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Chorionzottenbiopsie: Ablauf, Kosten, Risiken

Fenster in einem Zimmer, in dem eine Chorionzottenbiopsie durchgeführt wird
Eine Chorionzottenbiopsie kann werdenden Eltern Gewissheit geben - doch die Untersuchung hat auch Risiken.
© Unsplash / Eduard Militaru

Gesunde Kinder wünschen sich alle Eltern. Eine Chorionzottenbiopsie ist eine sehr frühe Möglichkeit um herauszufinden, ob dein Kind gesund auf die Welt kommen wird oder ob es Gendefekte gibt. Lies hier alle Infos zu der Untersuchung und eventuellen Risiken.

Wenn du eine Kurzzusammenfassung willst, was bei einer Chorionzottenbiopsie passiert, findest du im Video eine anschauliche Schrritt-für-Schritt Erklärung:

Was ist eine Chorionzottenbiopsie?

Eine Chorionzottenbiopsie wird auch Zottenhaut-Test, Chorionbiopsie, Plazenta-Punktion oder Mutterkuchenpunktion genannt und ist Teil der Pränataldiagnostik. Dabei wird mit einer dünnen Nadel Gewebe von der Außenhaut der Fruchtblase, den Chorionzotten, genommen um sie auf genetische Krankheiten zu untersuchen.

Sie kann schon zwischen der 10. und 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden und so etwa zwei Monate früher Auskunft über die kindliche Gesundheit geben als eine Amniozentese.

Was sind Chorionzotten?

Um zu verstehen, was Chorionzotten sind und warum sie so viel über dein Kind verraten, muss man kurz verstehen, wie die Embryologie in den ersten Tagen abläuft:

Nachdem die Eizelle befruchtet wurde teilen sich die Zellen: Dein Baby und anderes Gewebe entsteht. Teile dieses Gewebes entwickeln sich zur Fruchtblase, in der dein Kind schwimmt. Die Außenhaut der Fruchtblase nennt man Chorion (Zottenhaut), die später mit der Mutter verwächst und die Plazenta bildet.

Die Zottenhaut hat baumartige Verästelungen, die sogenannten Chorionzotten. All diese Zellen sind also aus dem genetisch aus den Zellen des Babys entstanden und tragen Informationen über sein Erbgut in sich. Untersucht man also die genetischen Informationen der Chorionzotten, können diese Informationen über die Gesundheit deines Kindes liefern.

Übrigens: Chorionzotten werden ab der 14. SSW Plazentazotten genannt.

Welche Krankheiten lassen sich bei einer Chorionzottenbiopsie nachweisen?

Bei der Chorionzottenbiopsie entnimmt der Arzt Gewebe aus der Plazenta um es auf mögliche erbliche Stoffwechselerkrankungen oder Chromosomenstörungen, wie etwa Trisomie 21, untersuchen zu können. Da sich die Plazenta aus dem gleichen Erbgut entwickelt wie der Fötus, lassen sich aus den entnommenen Chorionzotten (Zellen der Plazenta) Rückschlüsse auf die Gesundheit des Babys ziehen.

Folgende Krankheiten können mit einer Plazenta-Punktion diagnostiziert werden:

Trisomie 21 (Down-Syndrom)
Trisomie 13 (Pätau-Syndrom)
Trisomie 18 (Edwards-Syndrom)
Trisomie 8 (Warkany-Syndrom 2)
erblich bedingte Stoffwechselerkrankungen
Muskelschwund (Muskeldystrophie)
Mukoviszidose
Bluterkrankheit (Hämophilie)

Nicht erkannt werden können dabei Neuralrohr-Fehlbildungen wie Spina bifida, diese können nur durch eine Fruchtwasseruntersuchung festgestellt werden.

Was kostet eine Chorionzottenbiopsie: Kosten der Untersuchung

Hält der Arzt die Untersuchung für notwendig, werden die Kosten für diese Untersuchung von allen Krankenkassen übernommen. Möchtest du die Chorionzottenbiopsie auch ohne ärztliche Empfehlung machen lassen, musst du mit Kosten bis zu 100 Euro rechnen.

