Bookmark

Dammmassage: Wie geht die optimale Geburtsvorbereitung?

Dammassage zur Geburtsvorbereitung
Eine Dammmassage in der Schwangerschaft hilft bei der Geburtsvorbereitung.
© Unsplash / Timothy Meinberg

Eine Dammmassage hilft, die feine Haut am Damm auf die Geburt vorzubereiten. Hebamme Sandra Scheider gibt Tipps, wie du bei der Dammmassage am besten vorgehst und welches Öl du verwenden solltest.

geprüft von Sandra Schneider, Hebamme

Was ist eine Dammmassage?

Mit einer Dammmassage dehnst du mit bestimmten Übungen den Bereich zwischen dem Anus und der Scheide und kannst ihn so flexibler machen für die Geburt. Verschiedene Studien zeigen, dass die regelmäßige Massage des Damms gegen Geburtsverletzungen, wie einen Dammriss, vorbeugend wirken kann.

Wo genau liegt der Damm?

Als Damm (medizinisch: Perineum) bezeichnet man die Region zwischen Anus und Vagina. Der Damm besteht aus vielen Nerven und Muskeln, die zu der Beckenbodenmuskulatur gehören. Damit hat die Dammregion (Regio perinealis) eine stabilisierende und schützende Funktion des Beckens.

Wozu ist die Dammmassage gut und wie wirkt sie?

Während der Geburt wird der Bereich des Damms extrem belastet. Eine Dammmassage hilft, das Gewebe auf die heftige Dehnung vorzubereiten.

„Eine Massage führt dazu, dass das Gewebe besser durchblutet wird. Und das wiederum bewirkt, dass das es dehnfreudiger wird“,

bestätigt die Hebamme Sandra Scheider. Sie ist im Vorstand des Vereines HebaVaria g.e.V. und Teil unseres Experten-Teams.

Führst du gegen Ende deiner Schwangerschaft regelmäßig eine Dammmassage durch, kannst du das Risiko eines Dammrisses senken.

Beachte: Geburtsverletzungen können trotz der besten Vorbereitung passieren. Ein Dammriss kommt bei 20 – 30 Prozent aller Geburten vor: „Denke aber bitte nicht, dass es an dir lag. Dass du dich nicht gut genug vorbereitet hast oder etwas falsch gemacht hast“, betont Schneider.

Mit der richtigen Pflege und ausreichend Bettruhe seien diese Verletzungen meist nach ein bis zwei Wochen wieder verheilt, erklärt die Hebamme. Das ist aber natürlich vom Grad der Verletzung abhängig.

: Wie oft passiert das wirklich?

Ab wann ist eine Dammmassage sinnvoll?

Etwa ab der 35. SSW kannst du damit beginnen, den Damm regelmäßig zu massieren. Das kannst du drei- bis viermal pro Woche machen. Es schadet aber auch nicht, wenn du deinen Damm jeden Tag massierst. Für jede Massage solltest du dir zwischen fünf und zehn Minuten Zeit nehmen.

Hattest du Probleme mit vorzeitigen Wehen oder einem verkürzten Gebärmutterhals, solltest du für die Dammmassage bis zur 37. SSW warten. Hat dein Baby auch diese Entwicklungswoche abgeschlossen, zählt es offiziell nicht mehr als Frühchen, sollte die Geburt zu früh losgehen.

Dammmassage bei der Geburt

Eine Dammmassage kann auch noch während der Wehen durchgeführt werden, dann aber durch die Geburtshelfer. Die aktuellen Leitlinie für die Geburtshilfe der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehlen außerdem eine hockende Geburtsposition und warme Kompressen auf dem Damm, um Dammverletzungen vorzubeugen.


Welches Öl für die Dammmassage?

Verwende am besten ein pflanzliches Öl für die Dammmassage. Hochwertige natürliche Öle wie Mandel- oder Weizenkeimöl kannst du auch später für die Babymassage noch verwenden.

Es gibt auch Öl-Mischungen, die speziell für die Dammmassage zusammengesetzt sind. Wenn du unsicher bist, was du möchtest, frag deine Hebamme um Rat oder lass dich in der Apotheke beraten.

Wir empfehlen diese drei Öle, die du direkt bei Amazon kaufen kannst.

Wie geht die Dammmassage? Anleitung mit Bildern

Wie kann ich selbst eine Dammmassage durchführen? Hier findest du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung und hilfreiche Dammmassage-Bilder:

Wichtig: Wenn du Schmerzen verspürst, solltest du die Massage abbrechen.

Zur Vorbereitung: 
Du solltest dir gründlich die Hände waschen. Achte auch darauf, dass deine Fingernägel nicht zu lang sind. Dann verteilst du eine kleine Menge Öl zwischen Daumen und Zeigefinger und verreibst es, bis es angenehm warm ist.

