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Essen in der Schwangerschaft – von guten und schlechten Lebensmitteln

Sushi, Alkohol, Gorgonzola: Die Liste der verbotenen Lebensmittel für Schwangere ist lang. Denn beim Essen in der Schwangerschaft gibt es so einiges zu beachten. Auf alles musst du allerdings nicht verzichten. Ein Überblick.

Gesundes Essen in der Schwangerschaft ist wichtig für die Kindesentwicklung - kleine Sünden sind aber ab und zu auch erlaubt.
Gesundes Essen in der Schwangerschaft ist wichtig für die Kindesentwicklung - kleine Sünden sind aber ab und zu auch erlaubt.
© Bigstock / Diignat

Richtig essen in der Schwangerschaft: No-Gos

Die meisten werdenden Mütter wollen für ihr Baby nur das Allerbeste. Dazu gehört auch eine gesunde Ernährung während der Schwangerschaft. Und dazu gibt es viele gut gemeinte Ratschläge, von Eltern, Freunden oder aus dem Internet. Da herrscht schnell Ratlosigkeit: Was dürfen Schwangere nicht essen? Und bei welchen No-Go-Lebensmitteln gibt es dann doch gewisse Grauzonen? Ein kurzer Überblick: Diese Lebensmittel solltest du nicht oder nur in bestimmter Form essen. In der Schwangerschaft können sie für dich oder dein Kind gefährlich werden.

Was dürfen Schwangere nicht essen?

Für viele Frauen ist die Ernährung in der Schwangerschaft eine große Umstellung. Plötzlich sind nicht mehr alle Lebensmittel erlaubt. Manche davon waren vielleicht auch bei dir fester Bestandteil deiner Ernährungsgewohnheiten. Hier erklären wir dir welche Lebensmittel in der Schwangerschaft zu den No-Gos gehören und warum.

#1 Bestimmte Käsesorten

Schwangeren wird empfohlen, täglich drei Portionen Milchprodukte wie zum Beispiel Käse zu essen. In der Schwangerschaft kann Käse aus Rohmilch aber auch Lebensmittelinfektionen wie eine Listeriose auslösen. Für dich würde eine Infektion mit den Listerien eher harmlos mit grippeähnlichen Symptomen verlaufen, doch für dein Ungeborenes werden die Bakterien gefährlich. Es kann zu einer Früh- oder sogar Fehlgeburt kommen.

  • Mozzarella – Bei Mozzarella musst du unterscheiden zwischen der authentischen Rohmilchvariante und der pasteurisierten Kuhmilch-Variante. Erstere ist bei der Ernährung in der Schwangerschaft verboten! Im Supermarkt also auf die Zutatenliste schauen und im Restaurant nachfragen oder vorsichtshalber nicht in der Schwangerschaft essen. Das gleiche gilt für Ricotta und für Feta.

#2 Rohen Fisch

  • Thunfisch
    Der Fisch aus der Dose enthält geringe Mengen an Quecksilber, die uns zwar nicht so viel ausmachen, den Organismus des Babys aber belasten könnten.
  • Sushi
    Schlimme Lebensmittelinfektionen wie Listeriose oder Toxoplasmose können durch rohen Fisch ausgelöst werden. Auch Botulismus oder Nematoden (Wurmart) können durch das Sushi-Essen in der Schwangerschaft übertragen werden. Darum: Finger weg!
  • Räucherlachs
    Räucherlachs wird bei der Zubereitung nicht genug erhitzt, um Listerien abzutöten. Deswegen gilt: Auf Räucherlachs verzichten! Lachs, der in der Pfanne gebraten wird, kannst und solltest du in der Schwangerschaft essen, weil er wichtige Omega-3-Fettsäuren enthält.

