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Geburtspositionen im Überblick: Finde deine ideale Stellung

Bei der Entbindung können Frauen verschiedene Geburtspositionen einnehmen. Die Position soll den Geburtsvorgang erleichtern. Du kannst im Liegen, im Sitzen, im Knien oder im Stehen gebären. Hier findest du Vor- und Nachteile der jeweiligen Geburtsstellungen im Überblick.

Es gibt unterschiedliche Geburtspositionen, die Schwangere einnehmen können
Es gibt unterschiedliche Geburtspositionen, die Schwangere einnehmen können
© Bigstock/ ITLPhoto

Geburtspositionen im Überblick

Grundsätzlich wird zwischen waagerechten – also liegenden – Positionen und aufrechten Positionen wie Sitzen, Knien und Hocken unterschieden. Für welche der Geburtsstellungen du dich entscheidest, das bleibt am Ende natürlich dir überlassen. Ohnehin kannst du auch zwischen verschiedenen Stellungen wechseln – je nachdem, was dir gerade angenehm ist.

Waagrechte Geburtspositionen

Zu den klassischen Geburtspositionen gehören immer noch Stellungen im Liegen: entweder in Rückenlage oder auf der Seite. Beide Positionen haben gute Vorteile, aber eben auch Nachteile. So kann zum Beispiel die Scherkraft bei der Geburt nicht unterstützend mitwirken. Ein Kritikpunkt, den auch Hebammen immer wieder anbringen.

#1 Rückenlage:

In dieser Geburtsstellung liegt die werdende Mutter in der Rückenlage auf dem Bett. In der Austreibungsphase werden die Beine angezogen. Dabei umfasst die Schwangere oft ihre Knie.

Vorteile:

  • Die meisten Kreissäle sind für liegende Geburten ausgelegt.
  • Die Schwangere kann sich zwischen den Wehen gut entspannen.
  • Der Geburtshelfer hat einen guten Blick auf den Geburtsverlauf.
  • Im Gegensatz zu aufrechten Geburtspositionen ist der Geburtskanal bei der Rückenlage enger. Gegenüber dem Apothekenmagazin Baby und Familie erklärt Hebamme Christiane Schwarz, dass deswegen die Geburt so länger dauern kann.
  • Bei einer zu schnellen Geburt wird so die Geburt verlangsamt.
  • Bei der Notwendigkeit von medizinischen Maßnahmen (Kaiserschnitt, Saugglocke oder Zange) liegt die Frau schon in der richtigen Position.

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#2 Seitenlage:

Eine Seitenlage wird zum Beispiel bei einer PDA eingenommen. Auch, wenn die Frau sehr erschöpft ist, kann die Seitenlage hilfreich sein.

Vorteile:

  • In der Seitenlage wird die Rückenvene entlastet.
  • Seitliche Geburtspositionen entlasten das Becken.
  • In manchen Fällen kann durch eine seitliche Lage das Baby dazu gebracht werden, sich in eine andere Position zu drehen.
  • Manche Frauen finden eine Seitenlage vor allem in Wehenpausen sehr entspannend.

Nachteile:

  • Im Liegen kommt die Schwerkraft nicht zur Hilfe – deswegen dauert die Pressphase meistens länger als bei aufrechten Geburtspositionen
  • Bei liegenden Positionen (vor allem der Rückenlage) drückt der Kopf des Kindes ungleichmäßig auf die Scheidenwand.

In der Rückenlage drückt die Gebärmutter auf die Rückenvene. Das kann die Sauerstoffversorgung von Mutter und Kind beeinträchtigen à Vena-Cava-Syndrom – mehr dazu hier.

Aufrechte Geburtspositionen

Eine Geburt im Stehen kann einige physikalische Vorteile mit sich bringen. Hier kann die Schwerkraft besser wirken und es gibt ein verringertes Risiko für das Vena-Cava-Syndrom. Laut der Untersuchung Maternal positions and mobility during first stage labour können aufrechte Geburtsstellungen in der Eröffnungsphase die Geburtsdauer, sowie die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts und einer Periduralanästhesie verringern.

#3 Stehende Geburtspositionen:

Vor allem in der Anfangsphase wird oft geraten, eine aufrechte Position einzunehmen. Viele Kreisssäle sind auf eine Geburt im Stehen vorbereitet und es gibt dafür Hilfsmittel – zum Beispiel Seile oder Bänder, an denen sich Schwangere festhalten können.

Vorteile:

  • Der Beckenausgang weitet sich besser.
  • Eine Geburt im Stehen verläuft schneller.
  • Frauen können aktiv mitarbeiten und sich freier bewegen.
  • Die Wehen durch mehr Atemfreiheit besser zu ertragen.

Nachteile:

  • Lange zu stehen kann sehr anstrengend seit und mitunter zu Kreislaufproblemen führen.
  • Manche Frauen fühlen sich ‚komisch‘ – sie fühlen sich liegend wohler.

#4 Geburt in der Hocke oder im Sitzen:

Bei hockenden Geburtspositionen halten sich Schwangere an Wänden, Seilen oder am eigenen Partner fest. Auch sogenannte Gebärhocker oder ein Pezziball kommen hier oft zum Einsatz.

