Bookmark

Geburt einleiten oder lieber abwarten?

Die letzten Wochen der Schwangerschaft zehren besonders an den Nerven. Überall drückt der Bauch und du fühlst dich riesig. Zuletzt willst du vielleicht nur noch eines: entbinden! Die Geburt einleiten, das sollte aber nur die letzte Option sein. Wann eine Geburtseinleitung aus medizinischer Sicht notwendig wird, erklären wir hier.

Wenig Zeit? Im Video bekommst du einen Schnellüberblick zum Thema.

Geburt einleiten, wenn der ET überschritten ist?
Geburt einleiten, wenn der ET überschritten ist?
© Bigstock/ stasia04

Geburt einleiten nach Erreichen des ET

Ein Baby wählt den Zeitpunkt der Geburt selbst und dabei halten sich nur die wenigsten an den errechneten Entbindungstermin (ET). Statistisch gesehen kommen nur vier Prozent der Babys am ET zur Welt. Offenbar wissen Babys von ganz allein, wann sie „fertig“ sind und lösen dann die Wehen aus – ganz ohne wehenfördernde Mittel. Wie dies genau geschieht, ist noch weitgehend ungeklärt, aber sicher ist, dass es im Normalfall nicht erforderlich ist, die Geburt einleiten zu müssen.

Video-Empfehlung

Viele Frauen wollen aber nicht warten – schon gar nicht über den errechneten Geburtstermin hinaus. Sie wollen unbedingt die Wehen fördern, greifen dabei vielleicht sogar zum Wehencocktail oder bitten um eine Geburtseinleitung durch Medikamente.

Doch: Nur weil du bereit bist, muss es dein Kind noch lange nicht sein. Es sollten immer gute Gründe für die Einleitung der Geburt vorliegen.

Gründe für die Geburtseinleitung

Ob und wann es Sinn macht (frühzeitig) Wehen einleiten zu lassen, ist immer eine Einzelfallentscheidung. Grundsätzlich wird der Eingriff notwendig, wenn eine Gefahr für die Mutter oder das Baby besteht. Zu diesen Risikofaktoren gehören:

  • Eine Plazentainsuffizienz gefährdet eine optimale Versorgung des Ungeborenen.
  • Zu wenig Fruchtwasser gefährdet eine optimale Versorgung des Ungeborenen.
  • Eine übermäßige Größe und Gewicht des Babys stellen ein Risiko für die Gebärende dar.
  • Setzen nach einem vorzeitigen Blasensprung keinen Wehen ein, kann eine Geburtseinleitung das Infektionsrisiko für das Baby reduzieren.
  • Erkrankungen der Mutter wie beispielsweise eine Schwangerschaftsvergiftung oder Diabetes erfordern eine frühere Entbindung.
  • Eine Erkrankung des Kindes, die nur außerhalb des Babybauchs behandelt werden kann.
  • Auffälligkeiten wie schlechte Durchblutungswerte oder eine Abnahme der Kindsbewegungen (wichtig: in den letzten Schwangerschaftswoche nehmen diese stets etwas ab).
  • Eine Übertragung ab der 42. Schwangerschaftswoche.

Ab wann frühestens die Geburt einleiten?

Ab wann genau Ärzte die Wehen einleiten, das hängt von verschiedenen Faktoren ab. „Treten die Komplikationen kurz vor dem errechneten Geburtstermin auf, wird schon bei einem relativ geringen Risiko die Geburt eingeleitet“, schreiben zum Beispiel Frank Krainer und Annette Nolden in ihrem Schwangerschaftsratgeber „Das große Buch der Schwangerschaft“. Besteht natürlich eine akute Gefahr für das Ungeborene oder die Mutter kann eine Geburtseinleitung auch schon früher notwendig werden.

Wird der ET überschritten, dann greifen Ärzte meist erst ein, wenn auch die 41. Schwangerschaftswoche abgeschlossen ist. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) gibt in der Leitlinie „Vorgehen bei Terminüberschreitung und Übertragung“ die Empfehlung, „ab 41+0 SSW eine Geburtseinleitung anzubieten, spätestens ab 41+3 SSW zu empfehlen.“ Vorausgesetzt, bis dahin ist noch genug Fruchtwasser vorhanden und die Plazenta arbeitet noch einwandfrei.

