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Geburtsverletzungen – Überblick und Tipps zur Vorbeugung & Pflege

Kleinere Risse kommen bei einer vaginalen Geburt sehr oft vor. Sie sind aber in der Regel nicht schmerzhaft und heilen schnell wieder ab. Größere Geburtsverletzungen – wie ein Dammriss – können auch passieren, sind schmerzhafter und müssen manchmal genäht werden.

In der Bildergalerie findest du einen Überblick über die häufigsten Verletzungen. Außerdem geben wir Tipps wie du vorbeugen kannst und, wie du den Damm nach der Geburt richtig pflegst.

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Welche Arten von Geburtsverletzungen gibt es?

„80 % der Erstgebärenden und 50 % der Mehrgebärenden [sind] mit einer versorgungspflichtigen Geburtsverletzung nach vaginaler Geburt konfrontiert“, schreiben Sara Kindberg und Peggy Seehafer im Buch „Geburtsverletzungen – vermeiden, erkennen, versorgen.“ Verletzungen kommen bei der Geburt also häufig vor, können aber meist schnell und schmerzfrei behandelt werden. In unserer Bildergalerie findest du einen Überblick über häufige Verletzungen wie Dammriss & Co.

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Geburtsverletzung vorbeugen: Das kannst du tun

#1 Dammmassage

Eine Dammmassage kann „bei der Geburt die Notwendigkeit eines Dammschnitts verringern“, erklärt die BZgA in dem Infoheft Rundum: Schwangerschaft und Geburt. Sie bereitet das Gewebe gut auf das Dehnungsgefühl bei der Geburt vor.

Um einer Geburtsverletzung gut vorzubeugen rät die BZgA eine Dammmassage etwa sechs Wochen vor der Geburt täglich durchzuführen. Dabei wird der Damm in kreisenden Bewegungen mit einem Öl massiert. Alternativ kannst du auch einen oder mehrere Finger in die Scheide einführen und langsam Richtung After dehnen.

Mehr Details zur Dammmassage findest du in unserem Artikel.

#2 Beckenbodentraining

Auch das Beckenbodentraining vor der Geburt kann das Risiko für eine Geburtsverletzung verringern. Gezielte Übungen stärken die Muskulatur und machen außerdem den Beckenboden elastischer. „Ist der Beckenboden nicht elastisch genug, können Muskeln, Bänder oder Gewebe verletzt werden. Oder es ist ein Dammschnitt nötig“, so die BZgA.

Mehr Infos zum Beckenbodentraining findest du in unserem Artikel „Beckenbodentraining: Alle Infos und 3 Beckenbodenübungen für zuhause“

#3 Die richtige Geburtsposition

Laut der Hebamme Maja Böhler kann die richtige Geburtsposition helfen, einer Geburtsverletzung vorzubeugen. Wichtig sei es, „die Wehen– und Schwerkraft zu nutzen und so das Köpfchen langsam rausrutschen zu lassen“, erklärt sie gegenüber dem Focus.

Die traditionelle Position (auf dem Rücken mit angewinkelten Beinen) ist für den Damm belastend und nutzt die Schwerkraft nicht ausreichend. Das kann eine Geburtsverletzung begünstigen.

Einen Überblick über alle Geburtspositionen und ihre Vor- und Nachteile findest du auch in unserem Artikel.

#4 Himbeerblättertee

Himbeerblätter-Tee hat den Ruf, die Geburt leichter und kürzer zu machen. Der Tee soll den Dammbereich sowie die Beckenbodenmuskulatur entspannen und elastischer machen. Dadurch könnte der Tee das Risiko für eine Geburtsverletzung verringern.

Da der Tee aber Wehenfördernd wirken kann, sollte er nicht vor der 34. SSW getrunken werden. Die Dosierung kannst du immer mit deiner Hebamme absprechen, um sicherzugehen.

Mehr dazu kannst du im Artikel „Himbeerblättertee in der Schwangerschaft“ nachlesen.

#5 Kalte Kompressen während der Geburt

Es kann hilfreich sein, kalte Kompressen zwischen den Wehen auf den Dammbereich legen zu lassen. Das kühlt, entspannt das Gewebe und regt die Durchblutung an.

