Bookmark

Eisenmangel Schwangerschaft: Risiken, Symptome und Behandlung

Habe ich einen Eisenmangel? Schwangerschaft und eine geringe Aufnahme des Spurenelements gehen oft Hand in Hand. Lies hier, wie du eine Unterversorgung erkennst, welche Ursachen und Folgen eine Eisenmangelanämie hat und welche Lebensmittel und Präparate helfen.

Eisenmangel Schwangerschaft: Die Folgen einer Eisenmangelanämie können für Kind und Mutter gravierend sein.
Eisenmangel Schwangerschaft: Die Folgen einer Eisenmangelanämie können für Kind und Mutter gravierend sein.
© Unsplash / Amadeo Muslimovic

Eisenmangel: Schwangerschaft als Risikofaktor

Der Körper braucht Eisen für die Blutbildung, genauer zur Bildung der roten Blutkörperchen (sogenannten Hämoglobine), die dazu beitragen, Sauerstoff zur Lunge zu transportieren. Wird der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt, liegt es wahrscheinlich an einem Eisenmangel. Schwangerschaft ist eine besonders kritische Zeit. Fehlt Eisen kann es dazu führen, dass die Plazenta mit nicht genug Sauerstoff versorgt wird, was wiederum das Baby gefährdet. Daher ist ein niedriger Eisenwert in der Schwangerschaft ernst zu nehmen.

Der Körper versorgt in der Schwangerschaft vorrangig das Baby und erst zweitrangig die Mutter mit Eisen. Schnell kommt es da zu einem Eisenmangel. Schwangerschaft erfordert daher eine erhöhte Eisenzufuhr. Der tägliche Eisenbedarf für Schwangere liegt etwa bei 30 Milligramm. Eine ausreichende Eisenzufuhr stellt sicher, dass die Schwangere und ihr Baby gut mit Sauerstoff versorgt werden. In der Schwangerschaft sind sie außerdem für die Entwicklung des Gehirns deines Babys mitverantwortlich.

Folgen für Kind und Mutter

Wie schlimm ist Eisenmangel in der Schwangerschaft? Ein niedriger Eisenwert in der Schwangerschaft ist nicht nur für die Mutter gefährlich, es können sich auch für das Kind erhebliche Folgen ergeben. Diese Risiken kann ein Eisenmangel in der Schwangerschaft haben:

Eisenmangel-Folgen für das Baby

  • Frühgeburt
  • unzureichende Gehirnentwicklung mit Langzeitfolgen
  • Niedriges Geburtsgewicht
  • Fehlgeburt/stille Geburt
  • Wachstumsverzögerung
  • erhöhte Neugeborenen-Sterblichkeit

Eisenmangel-Folgen für die Mutter

  • Müdigkeit
  • Störung bei der Milchbildung
  • Gereiztheit und Depressionen (während der Schwangerschaft)
  • Erhöhtes Risiko für postnatale Depressionen
  • erhöhter Blutverlust während der Geburt

Eisenmangel erkennen

Anhand des Hb-Werts (Hb steht für „Hämoglobin“) zeigt sich ein Eisenmangel. Schwangerschaft oder nicht: Deine Frauenärztin kann bei der Blutabnahme feststellen, ob dein Hb-Wert noch im Normalbereich ist. Der Hb-Wert ist nicht der eigentliche Eisenwert, gibt aber Hinweise darauf, wie gut der Körper mit Eisen versorgt ist. Der eigentliche Wert wird mit etwas mehr Aufwand ermittelt und mit dem chemischen Zeichen „Fe“ angegeben.

Eisenwert Schwangerschaft: Normal oder zu niedrig?

Ist dein Eisenwert normal? Den Eisenmangel-Test kann nur ein Arzt durchführen. Diese Werte sind normal:

  • Normalwert für Hb (Hämoglobinwert) bei Frauen
    12-16 Gramm pro Deziliter Blut
  • Normalwert für Fe (Eisenwert)
    10-200 Mikrogramm pro Liter Blut

Welcher Eisenwert ist in der Schwangerschaft kritisch?

Während der Schwangerschaft sinkt der Hämoglobin-Wert im Normalfall ab. Zu Beginn und gegen Ende der Schwangerschaft ist ein Wert von mehr als 11 Gramm pro Deziliter normal. Zwischen der vierten und sechsten Schwangerschaftswoche kann der Wert sogar auf 10,5 Gramm pro Deziliter sinken. Kritisch wird es erst, wenn die Werte darunter liegen. Dann wird auch der tatsächliche Eisenwert im Blut gemessen.

Manchmal ist auch der Hämoglobin-Wert normal, aber der Eisenspeicher ist leer. In dem Fall spricht man von einer latenten Blutarmut. Da du aber während der Schwangerschaft mehrmals deinen Eisenwert untersuchen lassen wirst, wird ein Eisenmangel meist frühzeitig entdeckt. Durch die Einnahme von Eisenpräparaten kann dieser ausgeglichen werden.

Eisenmangel in der Schwangerschaft: Ursachen

Die Mehrheit aller Frauen haben ihr ganzes Leben lang einen niedrigen Eisenwert. Da während der Schwangerschaft der Eisenbedarf steigt, ist es wichtig nochmal ein genaues Auge auf seinen Eisenwert zu legen. Denn Schwangerschaft kann zu einem Mangel an Folsäure führen. Folsäure wird dazu benötigt rote Blutkörperchen zu bilden und das Wachstum von Zellen zu fördern. Eine Knappheit an Folsäure führt dann wiederum zum Eisenmangel. Zusätzlich steigt in der Schwangerschaft der Eisenbedarf des Körpers um etwa das Doppelte an, da das Blutvolumen von schwangeren Frauen um bis zu 50 Prozent erhöht ist.

