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Dammriss bei der Geburt: Wie oft passiert das wirklich?

Ein Dammriss ist bei vielen Frauen gefürchtet, wenn sie an die bevorstehende Geburt denken. Tatsächlich ist er die häufigste Geburtsverletzung, in der Regel aber auch schnell wieder verheilt. Ob und wann du genäht werden musst, erfährst du hier. Außerdem Tipps, wie du einem Dammriss vorbeugen kannst.

Ein Dammriss passiert häufig, aber nur selten sind die Risse schlimm
Ein Dammriss passiert häufig, aber nur selten sind die Risse schlimm
© Unsplash/ Brina Blum

Dammriss: Warum passiert das so häufig bei der Geburt?

Der Damm bezeichnet die Verbindung zwischen Scheide und After. Während einer Geburt werden Scheide und Damm stark gedehnt – vor allem, wenn in der Austreibungsphase Kopf und Schultern des Babys geboren werden. Das ist eine extreme Belastung für das Gewebe. Oft hält es den starken Druck nicht aus: Bei einem Dammriss reißt das Gewebe am hinteren Scheidenausgang in Richtung After ein. Die Verletzungen werden in vier Schweregrade unterteilt. Der erste Verletzungsgrad und der Dammriss Grad 2 sind am häufigsten. Nur selten reißt der Damm bis in den After ein.

Dass du untenrum aufreißt, das hört sich extrem unschön und schmerzhaft an. Doch in den seltensten Fällen ist ein Dammriss wirklich gefährlich. Bei den meisten Frauen reißt nur das Gewebe im Bereich rund um die Scheidenöffnung ein, was die wenigsten merken, da das Gewebe während der Geburt so stark angespannt ist, dass es ziemlich schmerzunempfindlich ist. Solltest du eine Periduralanästhesie (PDA) bekommen haben, wirst du den Riss auch erst einmal nicht spüren. Daher ist es umso wichtiger, dass eine Hebamme oder ein Gynäkologe deinen Intimbereich nach der Geburt noch einmal genau untersucht. Gegebenenfalls kann der Dammriss dann sofort behandelt werden.

Ursachen für einen Dammriss: Risikofaktoren

Die Ursachen für den Dammriss sind vielseitig. Häufig ist jedoch ein großer Kopfumfang des Babys beziehungsweise ein zu hohes Geburtsgewicht (über 4000 Gramm) der Grund für die starke Belastung des Gewebes. Aber auch wenn die Geburt zu schnell geht, eingeleitet werden muss, oder wenn die Ärzte Hilfsmittel wie Saugglocke oder Geburtszange einsetzen, kann es zu einem Dammriss kommen. Dann hat das Damm-Gewebe nicht ausreichend Zeit, sich langsam an den Druck zu gewöhnen.

Um den Scheidenausgang während der Geburt zu vergrößern, führen Ärzte manchmal einen Dammschnitt durch. Der ist nicht schmerzhaft, da er während einer Pressewehe durchgeführt wird und das Gewebe währenddessen angespannt ist. Er wird heute nur noch durchgeführt, wenn die Herztöne des Babys schlechter werden und die Geburt beschleunigt werden muss.

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Dammriss: Grad der Verletzung

Ein Dammriss lässt sich wie gesagt in vier verschiedene Schweregrade unterteilen. Beim ersten Grad und beim Dammriss Grad 2 ist vorwiegend die Haut des Damms verletzt. Bei Grad 3 und Grad 4 reißt auch der Schließmuskel an oder sogar durch. Dann musst du operiert werden.

  • Dammriss 1. Grades: Es kommt zu leichten oberflächlichen Rissen im Bereich des Scheideneingangs und des Damms.
  • Dammriss 2. Grades: Die Haut ist stärker eingerissen. Auch die Dammmuskulatur kann oberflächlich verletzt werden.
  • Dammriss 3. Grades: Die Risse ziehen sich bis zum After und verletzten die Schließmuskulatur. Zum Teil kann sie sogar ganz durchtrennt werden.
  • Dammriss 4. Grades: Auch hier wird der Schließmuskel stark verletzt. Zusätzlich ist die Schleimhaut des Darms (Rektum) eingerissen.

Ein Dammriss des dritten und vierten Grades tritt zum Glück relativ selten auf. Sie betreffen nur etwa 1,5 Prozent (Grad 3) beziehungsweise 0,1 Prozent (Grad 4) aller Frauen bei einer Geburt. Häufiger sind der erste Grad und der Dammriss Grad 2.

