los. Dabei spielt es keine Rolle, ob du schon Wehen hast oder nicht. Ein regulärer Blasensprung findet meist in der zweiten Hälfte der Eröffnungsperiode einer Geburt statt, in der sogenannten Aktivphase. In dieser Phase kommen die Wehen etwa alle drei bis sechs Minuten. Jetzt öffnet sich auch der Muttermund immer weiter und der Kopf des Kindes wandert immer tiefer.

Wenn der Muttermund bereits vollständig geöffnet ist und der Druck der Wehen das Baby in den Geburtskanal schiebt, reißen die Eihäute der Fruchtblase. Passiert das nicht, kann sie vom Arzt oder der Hebamme während der Geburt im Kreißsaal aktiv „gesprengt“ werden. Dafür wird die Blase angepieckst, sodass sie von allein weiter aufreißt.

Doch nicht jeder Blasensprung verläuft gleich. Dr.med. Kerstin Lehermayr unterscheidet zwischen fünf verschiedenen Arten:

5 Arten des Blasensprungs

  1. Vorzeitiger Blasensprung

    Bei dieser Art ist deine Fruchtblase geplatzt, bevor die Eröffnungswehen eingesetzt haben. Bei einem vorzeitigen Blasensprung sollte wegen dem steigenden Infektionsrisiko ein Arzt aufgesucht werden. Meistens wird dir in diesem Fall eine strenge Bettruhe angeordnet.

  2. Frühzeitiger Blasensprung

    Die Fruchtblase platzt zu Beginn oder während den Eröffnungswehen – der Muttermund ist aber bei dieser Art noch nicht komplett geöffnet.

  3. Rechtzeitiger Blasensprung

    Die Fruchtblase platzt am Ende der Eröffnungsphase. Da haben die ersten regelmäßigen Geburtswehen schon eingesetzt und der der Muttermund ist vollständig geöffnet.

  4. Verspäteter Blasensprung

    Die Fruchtblase platzt erst in der sogenannten Austreibungsphase, also in der Phase, in der der Muttermund schon einige Zeit vollständig geöffnet ist. Es kann vorkommen, dass eine sogenannte Vorblase noch vor dem Kopf deines Kindes steht. Diese Blase wird dann meistens von der Hebamme geöffnet, damit sie keinen frühen Drang zum Pressen auslöst.

  5. Hoher Blasensprung

    Die Fruchtblase platzt oberhalb des Muttermundes – dadurch bleibt manchmal die Vorblase erhalten. Das Fruchtwasser tritt beim hohen Blasensprung nur tröpfchenweise aus. Hier helfen Hebammen oft nach, indem sie Fruchtblase aufpieksen.

Blasensprung erkennen: Wie fühlt er sich an?

So eindeutig wie in Filmen gerne dargestellt, ist es nicht, wenn die Fruchtblase platzt. An einer nassen Hose wirst du wahrscheinlich nicht den Blasensprung erkennen können. Doch wie viel Fruchtwasser tritt aus? Gegen Ende der Schwangerschaft verschließt das Köpfchen deines Kindes bereits den Ausgang: Hier kommen oftmals nur ein paar Tröpfchen Fruchtwasser aus der Scheide. Dadurch ist es nicht einfach zwischen Fruchtwasser und Urin zu unterscheiden.

Wenn die Fruchtblase platzt, tut das der werdenden Mutter auch überhaupt nicht weh. Viele Schwangere merken den Sprung nur dadurch, dass plötzlich warmes Wasser die Beine hinunterläuft.

Fruchtwasser von Urin unterscheiden

Die Hebamme Jana Friedrich hat einen Tipp, um Fruchtwasser von Urin zu unterscheiden: Fruchtwasser kann man, anders als Urin, nicht mit Muskelkraft zurückhalten. Außerdem ist es geruchslos. Auch wenn dir es schwerfällt: Lege dich für eine Stunde ins Bett und lagere dein Becken hoch. Wenn du nach einer Stunde aufstehst, und du wieder Wasser verlierst, ist es ziemlich sicher Fruchtwasser und deine Fruchtblase ist tatsächlich geplatzt.

