Bluthochdruck Schwangerschaft: Ab wann wird es gefährlich?

Bluthochdruck Schwangerschaft: Ab wann wird es gefährlich?

Bluthochdruck in der Schwangerschaft stellt ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko für die werdende Mama und ihr Baby dar. Lies hier, ab wann man Bluthochdruck hat, wie man ihn therapiert und wann der Hochdruck wirklich gefährlich für Mutter und Baby werden kann.

Bluthochdruck Schwangerschaft: Schwangere lässt sich den Blutdruck messen
Bluthochdruck Schwangerschaft: Jetzt sind engmaschige Kontrollen wichtig © Bigstock / Interstid

Bluthochdruck Schwangerschaft: Ab wann ist er zu hoch?

Laut dem Berliner Kardiologen Philipp Grätzl von Grätz leidet jede zehnte bis zwanzigste Schwangere unter Schwangerschaftshypertonie, also erhöhtem Blutdruck während der Schwangerschaft.

Normaler Blutdruck

Deswegen sollte bei jeder Vorsorgeuntersuchung dein Blutdruck kontrolliert werden. Der normale Blutdruck beträgt ungefähr 120/80 mmHg (Druckeinheit Milimeter-Quecksilbersäule), gesunde Schwangere haben meist einen Blutdruck im Bereich von 90-135/50-85 mmHg Den ersten Wert nennt man die Systole oder systolisch und er steht für die Anspannung des Herzmuskels, wodurch Blut ausströmt. Beim zweiten Wert, die Diastole oder diastolisch, erschlafft der Muskel und lässt Blut ins Herz fließen.

Erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft

Von Bluthochdruck in der Schwangerschaft spricht man laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ab einem Wert von mehr als 140 mmHg systolisch und mehr als 90 mmHg diastolisch.

Die Deutsche Hypertonie Gesellschaft hat dazu eine Übersichtstabelle veröffentlicht:

Klassifikation systolisch diastolisch
optimal <120 <80
normal 120-129 80-84
>>hoch-normal<< 130-139 85-89
leichte Hypertonie
(Schweregrad 1)
140-159 90-99
mittelschwere Hypertonie
(Schweregrad 2)
160-179 100-109
starke Hypertonie
(Schweregrad 3)
>180 >110
isolierte systolische Hypertonie
>140 <90

Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Gestationshypertonie oder chronische Hypertonie?

Für die Art des Bluthochdrucks in der Schwangerschaft ist der Zeitpunkt des ersten Auftretens ausschlaggebend: Werden die erhöhten Blutdruckwerte noch vor der 20. Schwangerschaftswoche festgestellt, geht der Arzt davon aus, dass der Bluthochdruck schon zuvor vorhanden war und damit chronisch ist. Man spricht dann von einer chronischen Hypertonie. Bei einem Auftreten in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft spricht man von einer Gestationshypertonie oder schwangerschaftsinduzierten Hypertonie.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Anzeichen und Risikofaktoren

Das Tückische an Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist, dass sich bei leichter Erhöhung oftmals keine deutlichen Symptome zeigen. Häufig merkt die werdende Mama erst, dass etwas nicht stimmt, wenn der Blutdruck deutlich erhöht ist. Umso wichtiger, die Vorsorgeuntersuchungen gewissenhaft wahrzunehmen und den Blutdruck regelmäßig kontrollieren zu lassen. Das Robert Koch Institut führt in einer Gesundheitsberichterstattung für das Bundesministeriums für Gesundheit folgende Symptome als Hinweise für einen erhöhten Blutdruck auf:

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Bluthochdruck Schwangerschaft: Symptome

  1. Kopfschmerzen
  2. Farbensehen oder Doppelbilder
  3. Schmerzen im Oberbauch
  4. Starke Unruhe und Nervosität
  5. Schlafstörungen
  6. Schwindelgefühl
  7. Übelkeit/unerklärliches Erbrechen

Bluthochdruck Schwangerschaft: Ursachen und Risikofaktoren

  1. Übergewicht
  2. ungesunder Lebenswandel (wenig Schlaf, wenig Bewegung, ungesunde Ernährung)
  3. genetische Komponente
  4. Bluthochdruck ist bereits in einer vorherigen Schwangerschaft aufgetreten
  5. Mehrlingsschwangerschaft

Bluthochdruck Schwangerschaft: Präeklampsie als Komplikation

Eine Präeklampsie, auch Schwangerschaftsvergiftung genannt, ist die häufigste Komplikation bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft. Vor allem, wenn die erhöhten Blutdruckwerte schon relativ früh in Erscheinung treten, steigt das Risiko für diese Erkrankung sprunghaft an. Dr. Gudrun Heyn weist in ihrem Artikel „Präeklampsie und Infektionen bedrohen Mutter und Kind“ in der Onlineausgabe der Pharmazeutischen Zeitung auf die dramatischen Folgen für Mutter und Kind hin:

