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Corona-Impfung für Schwangere: Darf ich geimpft werden?

vonSonja Hagl

Schon bald wird es einen oder mehrere zugelassen Impfstoffe gegen das Coronavirus geben. Aber dürfen auch Schwangere geimpft werden? Antworten auf alle Fragen.

vonSonja Hagl
© Bigstock/ insta_photos

Wann wird es einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben?

Schon seit Beginn der Pandemie wird weltweit an verschiedenen Impfstoffen gearbeitet. Mittlerweile gibt es einige 48 mögliche Impfstoff-Kandidaten, die getestet werden. 164 Weitere sind in der vorklinischen Entwicklung.

Aktuell lässt es sich damit rechnen, dass spätestens Anfang 2021 die ersten Personengruppen geimpft werden könnten. Doch dann stellt sich die Frage, wer zuerst geimpft werden muss oder sollte.

Wer wird zuerst geimpft? Impfempfehlungen

In der ersten Phase der Impfungen wird es nicht genug Impfstoff geben, dass jeder sofort geimpft werden kann – aktuell wird geschätzt, dass bis zum Sommer 2021 rund 60 Prozent der Deutschen geimpft sein könnten.

Laut dem Impfplan von Gesundheitsminister Spahn wird die Impfung in verschiedenen Stufen durchgeführt. Hierfür wurden vier Gruppen entworfen:

Gruppe 1: erste Priorität

  • Alte Menschen (über 80 Jahre)
  • Menschen, die in Senioren- oder Altenheimen wohnen
  • Medizinisches Personal mit hohem Infektionsrisiko (Rettungsdienst, Notarzt)
  • Personal mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen
  • Personal in der ambulanten und stationären Altenpflege

Vor allem ältere Personen gelten als Hochrisiko-Personen, da in dieser Gruppe das Sterberisiko bei einer Infektion sehr hoch ist.

Je mehr Impfstoff verfügbar ist, desto mehr Personen können geimpft werden. Auch hier werden zuerst die Menschen, die besondere Risiken haben, vorrangig geimpft.

Gruppe 2: zweite Priorität

  • Menschen ab 70 Jahren
  • Menschen mit einem hohen Risiko für schwere Krankheitsverläufe
  • Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen
  • Kontaktpersonen von Schwangeren

In den Gruppen drei finden sich weitere Berufsgruppen, Personen, mit einem moderaten Risiko und Menschen über 60 Jahren.

Der Großteil der gesunden Bevölkerung fällt in die viere Kategorie.

Der Impf-Plan von Spahn deckt sich in großen Teilen mit den Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Hier gibt es jedoch sechs Gruppen – Kontaktpersonen von Schwangeren fallen bei der STIKO in die Gruppe drei.

Warum werden Schwangere nicht geimpft?

Kontaktpersonen von Schwangeren gehören laut der STIKO der dritten Prioritätsgruppe an. Ihre Impfung hat „moderate Priorität“. Aber warum werden Schwangere nicht einfach selbst geimpft?

Warum Schwangere nicht geimpft werden können und sollen hat eine ganz einfache Erklärung: An Schwangeren kann der Impfstoff aus ethischen Gründen nicht getestet werden – in Impf- und Medikamentenstudien ist eine Schwangerschaft generell ein Ausschlusskriterium.

Weil der Impfstoff nicht an Schwangeren getestet wurde, sind auch mögliche Auswirkungen auf Baby und Schwangerschaft noch nicht genug erforscht.

Grundsätzlich haben Schwangere durch ihre Schwangerschaft außerdem kein erhöhtes Risiko für eine Covid-Infektion oder einen schwereren Krankheitsverlauf.

Übrigens: Frauen im gebärfähigen Alter wird aktuell empfohlen, zwei Monate nach der Covid-Impfung nicht schwanger zu werden.

 

Ich bin schwanger und Teil der Risikogruppe – was bedeutet das für mich?

Schwangere Frauen, die beispielsweise eine schwere Vorerkrankung haben, sind von den widersprüchlichen Empfehlungen vielleicht verunsichert. Wegen ihrer Vorerkrankung sollten sie dringend geimpft werden aber wegen der Schwangerschaft dürfen sie das nicht.

Genau aus diesem Grund finden sich enge Kontaktpersonen von Schwangeren auch weit oben bei den Prioritäten-Gruppen. Lassen sich alle Erwachsenen im Umfeld einer Schwangeren impfen, dann könnte das vielleicht auch die Schwangere vor einer Corona-Infektion schützen. Aktuell ist jedoch noch nicht bekannt, ob ein Geimpfter einen Nicht-Geimpften mit dem Coronavirus anstecken kann.

Kann ich gleich nach der Schwangerschaft geimpft werden?

Laut den Empfehlungen der STIKO sollte auf eine Impfung auch in der Stillzeit verzichtet werden.
Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, Vertreter der AG für Geburtshilfe und Pränatalmedizin (AGG) im DGGG-Vorstand, erklärt:

„Eine grundsätzliche Routineimpfung aller Stillenden wird derzeit auch auf Basis der aktuell limitierten Impfstoffressourcen mehrheitlich von den Fachgesellschaften nicht empfohlen.“

Bei Stillenden mit erhöhtem COVID-19-Risiko wird die Impfung jedoch ausdrücklich empfohlen. Hier überwiegen die Vorteile der Impfung deutlich.

Deine Fragen zur Covid-Impfung

Welche Impfstoffe gibt es?

Alle Impfstoffe basieren auf dem gleichen Prinzip: Dem Immunsystem werden Teile des Coronavirus präsentiert, damit der Körper eine Immunität aufbauen kann. Die Ansätze der einzelnen Impfstoffe sind aber verschieden. Hier kann zwischen RNA-/DNA-Impfstoffen, Totimpfstoffen mit Virusproteinen und Vektorviren unterschieden werden.