Geburt natürlich einleiten

Aber weil eben die letzten Schwangerschaftswochen auch zu den anstrengendsten gehören können, ist der Wunsch nachvollziehbar, das Baby zum Ausziehen zu überreden. In nachfolgendem Video haben wir deswegen fünf Tipps zusammengefasst, die dabei helfen können, die Geburt natürlich einzuleiten.

Geburt einleiten

Medikamente: mit Prostaglandinen & Oxytocin Geburt einleiten

Bei einer Geburtseinleitung werden meist künstliche Hormone verwendet: sogenannte Prostaglandine oder das Hormon Oxytozin. Welches Medikament zum Einsatz kommt, hängt vor allem davon ab, ob der Muttermund bereits etwas geöffnet ist.

  • Prostaglandine
    Prostaglandine werden meist in Form von Zäpfchen oder als Gel direkt in die Scheide eingeführt. Die Hormone sollen dabei helfen, dass der Muttermund schneller reift und sich öffnet. Denn erst, wenn dieser weich ist, kann er sich durch die Wehen bei der Geburt öffnen. „Das Hormon Misoprostol, auch ein Prostaglandin, wird ebenfalls zur Geburtseinleitung angewendet, ist in Deutschland jedoch für diesen Zweck nicht zugelassen (Off lable use). Hierüber muss die Ärztin oder der Arzt die Schwangere aufklären“, informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf familienplanung.de.
  • Oxytocininfusionen
    Ist der Muttermund schon etwas geöffnet, wollen die Wehen aber nicht einsetzen, kann das Hormon Oxytocin als Wehenmittel gegeben werden, um die Geburt einzuleiten.

Vermutlich wird man dich außerdem auffordern, dich viel zu bewegen und wird zwischendurch regelmäßig ein CTG machen. Trotzdem kann es nach der Gabe von Prostaglandinen durchaus zwei bis drei Stunden dauern, bis die Wehen wirklich einsetzen. Wurde die Geburt eingeleitet, ist in der Regel davon auszugehen, dass du in den nächsten 24 Stunden entbinden wirst.

Geburt einleiten: Risiken abwägen

Eine Einleitung der Wehen ist immer ein Eingriff in natürliche Abläufe. Werden Wehen mit Medikamenten gefördert, hat das natürlich auch Einfluss auf den Geburtsverlauf. Es ist ganz entscheidend, dass die Hormonmenge richtig dosiert wird. Doch das gelingt nicht immer. Zu den häufigsten Komplikationen zählt daher der sogenannte „Wehensturm“. Dann sind die Wehen zu stark oder kommen zu häufig, weil die Gebärmutter durch die Hormongabe zu sehr stimuliert wurde. Für dich und dein Kind bedeutet das natürlich Stress, was sich natürlich negativ auf den Geburtsverlauf auswirken kann. Können auch die Medikamente keine Geburt einleiten, bleiben sie also wirkungslos, wird oft ein Kaiserschnitt gemacht.

Auch die Hebamme Jana Friedrich gibt zu bedenken: „Die Geburtseinleitung mit Hilfe von Medikamenten ist meist kein Spaß: Wenn der Körper noch nicht bereit für Wehen ist, dann passiert bestenfalls nichts. Schlimmstenfalls hast du aber ein bis zwei Stunden lang „künstliche“ Wehen, ohne dass sich etwas Bemerkenswertes in Richtung Geburtsbeginn tut.“, schreibt sie in dem Artikel „Hilfe ich bin drüber! Geburtseinleitung: Ja oder Nein?“ auf hebammenblog.de.

Das solltest du unbedingt bedenken, wenn du die Geburt einleiten lassen willst, weil der ET erreicht ist. In deinen letzten Schwangerschaftswochen – und vor allem, wenn dein Kleines bereits überfällig ist – steht ohnehin alle paar Tage ein Kontrolltermin bei deinem Arzt an. Du musst bei einer Terminüberschreitung also keine Angst um dein Kind haben. Es wird engmaschig kontrolliert. Falls ein Risiko für das Baby besteht, wird dein Arzt dir das mitteilen und mit dir besprechen, ob es Sinn macht, die Geburt einleiten zu lassen.

Quellen