#6 Die richtige Einstellung

Während der Geburt ist es außerdem immer wichtig, entspannt zu bleiben und auf den eigenen Körper zu hören. Wenn du sehr angespannt bist und bei den Wehen verkrampfst kann das das Risiko für eine Geburtsverletzung erhöhen.

Auch die beste Vorbereitung kann eine Verletzung nicht immer verhindern

Auch, wenn du alles tust, um Dammriss, Scheidenriss oder anderen Geburtsverletzungen vorzubeugen, kann es am Ende doch passieren. Das liegt aber dann nicht daran, dass du irgendetwas falsch gemacht hast oder dich nicht gut genug vorbereitet hast! Manchmal lässt sich eine Geburtsverletzung einfach nicht verhindern. Und wer weiß, vielleicht wäre die Verletzung noch schlimmer gewesen, wenn du dich nicht so gut darauf vorbereitet hättest.

Im Folgenden erklären wir dir kurz, wie eine Geburtsverletzung in der Regel behandelt wird.

So werden Geburtsverletzungen behandelt

Kleinere Geburtsverletzungen müssen oft nicht vom Arzt behandelt werden. Sie können mit Cremes, Kühlpads und Schonung von allein verheilen. Verletzungen mit einem höheren Schweregrad müssen in der Regel genährt werden. Das Nähen selbst ist eher schmerzlos. Frauen, die eine Periduralanästhesie haben, können sofort genäht werden, Frauen ohne PDA bekommen eine örtliche Betäubung.

Bei mittelschweren Geburtsverletzungen (zum Beispiel einem Dammriss mit Schweregrad 2 oder einem tieferen Scheidenriss) wird laut den Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Bei schwerwiegenden Geburtsverletzungen ist manchmal eine Operation unter Vollnarkose nötig, um die Verletzung bestmöglich zu versorgen. Das kann zum Beispiel bei einem Scheidenabriss oder einem Dammriss mit Schweregrad 4 der Fall sein.

9 Pflegetipps: So heilt deine Geburtsverletzung gut ab

Falls es bei dir zu einem Riss oder einem schmerzhaften Hämatom gekommen ist, gibt es einige Dinge, die die Heilung beschleunigen und die Schmerzen lindern können.

#1 Sauber halten: Du solltest die Stelle der Verletzung (und eventuell Nähte) grundsätzlich immer sauber halten, um das Infektionsrisiko zu verringern. Nach jedem Stuhlgang solltest du die Stelle mit klarem Wasser auswaschen. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kannst du spezielle Einlagen verwenden, die deine Geburtsverletzung sauber und trocken halten.

#2 Viel trinken: Vor allem bei einem Dammriss oder Dammschnitt haben viele Frauen Angst vorm Stuhlgang. Sie befürchten, dass die Naht durch den Druck aufreißen könnte. Mit der richten Ernährung und viel Flüssigkeit kannst du deine Stuhlkonsistenz beeinflussen und so den Stuhlgang einfacher machen.

#3 Kühlen: Kaltes Wasser, Eisbeutel oder Gelkompressen können deine Beschwerden lindern. Hier solltest du die Stelle deiner Geburtsverletzung immer wieder, aber nicht zu lange kühlen. Fünf Minuten reichen meistens schon aus. Außerdem ist es wichtig, dass du ein Tuch um den Eisbeutel wickelst, damit du die Hautstelle nicht unterkühlst und reizt – und, damit der Kühlbeutel möglichst sauber bleibt.

#4 Medikamente: Bei starken Schmerzen kannst du dich immer an deinen Arzt wenden und dir Schmerzmittel verschreiben lassen. Wenn du stillst, solltest du das mit deinem Arzt besprechen.

#5 Cremen: Bei manchen Geburtsverletzungen verschreiben Ärzte spezielle Cremes, die schmerzlindernd wirken können. Es gibt auch pflanzliche Cremes wie zum Beispiel Calendula-Salbe, die denselben Effekt haben können. Allerdings solltest du nicht einfach irgendeine Creme verwenden. Kläre das davor mit einem Arzt ab.