  • M-RNA/DNA-Impfstoffe: Diese Impfstoffe enthalten Teile der Erbinformation des Virus in Form von RNA bzw. DNA. Körperzellen nehmen die RNA/DNA auf und bilden eigene ungefährliche Virusproteine (Antigene). Diese aktivieren das Immunsystem.
  • Vektor-Impfstoffe: Ein abgeschwächtes Virus (z.B. abgeschwächtes Schnupfenvirus vom Affen, dass uns nicht gefährlich werden kann) transportiert einen ungefährlichen Teil der Erbinformation von Covid-Virus in wenige Körperzellen. In den Körperzellen wird ein oder mehrere Antigene gebildet.
  • Totimpfstoffe mit Virusproteinen: Hier wird die Erbinformation in Bakterien, Hefe oder in Säugerzellen gebracht. Sie produzieren dann das Virusprotein. Dieses wird gereinigt und dann als Antigen im Impfstoff verwendet. Ergänzung: das ist der “Klassiker” und das Prinzip gut erforscht.

Wie sicher ist der Impfstoff?

Der Corona-Impfstoff wurde innerhalb von etwa einem Jahr entwickelt – kann er dann wirklich sicher sein? Ja. Ein Impfstoff wird in Deutschland nur zugelassen, wenn er alle Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich bestanden hat. Außerdem gelten auch für den Corona-Impfstoff nationale und internationale Qualitätsstandards.

Aussagen über die absolute Wirksamkeit (efficiency) des Impfstoffes lassen sich aktuell noch nicht machen. Die gerade getesteten Impfstoffe zeigen in den Phase-III-Test aber schon eine relative Wirksamkeit (efficacy) von über 90 Prozent. Das ist schon mal eine gute Grundlage.

Wie wird der Impfstoff getestet? 

In Deutschland wird ein bestehender Impfstoff zuerst an Tieren getestet. Dann durchläuft er drei weitere Testphasen, bevor er zugelassen wird.

  • Phase I:  Hier werden die Verträglichkeit und Wirksamkeit an 100 gesunden Menschen getestet.
  • Phase II: Hier wird die Dosis, die Verträglichkeit und die Wirksamkeit an mehreren hundert Freiwilligen getestet.
  • Phase III: Mehrere tausend bis zehntausende Freiwillige bekommen den Impfstoff. Im Alltag wird getestet, ob ein Impfschutz gewährt ist und keine schweren Nebenwirkungen auftreten.
  • Phase IV (nach der Zulassung): Auch nach der Zulassung wird der Impfstoff weiterhin beobachtet, denn sehr seltene Nebenwirkungen zeigen sich meistens erst in dieser Phase.

Gibt es Nebenwirkungen?

Jeder Impfstoff kann Nebenwirkungen erzeugen – also auch der Covid-Impfstoff. Die aktuell bekannten Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit sind typische Nebenwirkungen. Sie können auch bei anderen Impfungen vorkommen.

Wichtig ist immer, dass mögliche Nebenwirkungen bekannt sind. So kann bei verschiedenen Personen individuell entschieden werden, ob eine Impfung sinnvoll ist oder mit einem zu großen Risiko verbunden ist.

Übrigens: Personen, die zu starken Allergien neigen (die immer Notfallset mit Adrenalin mit sich tragen müssen) oder auf andere Arzneimittel /Impfungen allergisch reagiert haben, sollten auch bei der Corona-Impfung vorsichtig sein – es kann hier zu allergischen Reaktionen kommen. Diese Personengruppen dürfen jedoch trotzdem geimpft werden – sie müssen lediglich einige Zeit (min. 15 Minuten) danach beobachtet werden.

Wo kann man sich impfen lassen?

Am Anfang wird die Impfung (auf Einladung) in einem Impfzentrum stattfinden. So kann gesichert werden, dass die Dosen an die wichtigsten Personengruppen verteilt werden. In Krankenhäusern oder Pflegeheimen könnten auch mobile Impfteams zum Einsatz kommen.

Übrigens: Anhand von ärztlichen Bescheinigungen oder anderen Dokumenten muss vor der Impfung nachgewiesen werden, dass die Person zu einer dieser Gruppen zählt.

Wie oft muss man geimpft werden?

Laut dem aktuellen Wissensstand sind zwei Impfdosen im Abstand von einigen Wochen nötig, damit der Körper einen Immunschutz aufbauen kann.

Was wird die Impfung kosten?

Unabhängig vom Versicherungsstatus wird die Impfung kostenlos sein. Die Kosten dafür übernimmt der Bund.

Wie viele Menschen müssten sich für eine Herdimmunität impfen lassen?

Grundsätzlich müssten sich etwa 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen, damit ein Gemeinschaftsschutz besteht.

Bei der Corona-Impfung ist noch nicht geklärt, ob eine geimpfte Person eine Nicht-Geimpfte anstecken kann. Wichtiger als des Gemeinschaftsschutz ist also der Individualschutz. Das bedeutet, dass jede Person, die sich impfen lassen will, auch eine Impfung bekommen sollte.

Wird es eine Impfpflicht geben?

Laut einer Barmer-Umfrage lehnen zwei Drittel der Deutschen eine Impfpflicht ab. Es wird auch keine Impfpflicht geben. Bundeskanzlerin Angela Merkel betont:

„Niemand wird gezwungen werden, sich impfen zu lassen, sondern es ist eine freiwillige Entscheidung.“

Weitere Informationen zur Impfung gegen das Coronavirus findest du auch hier:

Quellen

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