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Geburtsphasen: Wie läuft die natürliche Geburt ab?

Wie läuft eine Geburt ab? Wir beschreiben dir den Ablauf der Geburt, wie lange die einzelnen Geburtsphasen dauern und welche Tipps dir die natürliche Geburt erleichtern können.

Geburtsphasen im Überblick
Geburtsphasen im Überblick
© Pexels/ Vidal Balielo Jr.

Wann beginnt die Geburt?

Einige Geburtsanzeichen, wie das Abgehen vom Schleimpfropf, zeigen dir, dass die Geburt bald bevorsteht. Vom Geburtsbeginn spricht man, wenn regelmäßige Wehen einsetzen.

Die Geburtsphasen im Überblick

Die natürliche Geburt lässt sich in drei Phasen aufteilen: Die Eröffnungsphase, die Austreibungsphase mit Pressphase und die Nachgeburtsphase.

Diese Phasen sind sehr unterschiedlich und müssen bei dir nicht unbedingt genauso stattfinden. Dennoch findest du hier einen Überblick: Wie läuft es bei einer Geburt ab? Wie lange dauern die einzelnen Geburtsphasen? Sowie Tipps zu den einzelnen Phasen:

Geburtsphase 1: Eröffnungsphase

Wie lange dauert die Eröffnungsphase? Etwa 10 – 12 Stunden, bei Zweitgebärenden 6 – 8 Stunden

Was passiert in der Eröffnungsphase?

Die Eröffnungsphase ist die erste und längste Phase der Geburt. Dein Körper bereitet nun alles vor, damit dein Baby möglichst problemlos auf die Welt kommen kann.

  • Der Gebärmutterhals wird flacher, verkürzt sich und wandert nach vorne.
  • Die Fruchtblase wölbt sich nach vorne (Wenn sie nicht schon geplatzt ist).
  • Der Muttermund ist weich. Er öffnet sich von 0 auf 10 Zentimeter – das kann auch schleppend vorangehen.
  • Vaginale Untersuchungen in regelmäßigen Abständen, um Fortschritte zu dokumentieren

Bei den Frühen Wehen (alle 8 bis 15 Minuten) können einige Frauen sogar noch einmal schlafen, um sich zu erholen.

90% der Geburtswehen finden übrigens in dieser Geburtsphase statt. Die Eröffnungswehen finden etwa alle 3 bis 6 Minuten statt und dauern bis zu 30 Sekunden. Sie werden vom Hormon Oxytocin gesteuert. Durch die Wehen zieht sich das Muskelgewebe des oberen Gebärmutterhalses zusammen, wodurch es dicker wird.

Oft liegt das Baby noch nicht ganz optimal, was die natürliche Geburt in die Länge zieht. Im besten Fall drückt es sein Kinn auf die Brust. Damit wird der Kopfumfang verkleinert und es kann besser in den Geburtskanal gleiten. Außerdem müssen sich Muttermund und Geburtskanal dann nicht so weit aufdehnen.

Übergangsphase:

Wie lange dauert die Übergangsphase? Etwa 1 – 2 Stunden

  • Die Übergangsphase gilt als ein Teil der Eröffnungsphase.
  • Muttermund öffnet sich vollständig zu den angestrebten 10 Zentimetern.
  • Sehr starke Wehen in kurzen Abständen von etwa 2 bis 3 Minuten.
  • Einzelne Wehen in der Übergangsphase dauern etwa 60 – 90 Sekunden.
  • Erholung kaum möglich

Manchmal hast du das Gefühl, pressen zu müssen. Achte jedoch auf die Anweisungen deiner Hebamme. Zu frühes Pressen kann zu Gewebsverletzungen führen.

Du fühlst dich nun vielleicht hilflos, völlig erschöpft, zittrig und dir ist übel. Jetzt heißt es durchhalten! Denn am Ende dieser Geburtsphase ist der Muttermund vollständig geöffnet, damit hast du schon einen großen Fortschritt erreicht!

Tipps für die Eröffnungsphase:

  • Geburtspositionen ändern, um richtige Position des Babys zu erzielen (zum Beispiel: Seitenlage und Vierfüßlerstand)
  • Viel trinken
  • Kreisen des Beckens
  • Massagen können Wehen ankurbeln und effektiver machen
  • Warmes Bad
  • Atemübungen
  • Schimpfe: lass deinen Gefühlen freien Lauf!
  • Knie-Ellenbogen-Position kann Pressdrang und Druck etwas unterbinden

Geburtsphase 2: Austreibungsphase

Wie lange dauert die Austreibungsphase? Etwa 20 min – 1 Stunde

Der Muttermund ist nun vollständig geöffnet und dein Baby kann in den Geburtskanal gleiten. Hier platzt dann normalerweise auch spätestens die Fruchtblase.