Es gibt außerdem Teststreifen, die du dir schon vorher bereitlegen kannst. Verfärben sich diese bei Kontakt mit der Flüssigkeit, handelt es sich mit Sicherheit um Fruchtwasser.

Solltest du trotzdem unsicher sein, solltest du auf jeden Fall deine Hebamme anrufen.

Ist ein Blasensprung gefährlich?

Ob ein Blasensprung gefährlich für Mutter und Kind sein kein, hängt ganz davon ab, wann er passiert. Hier gilt grundsätzlich die Regel: Je später desto besser.

Bei einem frühen Blasensprung kann es zu einer Infektion von Mutter und Kind kommen, die lebensbedrohlich sein kann. Deswegen ist es sehr wichtig, dass du in diesem Fall schnellstmöglich einen Arzt aufsuchst.

Vorzeitiger Blasensprung: Wann ist wichtig

Laut Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, ist meistens eine Infektion im Genitalbereich Schuld, wenn zu früh die Fruchtblase platzt. In jedem Fall ist es entscheidend, in welcher Schwangerschaftswoche du dich beim Blasensprung befindest:

Blasensprung nach der 36. SSW

Passiert der vorzeitige Blasensprung ab der 37. SSW gibt es laut Prof. Dr. Richard Berger, Chefarzt der Frauenklinik des Marienhaus Klinikums in Neuwied, meist Entwarnung. Dann heißt es: Abwarten.

„Von sechs bis 48 Stunden habe ich schon alles gehört. Wir warten 24 Stunden, denn in 80 bis 90 Prozent der Fälle entwickeln Frauen nach einem vorzeitigen Blasensprung von selbst Wehen.“

In den meisten Fällen beginnt die Geburt von allein und nach spätestens 48 Stunden hast du dein Baby im Arm.

Passiert nach dem Blasensprung allerdings gar nichts, wird die Geburt nach spätestens 24 Stunden eingeleitet oder ein Kaiserschnitt durchgeführt, um das sogenannte Amnioninfektionssyndrom (AIS) zu verhindern. AIS bezeichnet eine Infektion der Eihäute, der Gebärmutterschleimhaut, des Fruchtwassers und eventuell des Babys.

Blasensprung zwischen der 28. und 36. SSW

Bei einem vorzeitigen Blasensprung zwischen der 28. und 36. SSW untersucht der Arzt das Blut auf AIS-Anzeichen. Liegen keine Anzeichen vor, wird meistens auch noch mit der Geburtseinleitung gewartet. Auch hier wird erstmal abgewartet, ob die Wehen von allein einsetzen.

Gibt es dagegen Verdacht auf AIS, entscheidet die Lungenreife des Kindes: Ist die Lunge schon kräftig genug, wird die Geburt eingeleitet. Ist sie noch zu schwach, verabreicht der Arzt einen Wehenhemmer.

Blasensprung vor der 28. SSW

Auch vor der 28. SSW wird meistens noch gewartet. Laut Dr. Eva Rudolf-Müller werden in diesem Fall oft Kortikosteroide (entzündungshemmende Mittel) verabreicht, um die die Lungenreife des Kindes zu fördern.

Blasensprung vor der 24. SSW

Laut Dr. Eva Rudolf-Müller kann ein vorzeitiger Blasensprung bei Babys, die noch nicht die 24. SSW erreicht haben, zu einer Fehlgeburt führen. Babys haben zu diesem Zeitpunkt nämlich noch sehr schwache Lungen (Lungenhypoplasie).

Beim Blasensprung immer ruhig bleiben!

Generell solltest du dir über einen Blasensprung erstmal keine Sorgen machen. In den meisten Fällen und ab Vollendung der 37. SSW ist er eine Reaktion deines Körpers auf die bevorstehende Geburt. Nur selten stellt er für Mutter und Kind ein Risiko da.

Dennoch gilt: Wenn du verunsichert bist, kontaktiere deine Hebamme oder den Arzt!

Muss die Geburt eingeleitet werden?

Wann es allgemein sinnvoll ist, die Geburt einzuleiten, kannst du im Video sehen. In unserem Artikel „Geburt einleiten oder lieber abwarten?“ bekommst du mehr Informationen über Methoden und Risiken der Geburtseinleitung.

Geburt einleiten

Quellen