Vorteile:

  • Die Schwerkraft wird gut genützt und das Pressen wird erleichtert.
  • Die Geburt kann schneller ablaufen als bei liegenden
  • Bei einer Geburt im Hocken wird der Beckenaufgang geweitet – das heißt, dass die Geburt selbst leichter sein kann.
  • Wenn du dich beim Sitzen nach vorne lehnst, entlastet das den Rücken und entspannt den Beckenboden und Damm. Das hilft, Geburtsverletzungen vorzubeugen.
  • Ein Pezziball hat im Vergleich zum Gebärhocker noch den weiteren Vorteil, dass Schwangere ihr Becken gut bewegen können – Kreisen und Schaukeln – , das wirkt entspannend.

Nachteile:

  • Die Hocke ist einer der anstrengenderen Geburtspositionen
  • In einer sitzenden Position ist die Frau beweglich mehr eingeschränkt als beim Stehen (vor allem Bein- und Beckengelenke)
  • Im Hocken wird der Damm stärker belastet – aber nicht so stark wie bei liegenden

#5 Vierfüßlerstand: Geburt auf allen Vieren oder im Knien

Hier knien Frauen auf dem Bett oder dem Boden (mit einer weichen Unterlage) und stützen sich eventuell mit den Händen ab. Dabei kann der Oberkörper durch Kissen oder einen Pezziball abgestützt werden.

Vorteile:

  • Solche Geburtspositionen entlasten die Wirbelsäule und den Rücken. Sie bieten sich also bei Rückenschmerzen an.
  • Im Vierfüßlerstand lassen sich Wehen besser veratmen als im Liegen.
  • Auf dem Damm wird weniger Druck ausgelöst. Also ist das Risiko für Geburtsverletzungen geringer.
  • Die Schwerkraft wirkt besser als bei liegenden Geburtsstellungen. Das erleichtert die Wehen und verschnellert die Geburt.
  • Frauen haben mehr Beweglichkeit. Das Becken kann in der Stellung gekreist werden.

Nachteile:

  • Geburtspositionen wie der Vierfüßlerstand sind anstrengend für die Arme und Knie.
  • Die Schwerkraft wird nicht so gut genutzt wie im Stehen, Sitzen oder einer Geburt in der Hocke.

Sonderfall: Geburtspositionen bei einer Wassergeburt

Bei einer Wassergeburt können Frauen auch einige der oben genannten Geburtspositionen einnehmen. Außerdem hat das warme Wasser einen entspannenden Effekt auf die Mutter. Ein Nachteil hier ist jedoch die potenzielle eingeschränkte Reaktionsfähigkeit. Sollte das Kind einen Sauerstoffmangel haben, muss die Schwangere erst ins Bett umgelagert werden – das kann Zeit kosten.

Gibt es „die beste“ Geburtsposition?

„In welcher Position verläuft meine Geburt am einfachsten und schmerzfreisten?“ Diese Frage stellen sich viele werdende Mütter. Die Frage ist aber so pauschal nicht beantwortbar. Jede Geburt verläuft anders – deswegen gibt es auch nicht „die beste“ Geburtsposition. Außerdem sind einige Stellungen für bestimmte Entbindungsphasen besser geeignet. Verschiedene Geburtspositionen werden deswegen oft miteinander kombiniert und die meisten Gebärenden wechseln zwischendurch immer wieder die Stellung.

So ist am Anfang der Wehen oft eine stehende oder knieende Geburtsstellung angenehm, am Ende der Geburt sind Frauen dann oft erschöpft und wollen eher liegen. Die Lage des Kindes sowie der Verlauf der Geburt kann die Geburtsposition außerdem beeinflussen.

So findest du deine ideale Geburtsposition

Die meisten Frauen spüren intuitiv, welche Position für sie am angenehmsten ist. Deshalb solltest du dich nicht vorher schon auf bestimmte Geburtsposition versteifen. Außerdem unterstützen Geburtshelfer und Hebammen dich dabei, die Position zu finden, die für die Geburt am hilfreichsten ist und gleichzeitig für dich am angenehmsten ist.


Quellen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Geburtspositionen (Stand 2019). Auf: familienplanung.de https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/geburtsschmerz/geburtspositionen/ (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • ‌Birgit Gebauer-Sesterhenn: Schwangerschaft Und Geburt (2013) Gräfe Und Unzer, München S. 196-209.
  • Julia Jung: Welche Positionen sind bei der Geburt günstig? (2016). Auf: Baby und Familie. https://www.baby-und-familie.de/Geburt/Welche-Positionen-sind-bei-der-Geburt-guenstig-436803.html (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • European Workgroup of Independet Midwives: Betreuung während einer normalen Geburt. Ein praktischer Leitfaden. (1996) In: Hebammengeburtshilfe, Band 1. S. 50ff.
  • Franz Kainer et. Al: Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche (2018). Gräfe Und Unzer, München
  • Annemarie Lawrence et. Al.: Maternal positions and mobility during first stage labour (Review) (2013). In: Cochrane Database of Systematic Reviews, 10. http://file.vibwife.com/Lawrence_et_al-2013-The_Cochrane_Library.pdf. (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Michael Krause: Der Vierfüßlerstand – eine optimale Gebärhaltung bei Beckenendlage (2007) In: Fachzeitschrift „Die Hebamme“ 3/2007.