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Drillinge – Was erwartet mich in der Schwangerschaft und danach?

Drillinge – bedeutet das auch dreifachen Stress? Lies im Artikel, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für Drillinge ist, was in der Schwangerschaft und der Entbindung auf dich zukommt. Außerdem findest du hier viele Bilder von Drillingsmamas und ihren Bäuchen und ein Video, in dem eine Mutter erzählt, wie ihr Leben mit Drillingen wirklich ist.

Drillinge bringen ihren Eltern vielfaches Glück - aber auch eine Menge Arbeit...
Drillinge bringen ihren Eltern vielfaches Glück - aber auch eine Menge Arbeit...
© Bigstock / Digitalskillet1

Drillinge: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit?

Drillinge bekommen nur die wenigsten Frauen in Deutschland. So kamen im Jahr 2017 laut den Daten des Statistischen Bundesamtes insgesamt 287 Drillinge zur Welt. In Bezug auf die Geburtenzahl aus diesem Jahr war demnach nur jedes 900. Baby ein Drilling. Eine sehr geringe Zahl. Zum Vergleich: Jedes 27. Kind war ein Zwilling.

Drillinge Wahrscheinlichkeit nach Hellin-Regel

Lange wurde die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft nach der sogenannten Hellin-Regel oder Hellin-Hypothese berechnet. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit auf natürlichem Wege Zwillinge zu bekommen bei 1:85, für Drillinge bei 1:85². In Prozent ausgedrückt bedeutet das:

  • Wahrscheinlichkeit für Zwillinge circa 1,2 Prozent (nach Hellin-Regel)
  • Wahrscheinlichkeit für Drillinge circa 0,01 Prozent (nach Hellin-Regel)

Allerdings lässt sich mit diesem Wert nur die Häufigkeit von natürlichen Mehrlingsschwangerschaften berechnen. Für Schwangerschaften nach einer künstlichen Befruchtung gilt die Hellin-Regel also nicht. Laut dem Deutschen IVF Register 2017 liegt die Wahrscheinlichkeit für ein doppeltes Babybglück bei 21,1 Prozent und 0,5 Prozent der behandelten Frauen werden schwanger mit Drillingen.

Video-Empfehlung

Mehrlingsschwangerschaften nehmen zu

Statistischen Untersuchungen zufolge nimmt die Zahl an Mehrlingsschwangerschaften in Deutschland zu. Das liegt natürlich an der wachsenden Anzahl an künstlichen Befruchtungen. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, werden der Frau pro Eingriff gleich mehrere befruchtete Eizellen eingesetzt. Die Folge: Rund ein Viertel aller Frauen, die sich künstlich befruchten lassen, bringen Mehrlinge zur Welt.

Ein weiterer Grund für die steigende Anzahl von Zwillingen und Drillingen – beziehungsweise allgemein von Mehrlingsschwangerschaften – ist laut Wissenschaftlern aber auch das steigende Alter von Frauen bei ihrer ersten Schwangerschaft. Mit dem Alter reifen in den Eierstöcken pro Zyklus mehrere Eizellen, die befruchtet werden können.

Auch die genetische Veranlagung kann für Drillinge eine Rolle spielen. So bekommen Frauen häufiger Mehrlinge, wenn ihre Mutter selbst Zwillinge oder Mehrlinge zur Welt gebracht hat.

Drillingsschwangerschaft: Woran erkenne ich sie?

Zu Beginn der Schwangerschaft unterscheidet sich eine Drillingsschwangerschaft nicht von jeder anderen Schwangerschaft. Ob du Drillinge erwartest, kann der Arzt aber erst bei einem Ultraschall zwischen der achten und zwölften Schwangerschaftswoche sicher feststellen. Ein erstes Indiz dafür, dass du mehr als ein Baby erwartest, kann unter Umständen eine auffällig hohe Konzentration des Schwangerschaftshormons HCG sein. Allerding gibt es dazu keine wissenschaftlichen Studien, die das eindeutig bestätigen können.

Eineiig Drillinge oder zweieiig oder dreieiig?

Im Gegensatz zu Zwillingen lässt sich bei Drillingen nicht nur zwischen eineiig oder zweieiig unterscheiden. Eineiige Drillinge sind ebenso gut möglich wie dreieiige Drillinge. Hier ist es sogar möglich, dass zwei der Babys eineiig sind und sich das dritte Baby von ihnen unterscheidet. Eineiige Drillinge entstehen, wenn sich die befruchtete Eizelle in drei gleiche Teile aufteilt. Hier verfügen alle Kinder über dieselben Erbanlagen und dasselbe Geschlecht. Bei zweieiigen Drillingen werden zwei verschiedene Eizellen befruchtet. Eine der Eizellen trennt sich nach der Geburt in zwei gleich große Teile, die andere entwickelt sich parallel davon weiter. Dreieiige Drillinge hingegen entstehen, wenn drei Samenzellen drei verschiedene Eizellen befruchten.

Schwanger mit Drillingen: Risikoschwangerschaft

Weil sich mehr Babys den Platz im Bauch teilen müssen, ist eine Drillingsschwangerschaft natürlich auch eine viel größere Belastung für den Körper. „Die Wirbelsäule und die Beine haben mehr Gewicht zu tragen, das Bindegewebe und die Muskulatur müssen mit größeren Belastungen fertigwerden als bei nur einem Ungeborenen (…). Wer mehr als ein Kind erwartet, sollte daher ganz besonders auf den eigenen Körper achten.“, erklären die Gesundheitsexperten von familienplanung.de, einem Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Welche Risiken birgt eine Drillingsschwangerschaft?

