Gestose: Große Gefahr für Baby und Mutter

Gestose erkennen und behandeln

Eine Gestose (früher „Schwangerschaftsvergiftung“ genannt) tritt bei sechs bis acht Prozent der Schwangerschaften auf – und ist der Grund für bis zu 25 Prozent der Totgeburten. Daher ist es extrem wichtig, die Anzeichen einer Gestose früh zu erkennen und die Krankheiten, die sich unter diesem Begriff verbergen, schnell zu behandeln. Hier bekommst du alle Infos im Überblick.

Schwangere Frau hat eine Gestose
Eine Gestose kann für Mutter und Baby lebensgefährlich werden. © Bigstock / Natalia Deriabina

Gestose: Was ist das eigentlich?

Tatsächlich ist Gestose ein sehr weit gefasster Begriff, die Krankheitsbilder dahinter vielschichtig. Der Begriff Gestose bedeutet so viel wie „gestörte Schwangerschaft“ und ist ein Oberbegriff für verschiedene Krankheitsbilder in der Schwangerschaft. Laut dem Bundesverband der Fraunärzte ist es wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt, was eine Gestose auslöst, das Krankheitsbild als „Schwangerschaftsvergiftung“ zu bezeichnen, ist allerdings veraltet, da es nicht von einer Vergiftung oder Viren ausgelöst wird.

Wann tritt Gestose auf?

Das Krankheitsbild der Gestose tritt vor allem im ersten und im dritten Schwangerschaftsdrittel auf – mit verschiedenen hypersensiven Schwangerschaftserkrankungen. Das zweite Drittel bezeichnet man auch als Toleranzstadium, in dem meist keine Gestose auftritt.

Gestose im ersten Trimester

Die sogenannte Frühgestose im ersten Schwangerschafttsdrittel zeichnet sich bei den Betroffenen durch Hyperemesis gravidarum (unstillbarem Schwangerschaftserbrechen) und Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss, der nicht geschluckt werden kann) aus.

Gestose im dritten Trimester

Die sogenannte Spätgestose äußert sich mit (Prä-)Eklampsie oder dem HELLP-Syndrom.

Gestose: Welche Krankheiten sind das?

Hinter dem Leitbegriff Gestose verbergen sich folgende Erkrankungen:

Präeklampsie

Bei einer Präeklampsie sind die Blutdruckwerte stetig/wiederholt über 140/90 mmHg, gleichzeitig liegen die Eiweißwerte im Urin bei über 0,3 Gramm innerhalb von 24 Stunden.

Eklampsie

Zusätzlich zur Präeklampsie kommt es zu Krampfanfällen und Ohnmacht.

Propfgestose

Schon vor der Schwangerschaft war ein chronisch hoher Blutdruck vorhanden, der weiter ansteigt. Zusätzlich sind die Eiweißwerte im Urin erhöht.

HELLP-Syndrom

Es zählt zu den schweren Präeklampsien. Dabei kommt es zu einer Kombination aus erhöhten Leberwerten und dem Abbau roter Blutkörperchen.

Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck/ Gestationshypertonie

Hier sind keine erhöhten Eiweißwerte im Urin zu verzeichnen.

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Gestose: Symptome

Wenn der Blutdruck der werdenden Mutter dauerhaft stark mit Werten über 140/90 mmHg erhöht ist, kann das auf eine Gestose hinweisen. Je nach der konkreten Erkrankung, treten bei der Gestose außerdem folgende Symptome auf:

  • Eiweißausscheidungen über 0,3 Gramm im 24-Stunden-Urin
  • Wassereinlagerungen (Ödeme) in Händen, Füßen und Gesicht
  • verminderte Ausscheidungen
  • deutlich sprunghafte Gewichtszunahme von mehr als 1 kg pro Woche
  • Kopfschmerzen, Hörstörungen, Sehstörungen und Schwindel, bedingt durch den Bluthochdruck
  • erhöhte Leberwerte beziehungsweise Nierenwerte
  • Schmerzen im rechten Oberbauch
  • Krampfanfälle

Gestose erkennen

Die Schwierigkeit beim Erkennen hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen ist, dass ein erhöhter Blutdruck und Eiweiß im Urin von Betroffenen oft nicht sofort bemerkt werden. Häufig deuten Schwangere die Symptome einer Gestose fälschlicherweise als Schwangerschaftssymptome.