Dammriss: Wie lange dauert die Heilung?

Ab einem Dammriss 2. Grades wird in der Regel genäht. Die Ärzte versorgen die Wunde noch im Krankenhaus. Normalerweise verläuft der Heilungsprozess relativ schnell und problemlos. „Die Heilung solcher Wunden dauert im Durchschnitt zehn Tage. Die Fäden müssen nicht gezogen werden, sondern lösen sich von alleine auf“, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf dem Infoportal familienplanung.de.

Während der Zeit der Dammriss-Heilung solltest du deinen Damm nicht übermäßig belasten: vermeide Fahrrad fahren oder im Schneidersitz zu sitzen. Oft kommt es auch vor, dass du im Krankenhaus Magnesium Tabletten bekommst. Die sorgen für weicheren Stuhl, damit du auf dem Klo weniger Schmerzen hast. Gegen Schmerzen beim Sitzen hilft zum Beispiel ein aufblasbarer Sitzring.

Je schwerer die Verletzungen sind, desto länger dauert natürlich auch der Heilungsprozess. Aber grundsätzlich verheilt ein Dammriss gut, auch wenn du operiert werden musstest.

Tipps, wie ein Dammriss schneller heilt

Nach der Geburt solltest du den Damm auf jeden Fall pflegen. Gerade am Anfang kann es gegen die Schmerzen helfen Kühl-Pads aufzulegen. Häufig werden auch Arnika-Wundtücher zum Kühlen empfohlen. „Es gibt aber keine Studien, die die tatsächliche Wirksamkeit in Bezug auf eine bessere Wundheilung dieser unterstützenden Maßnahmen belegen. Trotzdem empfinden viele Frauen gerade das Kühlen als lindernd in den ersten Tagen.“, merkt Hebamme Anja Constance Gaca auf ihrem Blog von guten Eltern an. Ausprobieren schaden aber auf keinen Fall. Ein weiterer gängiger Hebammen-Tipp ist es, beim Wasserlassen zusätzlich lauwarmes Wasser über die Wunde laufen zu lassen. Das hilft, dass der Dammriss dabei nicht zu sehr brennt. Grundsätzlich solltest du viel Luft an die Wunden lassen, das kann die Heilung beschleunigen. Also zwischendurch Slip aus und zum Beispiel auf dem Bett entspannen. Je nachdem wie stark dein Wochenfluss noch ist, solltest du aber ein Handtuch oder ähnliches Unterlegen.

Was Hebammen außerdem nach einem Dammriss empfehlen:

  • Sitzbäder mit Totes-Meer-Salz und ätherischen Ölen wie Lavendel, Kamille blau oder Scharfgarbe. Du kannst das täglich für 10 bis 15 Minuten machen. Die Wassertemperatur sollte ungefähr 35° C bis 37° C haben.
  • Regenerationssprays für den Dammbereich wirken wie Sitzbäder sind aber leichter anzuwenden.
  • Achte darauf ausreichend zu trinken und auf eine Ernährung, die die Verdauung anregt. Das macht den Stuhlgang weicher und belastet das verletzte Gewebe nicht zusätzlich. Leinsamen, Trockenobst, Weizenkleie oder Birnensaft regen zum Beispiel die Verdauung an.
  • Musste dein Dammriss genäht werden, können die frischen Narben noch etwas unangenehm sein. Ist die Wunde komplett geheilt kannst du sie regelmäßig massieren, das macht sie weicher. Dafür kannst du Damm-Massage-Öl verwenden oder spezielle Narbensalbe.

Einem Dammriss vorbeugen

Es ist wirklich sinnvoll, sich schon vor der Geburt mit dem Damm auseinanderzusetzen. Ist das Gewebe weich und elastisch, kannst du einem Dammriss vorbeugen. Am besten geht das mit einer Massage des Gewebes. Um dir die Massage so angenehm wie möglich zu gestalten, achte darauf, ein spezielles Dammöl zu verwenden, es besteht häufig aus hochwertigem Mandelöl und eignet sich besonders gut. Wie genau so eine Massage funktioniert und worauf du achten musst, das kannst du in unserem Ratgeberartikel zum Thema Dammmassage nachlesen. Beachte aber, dass du damit nicht erst kurz vor der Geburt beginnst. Das Gewebe braucht Zeit, um sich sanft dehnen zu können.

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