Auch wenn am Ende dreifaches Glück wartet, eine Schwangerschaft mit Drillingen ist beschwerlich. „Mehrlingsschwangerschaften werden zu Recht als Risikoschwangerschaften bezeichnet. Zum einen leiden Frauen in einer solchen Schwangerschaft häufiger unter Schwangerschaftsübelkeit, unter Bluthochdruck, Wassereinlagerungen, Blutarmut und Krampfadern. Aber auch wenn die Mutter völlig gesund ist, können sich die Mehrlinge gegenseitig Nährstoffe streitig machen; es kommt häufiger zu Nabelschnurkomplikationen, und die starke Dehnung und Belastung der Gebärmutter führt oft dazu, dass die Geburt früher beginnt als bei Einlingen.“, schreibt Prof. Dr. med. Birgit Seelbach-Göbel, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in einer Pressemitteilung zum Fortbildungskongress 2015 der Frauenärztlichen Bundes Akademie, der vom 04.- 07. März 2015 stattfand. Frauen, die schwanger mit Drillingen sind, leiden also nicht nur unter größeren Schwangerschaftsbeschwerden, eine Mehrlingsschwangerschaft bedeutet auch immer eine höhere Gefahr für Mutter und Kind. Zu den Risikofaktoren für Schwangere und Babys gehören unter anderem:

  • Fehl- und Frühgeburten
  • Entwicklungsverzögerung der Babys durch zu wenig Platz im Bauch
  • Nabelschnurkomplikationen
  • Bluthochdruck während der Schwangerschaft
  • Blutarmut während der Schwangerschaft
  • Vermehrte Blutungen während der Schwangerschaft
  • Gebärmutterhalsschwäche
  • Vorzeitige Wehen

Drillingsgeburt: natürlich oder Kaiserschnitt?

Eine Drillingsschwangerschaft wird nie volle 40 Wochen dauern. Durchschnittlich kommen Zwillinge in der 37. SSW zur Welt, Drillinge in der Regel nochmal etwas früher. Das hängt häufig auch mit einem früheren Blasensprung und einer damit verbundenen Frühgeburt zusammen. Kam es während der Mehrlingsschwangerschaft zu Komplikationen, raten Ärzte Drillinge ab der 32. SSW per Kaiserschnitt zu holen. Die Frauenärzte im Netz erklären: „Bei höhergradigen Mehrlingen (Drillinge oder mehr Kinder) ist der Kaiserschnitt meist der empfohlene Geburtsweg.“ Denn bei einer Drillingsgeburt auf natürlichem Wege können zu viele Komplikationen auftreten.

Leben mit Drillingen: Wer unterstütz mich?

Schon ein Kind stellt das Leben seiner Eltern auf den Kopf. Nimmt man das ganze Mal drei, kann man sich vielleicht vorstellen, wie ein Leben mit Drillingen aussehen könnte. Und neben der alltäglichen Belastung ist ja auch die finanzielle Belastung entsprechend größer.

Informiere dich also frühzeitig, welche Unterstützung dir mit Drillingen zusteht. So ist zum Beispiel der Mutterschutz nach einer Mehrlingsschwangerschaft länger: er beträgt zwölf statt sechs Woche nach der Entbindung. Mit der Neuregelung des Elterngeld beziehungsweise mit der Einführung des ElterngeldPlus gilt bei Drillingen ein sogenannter Mehrlingszuschlag von insgesamt 600 Euro monatlich zu dem regulären Elterngeld – beim ElterngeldPlus sind es 300 Euro zusätzlich.

Einen kleinen Einblick, wie stressig, aber auch schön das Leben mit Drillingen sein kann, zeigt diese Reportage über eine junge, alleinerziehende Mutter von süßen Drillingen:

Reportage: So schön stressig kann das Leben mit Drillingen sein


Quellen:

  • Berufsverbandes der Frauenärzte e.V.: Warum Zwillinge in machen Familien gehäuft auftreten.  (2016)
    https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/warum-zwillingsgeburten-in-manchen-familien-gehaeuft-auftreten/ (letzter Zugriff: Januar 2019)
  • Berufsverbandes der Frauenärzte e.V.: Kaiserschnitt. (2018)
    https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/kaiserschnitt/ (letzter Zugriff: Januar 2019)
  • Seelbach-Göbe, Birgit: Mehrlingsschwangerschaften – aufwändige Betreuung, sorgfältige Planung der Geburt, Fortbildungskongress 2015 der Frauenärztlichen BundesAkademie 04.- 07. März 2015
    https://www.fba.de/files/fba/content/FOKO/Presse/2015/2015-03-05-FOKO-Seelbach-Goebel-Zwillinge.pdf (letzter Zugriff: Januar 2019)
  • Goerke, Kay: Hellin-Regel. In: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch online (2017).
    https://www.pschyrembel.de/Hellin-Regel/K09L8 (letzter Zugriff: Januar 2019)
  • Deutsches IVF-Register: Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Sonderheft 1/ 2018,
    https://www.deutsches-ivf-register.de/perch/resources/dir-jahrbuch-2017-deutsch-final.pdf (letzter Zugriff: Januar 2019)
  • Informationen des Bunedsministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Elterngeld und ElterngeldPlus (01.2018)
    https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/familienleistungen/elterngeld/elterngeld-und-elterngeldplus/73752 (letzter Zugriff: Januar 2019)
  • Destatis Statistisches Bundesamt: Natürliche Bevölkerungsbewegung Frauen mit Mehrlingsgeburten 2012 – 2017
    https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Geburten/Tabellen/GeburtenMehrlinge.html (letzter Zugriff: Januar 2019)
  • Kainer, Franz; Nolden, Annette: Das große Buch der Schwangerschaft. Umfassender Rat für jede Woche. Gräfe und Unzer Verlag, (2009) S. 114-146