Aus diesem Grund ist eine sorgfältige und lückenlose Schwangerenvorsorge ganz besonders wichtig. Blutdruck und Harn, sowie Leber- und Nierenwerte werden dabei genau untersucht. Nur auf diese Weise lässt sich eine Gestose frühzeitig erkennen. Von der AWMF wurde eine Leitlinie zur Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen publiziert. Dort geht hervor, dass Gestosen bei sechs bis acht Prozent aller Schwangerschaften auftreten und mit einem Anteil von 20-25 Prozent an der perinatalen Mortalität (Totgeburten und Todesfälle bis zu, 7. Tag nach der Geburt) beteiligt sind.

Gestose: Behandlung

Bei Verdacht auf Gestose stützt sich die Diagnostik auf das Feststellen der Gestationshypertonie (am besten mittels 24-Stunden-Blutdruckmessung) sowie der Messung von über 0,3 Gramm Eiweiß im 24-Stunden-Urin.

Dr. Nicolas Gumpert betont, dass wenn der Blutdruck dauerhaft viel zu hoch ist, das dein Baby und dich in Gefahr bringt. Dein Arzt wird dann entscheiden, ob er dir ein blutdrucksenkendes Mittel gibt. Mit regelmäßig durchgeführtem Doppler-Ultraschall werden außerdem Plazenta sowie Versorgung deines Babys genau untersucht und überwacht. Parallel dazu gibt es einige Dinge, die du selbst tun kannst, um einer Gestose entgegenzusteuern beziehungsweise deren Symptome zu lindern. Entscheidend ist vor allem die richtige Ernährungsweise. Die Arbeitsgemeinschaft Gestose-Betroffene e.V. empfiehlt eine ausgewogene Ernährung mit eiweiß- und kalorienreichen Nahrungsmitteln. Keineswegs sollte die Kost salzarm sein! Von entwässernden Nahrungsmitteln, Obst- oder Reistagen sowie Entwässerungsmitteln solltest du Abstand nehmen!

Darüber hinaus sind eine gesunde Lebensweise, ausreichend Sport und Bewegung sowie Ruhe und Entspannung angezeigt.

Ursachen einer Gestose

Wissenschaftlich ist bis heute nicht eindeutig zu geklärt, was eine Gestose begünstigt. Gesichert scheint, dass viele Ursachen die Entstehung einer Gestose begünstigen können:

  • Stress und seelische Belastungen
  • Nährstoffmängel
  • Immunologischer Erkrankungen; Gerinnungsstörungen
  • Diabetes mellitus
  • genetische Faktoren
  • Übergewicht
  • eine Schwangerschaft im späteren Lebensalter (über 40 Jahre)
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Bluthochdruck schon vor der Schwangerschaft
  • eine Gestose in einer vorangegangenen Schwangerschaft


Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (WMF): Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen
    https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-018l_S1_Diagnostik_Therapie_hypertensiver_Schwangerschaftserkrankungen_2014-verlaengert.pdf (letzter Abruf: März 2019)
  • Bundesverband der Frauenärzte: Schwangerschaftshochdruck/Präeklampsie, In: Frauenärzte im Netz
    https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/schwangerschaftshochdruck-praeeklampsie/ (letzter Abruf: März 2019)
  • Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsproblem. ICD-10-WHO Version 2016
    https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-who/kode-suche/htmlamtl2016/ (letzter Abruf: März 2019)
  • Dr. Gumpert: Was ist eine Gestose?
    https://www.dr-gumpert.de/html/gestose.html (letzter Abruf: März 2019)

Hilfe für Betroffene

Hier findest Anlaufstellen, wenn du von einer Gestose betroffen oder gefährdet bist: