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Durchfall Schwangerschaft: Wann wird es gefährlich?

Die Kombination Durchfall / Schwangerschaft sollte etwas kritischer betrachtet werden, denn Durchfall in der Schwangerschaft ist keine sehr typische Schwangerschaftsbeschwerde. Lies hier alle Infos zu den Ursachen, Durchfall in der Frühschwangerschaft, potentielle Gefahren für dein Baby, Hausmittel gegen Durchfall und ab wann du einen Arzt aufsuchen solltest.

Durchfall & Schwangerschaft: Eine unangenehme Kombination, die du nicht unterschätzen solltest.
Durchfall & Schwangerschaft: Eine unangenehme Kombination, die du nicht unterschätzen solltest.
© Pexels / Hafdiz Alifuddin

Durchfall in der Schwangerschaft

Von Durchfall spricht man laut Prof. Dr. med. Wolfgang Piper, wenn man öfters als drei Mal pro Tag Stuhlgang hat und eine Stuhlmasse von über 200-250 Gramm verliert, die hauptsächlich aus Wasser besteht, also sehr breiig oder flüssig ist. Von chronischem Durchfall spricht Prof. Dr. med. Wolfgang Piper, wenn du länger als zwei bis drei Wochen unter Durchfall leidest. In diesem Fall solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Allerdings ist der „normale“ Stuhlgang von Mensch zu Mensch unterschiedlich, ein häufiger Stuhldrang muss also noch nicht zwingend auf eine Durchfallerkrankung hinweisen. Wenn du aber das Gefühl hast, dass du häufiger auf die Toilette musst als normalerweise, kann es sein, dass du unter Durchfall beziehungsweise Diarrhoe leidest. Da Durchfall in der Schwangerschaft eher ungewöhnlich ist, solltest du als erstes herausfinden, woher die Diarrhoe kommt. Folgende Ursachen können Auslöser sein:

Durchfall Schwangerschaft: Ursachen

Durchfall in der Schwangerschaft kann mehrere Ursachen haben. Um die richtige Behandlung zu wählen, ist es wichtig, dass du erst einmal herausfindest, warum du unter den Verdauungsproblemen leidest. Folgende Ursachen sind am häufigsten bei Schwangeren:

#1 Ernährungsumstellung: Durchfall in der Frühschwangerschaft

In vielen Fällen ist der Grund für Durchfall in der Schwangerschaft eine Ernährungsumstellung. Viele Frauen ernähren sich bewusst gesünder, wenn sie erfahren, dass sie schwanger sind, um ihr Kind optimal zu versorgen. Der Magen-Darm-Trakt ist mehr Ballaststoffen ausgesetzt und kann darauf mit Durchfall reagieren. Verzichte aber deshalb auf keinen Fall auf Vollkornprodukte und andere ballaststoffreiche Nahrungsmittel – dein Baby braucht die Nährstoffe und der Durchfall durch eine Ernährungsumstellung ist meist nach ein paar Tagen wieder weg.

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#2 Psychische Belastung

Eine Schwangerschaft ist auch eine Zeit, die mit vielen körperlichen Veränderungen verbunden ist. In Stresssituationen wird das Stresshormon Cortisol freigesetzt und der Körper zieht Energie vom Margen-Darm-Trakt ab und leitet sie in die Muskulatur und das Herz.

Prof. Peter Falkai von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) erklärt: „Für die organischen Reaktionen ist mehr oder weniger egal, um was für eine Belastung es sich handelt – beruflicher Stress, Reiseaufregung oder ein Trauerfall. Je unvorhergesehener ein Ereignis ist, umso stärker muss die Reaktion des Körpers sein.“

Durchfall in der Schwangerschaft kann also eine Stressreaktion deines Körpers sein oder ein Zeichen, wie du mit psychischen Belastungen wie Ängsten oder Sorgen umgehst. Versuche herauszufinden, was dich besonders belastet und dann dein Stresslevel zu verringern. Wenn du das Gefühl hast, dass dich deine Schwangerschaft und deine zukünftige Rolle als Mutter überfordern könnte, solltest du Rat bei einem Psychologen suchen.

#3 Infektionen/ Lebensmittelallergie

Abgesehen davon können, wie auch außerhalb der Schwangerschaft, verdorbene Lebensmittel, Lebensmittelallergien oder ein Magen-Darm-Virus Ursache für Durchfall in der Schwangerschaft sein. Das ist meist nicht weiter gefährlich, Vorsicht sollte bei dem Verdacht einer Salmonelleninfektion gelten! Wenn du dir nicht sicher bist, solltest du einen Arzt um Rat fragen.

#4 Beginn der Geburt

In der Spätschwangerschaft kann dein Kind auf deinen Darm drücken und so Verdauungsprobleme auslösen. Manche Schwangere bekommen auch mit dem Beginn der Wehen leichten Durchfall. Dieser Durchfall in der Schwangerschaft könnte also Großes ankündigen!