„Bei einer schweren Präeklampsie muss man immer damit rechnen, dass sich der Zustand der Mutter innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich verschlechtert. Weltweit sterben jährlich etwa 50.000 Schwangere an Präeklampsie und ihren Folgen. Auf das Ungeborene kann sich eine Präeklampsie ebenso drastisch auswirken (…) So ist die Zahl der tot geborenen oder in den ersten sieben Lebenstagen verstorbenen Kinder bei einer Präeklampsie fünffach höher als bei einer normalen Schwangerschaft. Bei einer schweren Präeklampsie/Eklampsie steigt die perinatale [kurz vor, während und kurz nach der Entbindung, Anm.d.Red.] Mortalität sogar auf etwa 20 Prozent.“

Präeklampsie erkennen

Um eine Präeklampsie zu erkennen oder auszuschließen ist neben dem Bluthochdruck der Urin der Schwangeren ausschlaggebend. Ist in diesem Eiweiß vorhanden, das auf keine andere Erkrankung schließen lässt (Harnwegsinfekt, grippaler Infekt), gilt die Präeklampsie als bestätigt. Engmaschige Kontrollen der kindlichen Herztöne (CTG) und der Plazentafunktion (Doppler-Ultraschall) sind dann zwingend erforderlich. Bei stark erhöhtem Blutdruck muss dieser oftmals nach Abwägen von Risiko und Nutzen medikamentös gesenkt werden. Besteht eine sehr stark ausgeprägte Präeklampsie, die mit Krampfanfällen einhergeht, spricht man von Eklampsie.

Ist durch die Präeklampsie die Versorgung des Kindes stark beeinträchtigt, kann es sein, dass die Geburt frühzeitig eingeleitet werden muss. In manchen Fällen ist auch ein kurzfristiger Kaiserschnitt notwendig.

Um das zu verhindern, gibt es einige Behandlungsmöglichkeiten:

Bluthochdruck Schwangerschaft: Behandlung

Stellt dein Arzt Bluthochdruck fest, wird er engmaschigere Kontrollen durchführen. Mit Hilfe von Ultraschall und CTG ist ersichtlich, ob es deinem Baby gut geht und die Plazenta voll funktionsfähig ist. Wie kannst du deinen Bluthochdruck senken?

Bluthochdruck senken

Eventuell hält dich dein Arzt auch dazu an, deinen Blutdruck selbst zu messen und diesbezüglich eine Liste zu führen. Bei leichtem Bluthochdruck in der Schwangerschaft wird versucht, durch entsprechende Umstellung der Lebensgewohnheiten wie Stressreduktion, gesunde Ernährung, frische Luft und mäßige sportliche Betätigung den Bluthochdruck zu senken.

Ist dein Blutdruck stark erhöht, kann es sein, dass er medikamentös gesenkt werden muss, um das gesundheitliche Risiko für dich und dein Baby gering zu halten. Dein Arzt wird dir dann ein Medikament gegen Bluthochdruck verschreiben, die du in der Schwangerschaft nehmen darfst. Nutzen und Risiko werden hier besonders genau gegeneinander abgewogen. Ein plötzliches Abfallen des Blutdrucks kann sich nämlich ebenfalls negativ auf die Versorgung deines Babys auswirken.


Quellen:

Philipp Grätzel von Grätz: Schwangere mit Hypertonie. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/article/655232/schwangere-hypertonie-therapie-gibts-probleme.html (letzter Abruf: November 2018)

Weltgesundheitsorganisation WHO: Richtlinien zu Hypertonie. http://www.who.int/cardiovascular_diseases/guidelines/hypertension/en/ (letzter Abruf: November 2018)

Deutsche  Hochdruckliga  e. V.  DHL,  Deutsche Hypertonie  Gesellschaft  (2005) Leitlinien  zur Diagnostik und Behandlung der arteriellen Hypertonie.  Nieren- und  Hochdruckkrankheiten 34(11): 481–498

Dr. Gudrun Heyn: Präeklampsie und Infektionen bedrohen Mutter und Kind https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-312006/praeeklampsie-und-infektionen-bedrohen-mutter-und-kind/(letzter Abruf: November 2018)

Robert Koch Institut in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt: Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 43: Hypertonie

Katrin Janhsen, Helga Strube und Anne Starker: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 43: Hypertonie.  https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/hypertonie.pdf? (letzter Abruf: November 2018)

Rath, W., et al., Bluthochdruck in der Schwangerschaft. Leitlinien der DGGG. AWMF-online Nr. 015/018 (2002)