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Durchfall Schwangerschaft: Wann wird es gefährlich?

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© Pexels / Hafdiz Alifuddin

Durchfall in der Schwangerschaft ist keine sehr typische Schwangerschaftsbeschwerde. Lies hier alle Infos zu den Ursachen, potenzielle Gefahren, Hausmittel und ab wann du einen Arzt aufsuchen solltest.

Durchfall in der Schwangerschaft

Durchfall ist kein typisches Schwangerschaftssymptom. Schwangere leiden eher unter Verstopfung, daher sollte man eine Durchfallerkrankung nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Gut zu wissen

Habe ich Durchfall oder normalen Stuhlgang?

Ursachen für Durchfall in der Schwangerschaft

Um die richtige Behandlung zu wählen, ist es wichtig, dass du erst einmal herausfindest, warum du unter den Verdauungsproblemen leidest. Folgende Ursachen sind am häufigsten bei Schwangeren:

#1 Durchfall in der Frühschwangerschaft

In vielen Fällen ist der Grund für Durchfall in der Schwangerschaft eine Ernährungsumstellung.

Viele Frauen ernähren sich bewusst gesünder, wenn sie erfahren, dass sie schwanger sind, um ihr Kind optimal zu versorgen. Der Magen-Darm-Trakt ist mehr Ballaststoffen ausgesetzt und kann darauf mit Durchfall in der Frühschwangerschaft reagieren.

Verzichte aber deshalb auf keinen Fall auf Vollkornprodukte und andere ballaststoffreiche Nahrungsmittel – dein Baby braucht die Nährstoffe und der Durchfall durch eine Ernährungsumstellung ist meist nach ein paar Tagen wieder weg.

#2 Durchfall im zweiten Trimester

Eine Schwangerschaft ist auch eine Zeit, die mit vielen körperlichen Veränderungen verbunden ist. In Stresssituationen wird das Stresshormon Cortisol freigesetzt und der Körper zieht Energie vom Margen-Darm-Trakt ab und leitet sie in die Muskulatur und das Herz.

Prof. Peter Falkai von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) erklärt:

„Für die organischen Reaktionen ist mehr oder weniger egal, um was für eine Belastung es sich handelt – beruflicher Stress, Reiseaufregung oder ein Trauerfall. Je unvorhergesehener ein Ereignis ist, umso stärker muss die Reaktion des Körpers sein.“

Durchfall in der Schwangerschaft kann also eine Stressreaktion deines Körpers sein oder ein Zeichen, wie du mit psychischen Belastungen wie Ängsten oder Sorgen umgehst.

Tipp: Versuche herauszufinden, was dich besonders belastet und verringere dann dein Stresslevel. Wenn du das Gefühl hast, dass dich deine Schwangerschaft und deine zukünftige Rolle als Mutter überfordern könnte, solltest du Rat bei einem Psychologen suchen.

#3 Durchfall im dritten Trimester: Anzeichen für die Geburt?

In der Spätschwangerschaft kann dein Kind auf deinen Darm drücken und so Verdauungsprobleme auslösen. Manche Schwangere bekommen auch mit dem Beginn der Wehen leichten Durchfall.

> Weitere Geburtsanzeichen findest du in diesem Artikel

#4 Weitere Ursachen für Durchfall in der Schwangerschaft

Infektionen/ Lebensmittelallergie
Abgesehen davon können, wie auch außerhalb der Schwangerschaft, verdorbene Lebensmittel, Lebensmittelallergien oder ein Magen-Darm-Virus die Ursache für Durchfall sein. Das ist meist nicht weiter gefährlich, Vorsicht sollte bei dem Verdacht einer Salmonelleninfektion gelten! Wenn du dir nicht sicher bist, solltest du einen Arzt um Rat fragen.

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Magnesium in der Schwangerschaft

Viele Schwangere nehmen Magnesium-Präparate. Allerdings kann Magnesium Wasser aus dem Darm ziehen, was zu Durchfall führen kann.

Hier erfährst du mehr zu Magnesium in der Schwangerschaft

Was hilft bei Durchfall in der Schwangerschaft?

In den meisten Fällen reicht es aus, auf die gleichen Dinge zu achten wie vor der Schwangerschaft. Es empfiehlt sich aber auf Medikamente zu verzichten und stattdessen auf bewährte Hausmittel zu setzen:

Durchfall Schwangerschaft: Hausmittel

  1. Ausreichend trinken
    Da dein Körper durch den ständigen Flüssigkeitsverlust dehydriert ist, ist es wichtig viel zu trinken – am besten bis zu drei Liter pro Tag. So verhinderst du auch eine Mineralien-Unterversorgung deines Ungeborenen.
  2. Fenchel- oder Kamillentee
    Fenchel-und Kamillentee beruhigen den Magen/Darm Trakt und wirken entblähend. Außerdem sind sie gut für die gereizte Magenschleimhaut.
  3. Stopfende Lebensmittel essen
    Geriebene Lebensmittel wie Bananen, Möhren oder Äpfel haben eine stopfende Wirkung und machen deinen Stuhl wieder fester.
  4. Salze aufnehmen
    Um verlorenen Salze durch den Durchfall in der Schwangerschaft wieder aufzunehmen, kannst du Zwieback oder ungewürztem Knäckebrot essen oder Gemüsebrühe trinken.