Durchfall Schwangerschaft: Gefahren für das Baby

In der Regel ist Durchfall in der Schwangerschaft meist ungefährlich für das Ungeborene. Kritisch wird es bei schwerem Durchfall. Anzeichen für eine starke Durchfallerkrankung können laut Dr. Nicole Wendler Schmerzen, Krämpfe, Fieber, Kreislaufprobleme oder Blut im Stuhl sein. Das kann schwere Schäden für das Ungeborene nach sich ziehen. Achte daher auf folgende Anzeichen und kontaktiere bei dem Verdacht auf eine schwere Durchfallerkrankung sofort deinen Arzt:

#1 Dehydrierung / Mineralienverlust

Kritisch wird es, wenn der Durchfall über mehrere Tage anhält, da es dann zu einem starken Flüssigkeitsverlust und im schlimmsten Fall zu einer Dehydrierung führen kann. Dann fehlen dem Körper wichtige Mineralien, wie etwa Kalium, was für Mutter und Kind gefährlich werden kann. Der Berufsverband Deutscher Internisten warnt außerdem vor einem erhöhten Thrombose-Risiko durch den Flüssigkeitsverlust, sowie vor der Gefahr von Nierenversagen. Um eine Dehydrierung zu verhindern, solltest du zwei bis drei Liter Wasser am Tag trinken.

#2 Listeriose / Salmonellen

Hast du den Verdacht, dass der Durchfall durch eine Infektion ausgelöst wurde, solltest du schnellstmöglichst einen Arzt aufsuchen. Vor allem eine Infektion mit Listeriose und Salmonellen können für Mutter und Kind lebensgefährlich sein.

Laut dem Robert Koch-Instituts äußert sich eine Listeriose durch grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Muskelschmerzen aber auch Erbrechen und Durchfall. Wird die Infektion auf das Baby übertragen, kann das zu Früh- oder Totgeburten führen. Gleiches gilt bei einer Salmonellen-Infektion.

#3 Bakterielle Vaginose

Achte bei Durchfall in der Schwangerschaft besonders auf deine Intimhygiene. Kommen Durchfallerreger in das Scheidenmilieu, können sie eine bakterielle Vaginose auslösen, die zu einem vorzeitigen Blasensprung, Frühwehen oder sogar einer Frühgeburt führen kann. Po-Abwischen immer nur von vorne nach hinten!

Durchfall Schwangerschaft: Hausmittel

Wenn du Durchfall in der Schwangerschaft hast, brauchst du meist nicht auf mehr Dinge zu achten, als wenn du vor deiner Schwangerschaft Durchfall bekommen hättest. Es empfiehlt sich aber auf Medikamente zu verzichten und stattdessen auf bewährte Hausmittel zu setzen:

  1. Ausreichend trinken
    Da dein Körper durch den ständigen Flüssigkeitsverlust dehydriert ist, ist es wichtig viel zu trinken – am besten bis zu drei Liter pro Tag. So verhinderst du auch eine Mineralien-Unterversorgung deines Ungeborenen.
  2. Stopfende Lebensmittel essen
    Geriebene Lebensmittel wie Bananen, Möhren oder Äpfel haben eine stopfende Wirkung und machen dein Stuhl wieder fester.
  3. Kaffee vermeiden
    Kaffee kann den Flüssigkeitsverlust nur noch mehr begünstigen und hat eine abführende Wirkung.
  4. Salze aufnehmen
    Um verlorenen Salze durch den Durchfall in der Schwangerschaft wieder aufzunehmen, kannst du Zwieback oder ungewürztem Knäckebrot essen oder Gemüsebrühe trinken.
  5. Blähende Lebensmittel meiden
    Hülsenfrüchte oder Kohl blähen deinen Darm nur unnötig und reizen zusätzlich. Vermeide diese Lebensmittel jetzt.

Hast du den Verdacht, unter einer schweren Durchfallerkrankung zu leiden, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dieser kann dir im Zweifelsfall auch schwangerschaftsgeeignete Medikamente verschreiben.

Durchfall Schwangerschaft: Dann solltest du zum Arzt

Mit den oben genannten Tipps hat sich das Thema „Durchfall Schwangerschaft“ meist nach ein paar Tagen von alleine erledigt. Dauert der Durchfall jedoch länger als drei Tage an und tritt in Verbindung mit anderen Symptomen wie Fieber, Blut im Stuhl oder Kreislaufbeschwerden auf, solltest du einen Arzt aufsuchen. Er kann dich über die Ursachen aufklären und für deine Schwangerschaft passende Medikamente verschreiben.


Quellen:

  • Dr. Volker Kittlas: Durchfall in der Schwangerschaft. In: Chirurgie Portal (07.02.2017)
    https://www.chirurgie-portal.de/gynaekologie/sw/swbe/ds/durchfall-schwangerschaft.html
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Dr. Nicolas Gumpert: Durchfall in der Schwangerschaft
    https://www.dr-gumpert.de/html/durchfall_in_der_schwangerschaft.html
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Dr. Nicole Wendler: Durchfall in der Schwangerschaft
    https://www.netdoktor.de/schwangerschaft/durchfall-in-der-schwangerschaft/
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Prof. Peter Falkai: Wenn die Psyche auf die Verdauung schlägt
    https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/news-archiv/meldungen/article/wenn-die-psyche-auf-die-verdauung-schlaegt/
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: Salmonellen-Infektion: Komplikationen & Besonderheiten bei Schwangeren
    https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/salmonellen-infektion/komplikationen-besonderheiten-bei-schwangeren.html
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Durchfall in der Frühschwangerschaft
    http://www.fruehschwangerschaft.com/durchfall.php
    (letzter Abruf: April 2019)
  • RKI-Ratgeber des Robert Koch-Instituts: Listeriose
    https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Listeriose.html
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Prof. Dr. med. Wolfgang Piper: Innere Medizin. Springer, Berlin 2006, S. 391