Chorionzottenbiopsie: Ablauf

Der Eingriff wird in den meisten Fällen ambulant vorgenommen. Das heißt, du kannst danach gleich wieder nach Hause. Die Untersuchung lässt sich auf zwei verschiedene Arten durchführen: Durch die Scheide oder durch die Bauchdecke. Welche Methode gewählt wird, entscheidet der Arzt individuell. Bei beiden Verfahren bleibt die Nadel außerhalb der Fruchthöhle, sodass das Kind nicht berührt und die Fruchtblase nicht beschädigt wird.

Vorbereitung der Entnahme der Chorionzotten

Bei beiden Verfahren wird vor der Punktion, also vor dem Eindringen der Nadel, eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. So wird die geeignetste Stelle für die Biopsie gesucht und das Alter und die Lage des Fetus festgestellt. Außerdem untersucht der Arzt ob eventuelle Risikofaktoren für die Biopsie vorliegen, wie etwa Blutergüsse oder ‍Muskelknoten ‍in ‍der ‍Gebärmutterwand.

Das sind die wichtigsten Untersuchungen

Durch die Scheide (transzervikale Chorionzottenbiopsie)

Bei einer transzervikale Chorionzottenbiopsie führt der Arzt einen kleinen Katheter (Schlauch) über die Scheide ein und schiebt ihn durch den Gebärmutterhals (Zervix) bis hin zur Plazenta. Über den Schlauch saugt der etwa 15 Milligramm Zellgewebe ab. Der Vorgang wird die ganze Zeit per Ultraschall überwacht.

Allerdings wird diese Methode der Chorionzottenbiopsie laut Dr. Gunnar Römer in Deutschland nur noch eher selten durchgeführt. Zu groß seien die Risiken, etwa von Infektionen. In der Regel erfolgt der Eingriff über die Bauchdecke.

Durch die Bauchdecke (transabdominale Chorionzottenbiopsie)

Bei einer transabdominale Chorionzottenbiopsie markiert der Arzt eine Stelle auf dem Bauch (Abdomen), die er vorher per Ultraschall als für am geeignetsten festgestellt hat. Dann wird eine sehr dünne Hohlnadel (< ‍1 ‍mm) ‍ durch die Bauchdecke eingeführt und eine geringe Menge Zotten (20 bis 30 Milligramm) aus der Plazenta abgesaugt. Meist dauert der Eingriff zwischen einer und fünf Minuten. Danach wird die Einstichstelle desinfiziert.

Ist die Chorionzottenbiopsie schmerzhaft?

Der Einstich bei einer Chorionzottenbiopsie ist meist schmerzlos, da die Stelle lokal betäubt wird. Nach der Untersuchung berichten manche Frauen von leichten Bauchschmerzen oder ziehenden Schmerzen, vergleichbar mit Regelbeschwerden. Auch leichte Schmierblutungen sind möglich. Diese Beschwerden verschwinden aber meist nach wenigen Stunden oder Tagen.

Worauf gilt es nach der Chorionbiopsie zu achten?

Die meisten Frauen können schon kurz nach der Untersuchung wieder nach Hause. Dr. med. Bernd Berschick von der Praxis für Pränatale Diagnostik und Therapie in Willich empfiehlt den Schwangeren eine Ruhezeit von einer halben Stunde und die Einnahme von Magnesium in Getränkeform. Diese werden in den meisten Behandlungszentren angeboten. In den Tagen nach der Behandlung solltest du dich schonen und körperliche Anstrengung vermeiden. Berschick rät außerdem mindestens zwei Tage von Geschlechtsverkehr ab um das Infektionsrisiko zu verringern.

Etwa zwei Tage später solltest du zur Nachkontrolle bei deinem Arzt.

Wie hoch ist das Risiko einer Fehlgeburt nach einer Chorionzottenbiopsie?

Zwischen 0,5 und zwei Prozent aller Eingriffe lösen eine Fehlgeburt aus. Die Frauenklinik der LMU-Universität München weist unter anderem darauf hin, dass eine “(…) transzervikale Biopsie [Entnahme über die Scheide, Anm. d. Red.] im ersten Trimenon die Chance einer erfolgreichen Schwangerschaft um 4.6 % mindert im Vergleich zu einer Amniozentese in der 16. SSW.”