So gehst du vor:

  • Führe deinen Daumen in die Scheide ein.
  • Deinen Zeigefinger platzierst du von außen am Damm.
  • Dann verteilst du das Öl in einem Halbkreis entlang. Das kannst du dir wie bei einer Uhr vorstellen. Du massierst von drei nach neun Uhr und wieder zurück.
  • Danach massierst du im gleichen Halbkreis, aber jetzt punktueller mit Daumen und Zeigefinger.
  • Zum Schluss gehst du noch einmal mit deinem Daumen in die Scheide und drückst leicht das Gewebe des Damms nach außen.

In der Grafik siehst du noch einmal die wichtigsten Schritte der Dammmassage: Anleitung im Überblick.

Grafik: Anleitung für eine Dammmassage

© TargetVideo Parenting GmbH

Videoanleitung: Dammmassage

Für eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung, schau dir gerne das folgende Video an. Darin erklärt dir Hebamme Sandra Schneider genau, wie du bei der Massage vorgehen solltest.

6 Tipps für die Dammmassage: Eine Hebamme klärt auf

  1. Nimm dir Zeit für die Dammmassage
    Auch wenn du den Damm nur etwa fünf bis zehn Minuten am Tag massierst, solltest du das ganz in Ruhe tun.
  2. Schaffe dir eine entspannte Umgebung.
    Gerne kannst du vorher ein Bad nehmen. Ein Sitzbad oder Dampf-Sitzbad eignet sich als hervorragende Vorbereitung für die Dammmassage.
  3. Fingernägel schneiden
    Halte deine Fingernägel möglichst kurz, um dich nicht aus Versehen zu verletzen.
  4. Hygiene
    Wasche dir vor der Dammmassage gründlich die Hände.
  5. Finde eine Position, die für dich angenehm ist.
    Viele Frauen führen die Dammmassage im Stehen durch und stellen ein Bein hoch, etwa auf den Toilettensitz. Probiere dich hierbei aus, bis du eine passende Position gefunden hast.
  6. Nach der Dammmassage gehst du am besten auf die Toilette.
    So kannst du Harnwegsinfektionen vorbeugen.

Wann sollte man keine Dammmassage machen?

Wenn du zu vorzeitigen Wehen neigst, solltest du keine Dammmassage durchführen.

Ebenso solltest du nicht massieren, wenn du einen Pilz oder eine Infektion der Scheide hast. Diese müssen zuerst behandelt sein. Das Gleiche gilt bei einem Ausbruch von Genitalherpes.

Welche Alternativen gibt es zur Dammmassage?

Einige Frauen fühlen sich bei der Dammmassage unwohl oder möchten aus anderen Gründen die Massage nicht durchführen.

Da der Damm hauptsächlich aus Muskeln besteht, kann regelmäßiges Training eine Dammmassage-Alternative darstellen. Besonders gut geeignet sind dafür Beckenbodenübungen. Optional kannst du dich auch jeden Tag für einige Minuten in den Schneidersitz setzen. Am besten nach einem warmen, entspannenden Bad – dann ist die Haut besonders dehnfähig.

Außerdem können Sitzbäder zusätzlich helfen, das Gewebe dehnbarer zu machen. Besonders gut helfen dabei Heublumendampfsitzbäder. Und so geht’s:

  • Besorge dir Heublumen Trockenware in der Apotheke: Bitte keinen fertigen Badezusatz kaufen.
  • Überlege, welche Schüssel oder welcher Topf groß genug ist, dass du ihn in die Toilette stellen kannst – und zwar so, dass dessen Oberrand ca. 10 cm unter deinem Po aufhört, wenn du dich auf die Toilette setzt.
  • Stelle die Schüssel/ den Topf in die Toilette und übergieße eine Handvoll Heublumen mit kochendem Wasser.
  • Lasse den Sud etwas ziehen bzw. abkühlen, bis sich die Temperatur des aufsteigenden Dampfes angenehm für dich anfühlt.
  • Setze dich möglichst breit aber bequem auf die Toilette und lasse den Dampf einziehen.
  • Dieses Heublumendampfsitzbad kannst du ab der 38. SSW gerne zwei Mal in der Woche anwenden – ist der errechnete Geburtstermin schon erreicht, gerne auch täglich.
  • Wichtig: Beobachte nach der ersten Anwendung, ob der Dampf vermehrte Kontraktionen auslöst. Das kommt selten vor. In dem Fall solltest du Rücksprache mit deiner Hebamme halten.

FAQs zur Dammmassage in der Schwangerschaft

Ab wann sollte ich den Damm massieren?

Wie oft sollte ich den Damm massieren?

Wie lange sollte ich den Damm massieren?

Welches Öl kann ich für die Dammmassage verwenden

Kann mein Partner die Dammmassage durchführen?

Wie oft reißt der Damm bei der Geburt?

Quellen

Top