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Bonding: Baby und Eltern im Bindungsprozess

Eltern spielen eine wichtige Rolle beim Bonding. Babys brauchen direkt nach der Geburt Sicherheit und Wärme. Warum das Bonding für Eltern und Kind so besonders ist, liest du hier.

Bonding ist eine Eltern-Kind-Bindung, die das Urvertrauen aufbaut.
Bonding ist eine Eltern-Kind-Bindung, die das Urvertrauen aufbaut.
©pexels/ Anna shvets

Was ist Bonding? Babys Vertrauen stärken

Eine emotionale Bindung zwischen Eltern und ihrem Kind, die im Idealfall ein Leben lang bestehen bleibt, nennt sich Bonding. Baby und Eltern beginnen ab der Geburt ihren Bindungs-Prozess zu entwickeln. Reagieren Eltern mit Fürsorge, Liebe und Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse des Kindes, so beginnt der Aufbau des Urvertrauens.

Da ein Neugeborenes sich noch nicht selbst versorgen kann, ist es für das Kind überlebenswichtig, dass es eine vertraute Bezugsperson findet.

Durch das Anschauen und Berühren passiert das erste Bonding. Baby und Mutter werden durch Hormone auf den Prozess eingestimmt. Unter anderem wird Oxytocin, das sogenannte Liebeshormon, ausgeschüttet. Dieses ist verantwortlich für die Mutter-Kind-Bindung.

Was macht Bonding so wichtig?

Das Bonding ist ausschlaggebend dafür, wie dein Kind mit Gefühlen im weiteren Verlauf des Lebens umgeht. Außerdem ist es die Grundlage, wie Beziehungen zu anderen in Zukunft gepflegt werden.

Wenn die Beziehung zum Baby verlässlich und belastbar ist, so wird dein Kind sehr wahrscheinlich auch später vertrauensvolle Beziehungen eingehen können.

Es trägt auch dazu bei mit unbekannten Situationen und Ungewissheit besser und entspannter umzugehen. Außerdem wird dein Kind auch weitaus positiver anderen Menschen begegnen und ist weniger ängstlich.

Wie du schon vor der Geburt das Bonding unterstützen kannst

  • Bauch streicheln
    Durch Streicheln und sanfte Massagen am Bauch kannst du den Kontakt zum Baby herstellen. Mit Massageöl kannst du gleichzeitig auch deine Haut verwöhnen.
  • Bewegungen spüren
    Dein Baby wird spüren, dass du auf die Bewegungen deines Kindes reagierst, wenn du deine Hände auf deinen Bauch legst.
  • Musik
    Musik hören und dabei tanzen oder mitsingen lässt Sorgen fallen. Das ist gut für dich und dein Baby!
  • Mit dem Baby sprechen
    Das Gehör deines Babys ist ungefähr ab der 24. Schwangerschaftswoche vollständig entwickelt. Es wird Stimmen bereits erkennen und gewöhnt sich an die Töne. Dein Baby wird also schon mit deiner Stimme vertraut sein, wenn es auf die Welt kommt. Kommunikation ist ein wesentlicher Teil des Bondings.
Ungeborene Babys erkennen, wer den Bauch streichelt

Was ist Bonding nach der Geburt?

Bereits in der Schwangerschaft wird eine besondere Bindung zum eigenen Kind aufgebaut, die verstärkt einsetzt nach der Geburt. Bonding nach der Entbindung bedeutet den Beginn einer engen Beziehung zwischen Mutter, Vater und Kind.

Wie geht Bonding nach der Geburt? Tipps für Mama und Papa

  • Direkter Hautkontakt
    Das Baby auf die Brust legen, kuscheln oder tragen. Ideal sind auch Babymassagen.
  • Kommunikation
    Auch nach der Geburt sollte eifrig mit dem Baby gesprochen werden. Das ist nicht nur wichtig für das Bonding, sondern auch für die Sprachentwicklung deines Kindes. Von Anfang an prägen die Laute der Eltern das Gehirn und das Sprachzentrum. Du kannst Geschichten erzählen, aus einem Buch vorlesen, oder erzählen was du gerade machst.
  • Aufmerksamkeit
    Dem Kind ungeteilte Aufmerksamkeit schenken ist wohl die höchste Form des Bondings. Versuch so häufig wie möglich Augenkontakt zu halten.
  • Stillen
    Stillen ist eine naturgegebene Möglichkeit eine tiefe Bindung mit deinem Kind einzugehen. Die körperliche und emotionale Nähe unterstützt die Intensität dieser Beziehung. Aber auch Väter können durch Nahrung mithalten – sobald das Fläschchen gegeben wird, hat auch der Papa die Möglichkeit engen Körperkontakt und Zuneigung während der Mahlzeiten aufzubauen.
  • Tragen
    Körperkontakt ist sehr wichtig. Aber nicht nur über direkten Hautkontakt, sondern auch durch das Herumtragen im Arm, in der Trage oder im Wickeltuch schenkst du deinem Baby Geborgenheit.
  • Reize reduzieren
    Zu viele Informationen über den Tag können dein Baby besonders in der sensiblen Anfangszeit überfordern und das löst Stress aus.

Wie lange Bonding?

Direkt nach der Geburt ist die sensibelste und ausschlaggebendste Zeit für das Bonding. Baby und Mutter gehen dabei einen emotionalen Bund ein. Genau dann beginnt der wesentliche Baustein für Bindung von Sicherheit und Vertrauen.

Im Idealfall folgt das Bonding auf eine komplikationslose Entbindung, sodass das Kind direkt bei der Mutter auf die Brust gelegt werden kann. Besonders ausschlaggebende Signale sind:

  • Körperliche Nähe
  • Herzschlag der Mama
  • Der Geruch des neugeborenen Babys

Bonding nachholen: Geht das?

Aber auch nach einem Kaiserschnitt kann eine enge Bindung hergestellt werden. Denn Bonding ist kein Moment, den man verpassen kann, sondern ein Prozess, der sich auch weit nach der Geburt einstellt.

Gerade, wenn die Nähe am Anfang nicht möglich ist, ist es umso wichtiger die Zweisamkeit in Ruhe nachzuholen. Gönne dir also ruhig ein paar kuschelige Tage mit deinem Nachwuchs, in dem ihr euch ganz bewusst kennenlernen könnt.

Viele Krankenhäuser bieten auch sogenanntes „Rooming-in“ an, bei dem die Mutter sich direkt 24 Stunden täglich primär um das Baby kümmert. Natürlich können Hebammen zur Unterstützung gerufen werden.

Was passiert ohne Bonding?

Es gibt viele unterschiedliche Gründe, weshalb eine enge Eltern-Kind-Bindung nicht eingegangen werden kann:

Das kann dazu führen, dass das Kind kein Urvertrauen entwickeln kann oder sein gewonnenes Urvertrauen verliert. Sie können dann geringere Bindungsfähigkeiten besitzen und haben es schwer eine tragfähige Bindung zu anderen Menschen einzugehen.

Das bedeutet aber nicht, dass es unmöglich ist. Mit Zeit und Geduld kann auch nach einem gestörten Bonding-Prozess eine enge Bindung wiederaufgebaut werden.

Quellen