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#3 Rohes Fleisch

  • Salami
    Rohwürste wie Salami sind anfälliger für Keime und deshalb ein No-Go-Essen in der Schwangerschaft. Ausnahme: Salami in der Schwangerschaft ist okay, wenn sie vorher erhitzt wurde, wie zum Beispiel auf einer Pizza.
  • Leberwurst
    Leberwurst ist eine Kochwurst – Listerien überleben die Garung also nicht. Trotzdem solltest du bedenken, dass Leberwurst sehr fettig ist. Bei einer gesunden Ernährung in der Schwangerschaft also spärlich genießen.
    Reine Leber solltest du dagegen nicht in der Schwangerschaft essen, vor allem nicht im 1. Trimester. Leber ist sehr reich an Vitamin A und eine Überdosierung damit kann beim Ungeborenen zu dauerhaften Schädigungen führen.

#4 Alkohol

In der Schwangerschaft solltest du grundsätzlich auf Alkohol verzichten. Der Alkohol gelangt nämlich über die Plazenta und die Nabelschnur direkt in den kindlichen Kreislauf. Schon geringe Mengen Alkohol können deinem Baby dauerhaft schaden. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung enthalten auch alkoholfreie Biere und Weine noch Restalkohol. Deshalb solltest du, wenn du nicht auf dein Feierabendbier verzichten willst, darauf achten, dass 0% Alkohol auf der Flasche steht.

Ein weiteres Getränk, dass bei der Ernährung in der Schwangerschaft umstritten ist, ist der Kaffee. Grundsätzlich ist Kaffee nicht verboten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt als Höchstgrenze 300 mg pro Tag. Das entspricht etwa drei Tassen Kaffee. Mehr dazu kannst du auch in unserem Artikel nachlesen.

Die Gelüste – darf ich Süßigkeiten in der Schwangerschaft essen?

Fastfood und Süßkram ist kein gesundes Essen in der Schwangerschaft. Ungesund heißt aber nicht gleich gefährlich oder verboten. Dass manchmal ein Stückchen Schokolade oder ein paar Gummibärchen das Leben so viel einfacher machen, ist ganz klar. In der Ernährung in der Schwangerschaft ist auch Platz für kleine Naschereien. Übertreib es nur nicht. Hier kannst du nachlesen, wieviel Zucker du in der Schwangerschaft essen kannst.

Aufpassen solltest du vor allem Lakritz: die Nascherei enthält laut einer Studie, die im Ärzteblatt beschrieben wird, den Stoff Glycyrrhizin, der das Stresshormon Cortisol produziert. Das wird dann über die Gebärmutter ans Baby weitergegeben. Ganz verboten ist Lakritz aber auch nicht. 1-2 kleine Schnecken pro Tag sind okay.

Essen in der Schwangerschaft zubereiten: Darauf solltest du achten

Auch vermeintlich gesundes Lebensmittel können sich unter Umständen negativ auswirken, wenn daran zum Beispiel Bakterien haften. Beachte daher unsere Tipps:

  • Verwende beim Kochen immer frische Zutaten.
  • Halte rohes Fleisch oder rohen Fisch von den Speisen fern, die du verzehrst, und spüle Geschirr, das damit in Berührung gekommen ist, gründlich ab.
  • Brate oder koche Fleisch oder Fisch gut durch.

Zahlreiche, teils widersprüchliche Empfehlungen sorgen schnell für Verunsicherung. Wenn du dir bei Fragen zur Ernährung in der Schwangerschaft nicht sicher bist, dann frage ruhig deinen Frauenarzt um Rat.

Essen in der Schwangerschaft: Diese Fakten solltest du kennen!

#1 Während der Schwangerschaft: Essen beeinflusst den Geschmack deines Kindes

Als Schwangere isst du nicht nur für dich, sondern auch für dein Baby. Du solltest dabei nicht nur darauf achten, dass du alle Nährstoffe, die du brauchst, bekommst. Auch eine vielfältige Ernährung in der Schwangerschaft ist wichtig.

Schon 2010 hat eine Studie von Forschern der University of Colorado bewiesen, dass das Essen in der Schwangerschaft den Geschmackssinn des Babys beeinflussen kann. Das heißt, dass bestimmte Geschmacksvorlieben deines Kindes auf deine Ernährungsgewohnheiten in der Schwangerschaft zurückzuführen sein können. Wieso also nicht ausgewogen und vielfältig essen und deinem Kind die volle Geschmackswelt bieten.