Diese Lebensmittel solltest du vermeiden

  1. Blähende Lebensmittel
    Hülsenfrüchte oder Kohl blähen deinen Darm nur unnötig und reizen zusätzlich. Vermeide diese Lebensmittel jetzt.
  2. Kaffee
    Kaffee kann den Flüssigkeitsverlust nur noch mehr begünstigen und hat eine abführende Wirkung.
  3. Säurehaltiges Obst
    Verzichte auf säurehaltiges Obst wie Zitronen, Orangen, Kiwi oder Ananas, da diese die angegriffenen Schleimhäute noch zusätzlich reizen können.

(Erneutem) Durchfall in der Schwangerschaft vorbeugen

Dos & Dont's

Bauchmassagen nach dem Essen fördern die Verdauung.
eingeweichtes Trockenobst zum Frühstück
Vermeide Kohlensäure. Greif Lieber zu stillen Getränken.
Ruhige, lange Nächte tuen deinem Verdauungssystem gut, Stress dagegen nicht.
Müsli und Vollkornprodukte stopfen und sind gesund.

Durchfall & Schwangerschaft: Gefahren für Mutter und Baby

In der Regel ist Durchfall in der Schwangerschaft ungefährlich für das Ungeborene. Kritisch wird es bei schwerem Durchfall. Anzeichen dafür können laut Dr. Nicole Wendler Schmerzen, Krämpfe, Fieber, Kreislaufprobleme oder Blut im Stuhl sein.

Achte daher auf folgende Anzeichen und kontaktiere bei dem Verdacht auf eine schwere Durchfallerkrankung sofort deinen Arzt:

Gefahren für die Mutter

#1 Dehydrierung
Kritisch wird es, wenn der Durchfall über mehrere Tage anhält, da er dann zu einem starken Flüssigkeitsverlust und im schlimmsten Fall zu einer Dehydrierung führt. Es fehlen dem Körper wichtige Mineralien, wie etwa Kalium, was für Mutter und Kind gefährlich werden kann.

Der Berufsverband Deutscher Internisten warnt außerdem vor einem erhöhten Thrombose-Risiko durch den Flüssigkeitsverlust, sowie vor der Gefahr von Nierenversagen. Um eine Dehydrierung zu verhindern, solltest du zwei bis drei Liter Wasser am Tag trinken.

#2 Medikamente bei chronischen Krankheiten
Vorsicht ist außerdem geboten, wenn du wegen anderer Krankheiten Medikamente einnehmen musst. Durchfall in der Schwangerschaft führt nämlich dazu, dass viele oral eingenommenen Medikamente ausgeschieden werden, bevor sie wirken können.

Gefahren für das Baby

#1 Listeriose / Salmonellen
Hast du den Verdacht, dass der Durchfall durch eine Infektion ausgelöst wurde, solltest du schnellstmöglichst einen Arzt aufsuchen. Vor allem eine Infektion mit Listeriose und Salmonellen können für Mutter und Kind lebensgefährlich sein.

Laut des Robert Koch-Instituts äußert sich eine Listeriose durch grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Muskelschmerzen aber auch Erbrechen und Durchfall. Wird die Infektion auf das Baby übertragen, kann das zu Früh- oder Totgeburten führen. Gleiches gilt bei einer Salmonellen-Infektion.

#2 Bakterielle Vaginose
Achte bei Durchfall in der Schwangerschaft besonders auf deine Intimhygiene. Kommen Durchfallerreger in das Scheidenmilieu, können sie eine bakterielle Vaginose auslösen, die zu einem vorzeitigen Blasensprung, Frühwehen oder sogar einer Frühgeburt führen kann. Po-Abwischen immer nur von vorne nach hinten!

Welche Medikamenten sind gegen Durchfall in der Schwangerschaft erlaubt?

Zwar gibt es frei verkäufliche Medikamente gegen Durchfall, Schwangere sollten sie aber nie ohne Absprache mit ihrem Arzt einnehmen. Die Deutsche Apotheker Zeitung warnt ausdrücklich: Gerade bei sogenannten Antidiarrhoika, die die Darmbewegungen sollen, solltest du besonders vorsichtig sein.

Nimm keine Präparate ohne Absprache mit deinem Arzt ein, sondern greife lieber auf natürliche Hausmittel gegen Durchfall zurück.

Durchfall Schwangerschaft: Dann solltest du zum Arzt

Dauert der Durchfall länger als drei Tage an und tritt in Verbindung mit anderen Symptomen wie Fieber, Blut im Stuhl oder Kreislaufbeschwerden auf, solltest du einen Arzt aufsuchen.

Quellen

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