Wie äußert sich Eisenmangel? Symptome erkennen

Es gibt ein paar Symptome für einen Eisenmangel. Schwangerschaft kann ebenfalls zu Beschwerden führen, die sich mit den Anzeichen decken können. Diese Eisenmangel-Symptome können auftreten:

  • Intensive Müdigkeit
  • Schwindel und Kopfschmerzen
  • Depression
  • Brüchige Fingernägel
  • Atemnot
  • Brustschmerzen
  • Sehprobleme
  • Schwächegefühl / schnelle Erschöpfung
  • Reizbarkeit
  • Herzrasen
  • Restless Leg Syndrom (unruhige Beine)
  • Schlafstörungen

Solltest du diese Symptome bemerken und einen Eisenmangel vermuten, dann lass dich bei deinem Arzt untersuchen. Dieser kann anhand eines Blutbildes feststellen, ob du wirklich an einem Eisenmangel leidest oder nicht.

Was hilft am besten gegen Eisenmangel?

Wer noch nicht anämisch ist, also unter schwerer Blutarmut leidet, kann versuchen seinen Eisenbedarf mit eisenhaltigen Lebensmitteln zu decken. Auch Säfte können dir dabei helfen deinen Eisengehalt zu decken. Die Eisenaufnahme fällt deinem Körper am leichtesten, wenn es in Kombination mit einem anderen Vitamin entsteht.
Was essen bei Eisenmangel in der Schwangerschaft?

Eisenhaltige Lebensmittel

  • mageres rotes Fleisch
  • Eier
  • Fisch und Schalentiere
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • Vollkornprodukte, wie Hirse und Haferflocken
  • getrocknete Früchte, vor allem Aprikosen
  • rote Säfte, wie Trauben-, Kirsch- und Rote Bete-Saft
  • Gemüse, wie Spinat, Brokkoli, Erbsen, Bohnen, Fenchel und Rote Rüben

Saft bei Eisenmangel

Auserwählte Säfte können dir helfen deinen Eisenwert aufzubessern. Du kannst sie entweder selbst pressen oder im Supermarkt kaufen. Vor allem, Johannisbeer-, Pflaumen- und Karottensaft haben einen sehr hohen Eisen- und Vitamin C Gehalt.

Eisengehalt in mg pro 300 ml

  • Karottensaft 6,3
  • Johannisbeerensaft (schwarz) 3,6
  • Rote Beete-Saft 2,8
  • Johannisbeerensaft (rot) 2,7
  • Erdbeeren 2,9
  • Sellerie 1,5
  • Orangen 1,2

Eiseninfusion in der Schwangerschaft

Eine etwas außergewöhnliche und umstrittene Methode, ist die Eiseninfusion. Diese wird momentan vor allem in der Schweiz beworben. In der Regel wird sie aber nur dann verabreicht, wenn Eisentabletten keine Wirkung erzielen oder starke Nebenwirkungen auftreten.
Daher solltest du eine Eiseninfusion ausschließlich in Rücksprache mit deinem Arzt planen.

Eisentabletten in der Schwangerschaft

Sollte es nicht möglich sein, den Eisenmangel in der Schwangerschaft durch die Ernährung zu decken, dann ist die Einnahme von Eisenpräparaten nötig. Wichtig: Die Dosierung sollte unbedingt ein Arzt festlegen! Meist wird eine nüchterne Einnahme empfohlen, also noch vor dem Frühstück, wenn du aber Magenschmerzen oder Krämpfe als Nebenwirkungen bemerkst, empfiehlt die Apothekerin Beatrix Meister die Eisentablette abends zwei Stunden nach dem Essen zu nehmen oder nach Absprache mit dem Arzt zu wechseln.

Mögliche Nebenwirkungen von Eisentabletten sind unter anderem verfärbter, schwarzer Stuhl, Magenbeschwerden, Verstopfung und Übelkeit. Für viele Frauen sind flüssige Eisenpräparate besser verdaulich als Kapseln oder Tabletten. Sprich mit deinem Arzt die beste Therapiemethode ab.

Eisen für das Baby

Auch nach der Geburt ist eine gute Eisenversorgung unabdingbar für eine optimale Entwicklung des Babys. Dies wird für mehrere Monate über das Stillen erreicht, sofern die Mutter ausreichend Eisen aufnimmt. Auch Milchpulver ist zusätzlich mit Eisen versehen. Um dem Baby bei der Geburt eine Extraportion Eisen ins Leben mitzugeben, kann man die Hebamme bitten, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen. Das wird jedoch nicht von jedem Arzt oder Hebamme durchgeführt und gehört auch nicht zum Standard einer Geburt. Wünschst du dir eine sanfte Abnabelung, solltest du vor der Geburt abklären, ob diese Möglichkeit in deiner Klinik besteht.

Kann man in der Schwangerschaft zu viel Eisen nehmen?

Bei Eisen zieht sich eine feine Linie zwischen notwendiger Zufuhr und schädlicher Dosis. In Deutschland gibt es laut Vera-Studie fast genauso viele Menschen mit einem Eisenmangel, wie Menschen mit einer Eisenbelastung. Daher kann es auch sein, dass Frauen während der Schwangerschaft zu viel Eisen zu sich nehmen. Das passiert vor allem, wenn man die Zufuhr selbstständig dosiert. Daher ist es wichtig, dass dein Arzt, die notwendige Menge vorschreibt.
Ein zu hoher Eisengehalt erhöht das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden und kann sogar das Krebsrisiko erhöhen.

Quellen