Risiken einer Chorionzottenbiopsie

Die Chorionzottenbiopsie gehört zu den invasiven Methoden der Pränataldiagnostik und ist daher auch noch mit einigen anderen Risiken verbunden.

Leakage: Abgang von Fruchtwasser

In 0,5 bis 2 Prozent der Fällen kann eine Biopsie der Chorionzotten zum Abgang einer kleinen Menge Fruchtwasser führen. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) weist aber darauf hin, dass die Lebendgeburtenrate auch bei dieser Art Komplikation bei 91 Prozent liegt – also höher als bei einem vorzeitigen Blasensprung.

Rhesus-Inkompatibilität

Da die Nadel das müttlerliche Gewebe durchdringt und dann Gewebe entnimmt, das mit dem Blutkreislauf des Kindes verbunden ist, kann mütterliches Blut in den Blutkreislauf des Babys kommen. Bei einer Rhesus-Inkompatibilität zwischen Mutter und Kind kann das zu Problemen führen. Prof. Jeffrey S. Dungan rät daher nach der Behandlung zu einer Rhesusprophylaxe, also dass “jede Rh-negative, nicht-sensibilisierte Schwangere 300 mcg Rh0(D)-Immunglobulin” erhält.

Wie sicher sind die Ergebnisse einer Chorionzottenbiopsie?

Die Ergebnisse der Chorionzottenbiopsie gelten als sehr zuverlässig: Laut Prof. Dr. med. Karl Oliver Kagan sind die Ergebnisse der Biopsie 99 Prozent zuverlässig. Nur selten kann es dazu kommen, dass die entnommenen Plazenta-zellen nicht das gleiche Erbgut wie das Kind tragen, weil während der Zellteilung hat eine Mutation stattgefunden hat. In diesem Fall werden noch weitere Untersuchungen notwendig.

Chorionzottenbiopsie oder Fruchtwasseruntersuchung?

Im Gegensatz zur Fruchtwasseruntersuchung sind die (vorläufigen) Ergebnisse einer Chorionzottenbiopsie bereits einen Tag nach der Entnahme verfügbar und so bleibt den Eltern mehr Zeit zu entscheiden, wie sie vorgehen wollen. Außerdem ist die Fruchtwasseruntersuchung generell erst ab der 16. SSW möglich.

Für wen ist die Untersuchung sinnvoll?

Sollte ich eine Chorionzottenbiopsie machen?

Aus nachfolgenden Gründen raten Ärzte schwangeren Frauen zu der Chorionzottenbiopsie:

  1. Ab einem Alter von 35 Jahren
    Statistisch gesehen steigt ab diesem Alter das Risiko für chromosomale Auffälligkeiten und Komplikationen während der Schwangerschaft.
  2. Bei Auffälligkeiten
    Bei Ultraschalluntersuchungen haben sich Auffälligkeiten gezeigt, etwa bei einer Nackenfaltenmessung
  3. Vorerkrankungen
    Bei der Schwangeren oder den Eltern sind genetische Störungen bekannt.
  4. Bekannte familiäre Fälle
    Es gibt bereits ein Kind in der Familie mit Chromosomenstörungen oder erblich bedingten Krankheiten.

Wichtig ist, dass du dir schon vor der Untersuchung darüber Gedanken machst, welche Konsequenzen du nach einer Mutterkuchenpunktion aus einem positiven Befund für beispielsweise schwere Gendefekte ziehen möchtest. Eine Chorionbiopsie ist nämlich natürlich keine Garantie für ein gesundes Kind! Sprich mit deinem Arzt, sodass du für jede Entscheidung optimal informiert bist.

FAQs zum Thema

Wann wird eine Chorionzottenbiopsie gemacht?

Wie lange dauert eine Chorionzottenbiopsie?

Wie sicher ist das Ergebnis der Chorionzottenbiopsie?

Wie lange besteht die Gefahr einer Fehlgeburt nach Chorionzottenbiopsie?

Wie lange schonen nach Chorionzottenbiopsie?

Wie lange sind Schmerzen nach einer Chorionzottenbiopsie normal?

Quellen

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