#6 Sitzbäder: Arnika, Calendula und Kamille eigenen sich gut für Sitzbäder. Sie können abschwellend wirken und bei Blutergüssen helfen. Hebamme Jana Friedrich rät: „Das Sitzbad kann einmal täglich für 10 bis 15 Minuten und bei einer Wassertemperatur von 35° C angewandt werden.“

#7 Hautöl: Natürliche Öle können Schmerzen lindern und die Narbenheilung beschleunigen. Im Intimbereich kannst du aber nicht einfach wahllos jedes Öl auftragen. Ein schonendes, antibakterielles Öl eignet sich gut. Am besten fragst du hier deinen Arzt, deine Hebamme oder eine Apothekerin. Eine Massage solltest du nur an verheilten Stellen anwenden – es geht hier um die Narbenpflege!

#8 Nicht belasten: Vor allem bei einer genähten Geburtsverletzung solltest du versuchen, nicht direkt auf der Naht zu sitzen. In den ersten fünf Tagen solltest du laut Friedrich gar nicht lange sitzen. Das willst du meistens aber nicht, denn Sitzen ist oft schmerzhaft und belastet die Naht zusätzlich. Später kannst du dann auf einem speziellen Sitzringen sitzen.

#9 Schone dich: Das gilt grundsätzlich nach jeder Geburt – aber noch mehr nach einer Geburtsverletzung. Für dich heißt das: viel liegen – und wenig sitzen, laufen und stehen. Gib deinem Körper einfach ein bisschen Zeit, sich zu erholen.


Quellen

  • Sara Kindberg, Peggy Seehafer: Geburtsverletzungen – vermeiden, erkennen, versorgen. (2017) Schwarz, Christiane; Stahl, Katja (Hrsg.) 2. Auflage, Elwin Staude Verlag GmbH, Hannover S. 10-18
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Verletzungen durch die Geburt (2010) Auf: familienplanung.de https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/geburtsverlauf/verletzungen/ (Letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Wochenbett von A-Z: Blutergüsse (Hämatome) (2016) Auf: familienplanung.de. https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/nach-der-geburt/das-wochenbett-von-a-bis-z/die-mutter-im-wochenbett/bluterguesse-haematome/ (Letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Dammschnitt (2017) Auf: familienplanung.de https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/medizinische-eingriffe/dammschnitt/ (Letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Leitlinie zum Management von Dammrissen III. und IV. Grades nach vaginaler Geburt (Stand 2014) Unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-079l_S1_Dammriss_III__IV_Grades_nach_vaginaler_Geburt_2014-10-verl%C3%A4ngert.pdf (Letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Johannes Jawny: Geburtsverletzungen (2000) In: Praxis der operativen Gynäkologie. Springer, Berlin, Heidelberg. S. 15-17.
  • Apotheken-Umschau: Analfissur (Afterriss) (2018) Unter: https://www.apotheken-umschau.de/analfissur (Letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Anke Erath, Sonja Siegert: Rundum: Schwangerschaft und Geburt (2018) Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. (BZgA), Bonifatius, Paderborn. S.40. https://www.bzga.de/infomaterialien/familienplanung/rundum-schwangerschaft-und-geburt/ (Letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Der Beckenboden in Schwangerschaft und Geburt (Stand 2019) Auf: familienplanung.de. https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/beckenboden/schwangerschaft-und-geburt/#c6791 (Letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Focus Online: Viele Frauen fürchten Geburtsverletzungen – Hebamme erklärt, wie Sie Ihr Risiko minimieren (2019) Unter: https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/geschichten-aus-dem-kreisssaal-viele-frauen-fuerchten-geburtsverletzungen-hebamme-erklaert-wie-sie-ihr-risiko-minimieren_id_10308816.html (Letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Ingeborg Stadelmann: Die Hebammen-Sprechstunde (2005) Stadelmann Verlag, Wiggensbach.
  • Nicole Wendler: Dammriss (2016) Auf: NetDoktor https://www.netdoktor.de/krankheiten/dammriss/ (Letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Sara Kindberg, Peggy Seehafer: Geburtsverletzungen – vermeiden, erkennen, versorgen (2017). Schwarz, Christiane; Stahl, Katja (Hrsg.) 2. Auflage, Erwin Staude Verlag GmbH, Hannover.
  • Jana Friedrich: Dammpflege nach der Geburt (2015) Auf: Hebammenblog.de. https://www.hebammenblog.de/dammpflege-nach-der-geburt/ (Letzter Zugriff: Juni 2019)