#2 Das Essen in der Schwangerschaft hat keinen Einfluss auf spätere Allergien

Manche Schwangere hoffen, dass sie ihr Kind vor einer Lebensmittelallergie bewahren können, indem sie auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Laut dem Netzwerk „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“, einem Zusammenschluss vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung und dem Bundeszentrum für Ernährung, führt eine allergen-arme Ernährung in der Schwangerschaft nicht zu weniger Allergien bei diesen Kindern.

#3 Das richtige Essen in der Schwangerschaft kann gegen Beschwerden helfen

Es gibt einige Tipps, die bei den bekannten Schwangerschaftsnebenwirkungen wie Übelkeit und Sodbrennen helfen können.

#4 Schwangerschaftsdiät? Besser sein lassen.

Beim Thema Essen in der Schwangerschaft gilt: gesund – aber genug! Eine Diät während der Schwangerschaft ist nicht nötig. Bedenke einfach: Es wächst dein Kind, deine Brust, eine Plazenta. Dazu kommen das Fruchtwasser und ein höheres Blutvolumen. Wenn Schwangere die Kalorien zu stark reduzieren, kann das dazu führen, dass das Kind nicht genügend Nährstoffe bekommt. Eine Studie, die 2011 in ‚Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America‘ veröffentlicht wurde bestätigt: Eine kalorienarme Ernährung in der Schwangerschaft kann der fetalen Gehirnentwicklung schaden. Das könnte einen lebenslangen Einfluss auf die Gehirnfunktion des Kindes haben.

Zuletzt der wichtigste Tipp: Lass dich nicht verrückt machen!

Viele Schwangere machen sich bezüglich Essen in der Schwangerschaft wegen dem Risiko für Lebensmittelvergiftungen verrückt. Aber das müssen sie gar nicht. Laut der Zeit Online gibt es in Deutschland nur „ein paar Hundert Listeriosefälle im Jahr, etwa zehn Prozent entfallen auf Schwangere.“ Und selbst von denen tragen nicht alle Neugeborenen zwangsläufig bleibende Schäden davon.

Experten des Robert-Koch-Instituts halten laut demselben Artikel die Infektionen für so selten, „dass Frauen sich davon nicht abhalten lassen sollten, die Zeit der Schwangerschaft positiv zu erleben und zu genießen!“


Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.:Einheitliche Handlungsempfehlungen für die Schwangerschaft (2018). In: DGEinfo (12/2018). https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/bevoelkerungsgruppen/schwangere-stillende/handlungsempfehlungen-zur-ernaehrung-in-der-schwangerschaft/#c7086  (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Deutsches Ärzteblatt: Studie: Lakritz in der Schwangerschaft schadet der Entwicklung des Kindes. (2017). Unter: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/72993/Studie-Lakritz-in-der-Schwangerschaft-schadet-der-Entwicklung-des-Kindes (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Alkohol und Schwangerschaft (2017). Auf: familienplanung.de https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/das-baby-vor-gefahren-schuetzen/alkohol/ (Letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie: Ernährung zur Allergieprävention beim Kind (2018). Unter: https://www.gesund-ins-leben.de/inhalt/ernaehrung-zur-allergiepraevention-beim-kind-29558.html (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Josephine Todrank et. Al.: Effects of in utero odorant exposure on neuroanatomical development oft he olfactory bult and odour preferences (2010). In: Proceedings of the royal society B. https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rspb.2010.2314 (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, In: https://www.gesundheitsinformation.de/gewichtszunahme-in-der-schwangerschaft.2686.de.html?part=leben-km (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Iwa Antonow-Schlorke, et. Al.: Vulnerability of the fetal primate brain to moderate reduction in maternal global nutrient availability. (2011) In: Proceedings of the National Academy of Sciences oft he United States of America. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21252306 (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Magdalena Hamm: Freut euch! (2017) Auf: Zeit Online. https://www.zeit.de/2017/05/schwangerschaft-sorgen-vorfreude-einfluss-glueck (Letzter Zugriff: Mai 2019)