Der Weg deines Babys führt nach hinten zum Kreuzbein und dann kurz vor dem Beckenboden nach vorne zum Schambein. Dort stemmt es sich mit dem Hinterkopf ab.

Dein Körper schüttet jetzt vermehrt Oxytocin aus. Das führt zu stärkeren Wehen. Deswegen nehmen viele Frauen diese Phase der natürlichen Geburt auch als besonders anstrengend war.

Mit jeder Wehe rutscht dein Baby tiefer in den Geburtskanal. Dafür verantwortlich ist das Muskelgewebe des Gebärmutterhalses, welches in der Eröffnungsphase dicker wurde. Du wirst nun einen großen Druck und Pressdrang bei dir feststellen.

Pressphase

Wie lange dauert die Pressphase? Etwa 30 bis 40 min – bei Zweitgebärenden 20 bis 30 Minuten

Der Kopf deines Kindes drückt jetzt gegen den Enddarm. Das löst einen natürlichen Drang zum Pressen aus. Und in dieser Geburtsphase musst du dich gegen den Reflex des Pressens nicht mehr wehren.

Die Presswehen sind allerdings die intensivste Sorte der Wehen. Sie finden etwa alle 2-3 Minuten statt.

In dieser Phase der natürlichen Geburt hast du vielleicht das Gefühl, dass dir nichts mehr helfen kann, Berührungen werden unangenehm und Atemtechniken bringen auch nicht mehr den gewünschten Effekt.

Trotzdem ist es wichtig, das Baby langsam heraus zu atmen, um deinen Damm zu schonen.

: Dammriss bei der Geburt

Übrigens: Stuhlgang in der Pressphase ist völlig normal! Es zeigt sogar, dass du alles richtig machst. Denn bei den Presswehen ist unter anderem die gleiche Muskulatur des Beckenbodens aktiv wie beim Stuhlgang. Du brauchst dich also überhaupt nicht zu schämen.

Achte in der Pressphase der Geburt ganz besonders auf die Kommandos deiner Hebamme. Sie wird dir sagen, wann und wie du pressen musst.

Zuerst wird der Kopf deines Babys kommen, dann wird es noch einmal schraubenartig gedreht damit die Schultern herausrutschen – der Rest des Babys kommt danach meist problemlos. Wenn es dir und deinem Baby gut geht, wird dein Baby dir direkt auf den Bauch gelegt – das stärkt die Mutter-Kind-Bindung.

Tipps für die Austreibungsphase:

  • Schimpfen, Brüllen, Stöhnen und Co.
  • Wenn möglich Kind in aufrechter Position auf die Welt bringen-> verringert Risiko für Dammverletzungen
  • Brust-Knie Lage alternativ einnehmen
  • Kalte oder warme Tücher auflegen

Geburtsphase 3: Nachgeburtsphase

Wie lange dauert die Nachgeburtsphase? Etwa 10 –30 min

Was ist die Nachgeburtsphase?

Die Nachgeburtsphase bezeichnet die Geburt der Plazenta. Sie löst sich von der Gebärmutter, was häufig mit stärkerem Blutverlust einhergeht. Die Schmerzen sind hierbei sehr gering. Vielleicht bist du sogar so beschäftigt mit deinem Baby, dass du die Ablösung gar nicht bemerkst.

Die Plazenta wird auf Vollständigkeit geprüft und danach entsorgt oder auf deinen Wunsch hin, aufgehoben. Du kannst sie auch mit nach Hause nehmen.

Die Gesundheit von dir und deinem Kind steht jetzt im Mittelpunkt und wird für einige Zeit überwacht. Mögliche Geburtsverletzungen werden jetzt versorgt. Außerdem wird das Kind untersucht und die Nabelschnur durchtrennt.

: Die ersten Tage mit Baby

Tipps für die Nachgeburtsphase:

  • Sorge für einen weiteren unvergesslichen Moment, indem du die Nabelschnur selbst durchtrennst oder der Partner diese Aufgabe übernimmt.
  • Brustwarzen massieren, um Prozess der Ablösung zu beschleunigen
  • Baby stillen, ebenfalls zur Beschleunigung des Prozesses

Quellen