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Gestose: Gefährliche Erkrankungen in der Schwangerschaft

Schwangere Frau hat eine Gestose
© Bigstock / Natalia Deriabina

Gestose ist der Oberbegriff für eine Reihe schwangerschaftsbedingter Erkrankungen, die früher häufig auch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet wurden. Was genau das ist, liest du hier.

Was ist eine Gestose in der Schwangerschaft?

Der Begriff der Gestose, was soviel wie „gestörte Schwangerschaft“ bedeutet, hat sich in der Medizin mehrmals gewandelt. Ursprünglich fasste man darunter alle schwangerschaftsbedingten Krankheitsbilder zusammen und unterschied in Frühgestosen – morgendliche Übelkeit und übermäßiges Erbrechen – und Spätgestosen im letzten Schwangerschaftsdrittel.

: Ursachen und Hilfsmittel

Nach der aktuellen Definition versteht man unter Gestose nur noch hypertensive Schwangerschaftserkrankungen, also Erkrankungen, die mit Bluthochdruck in Verbindung stehen.

: Wann wird es gefährlich?

Insgesamt treten die verschiedenen Formen der Gestose in fünf bis acht Prozent aller Schwangerschaften auf.

: Woher kommt der Name?
Schwangerschaftsvergiftung

Der veraltete Begriff Schwangerschaftsvergiftung, der oft noch umgangssprachlich verwendet wird, geht auf frühere irrtümliche Annahmen zurück, dass bestimmte in der Schwangerschaft freigesetzte Stoffe eine Vergiftung verursachen können. Mittlerweile weiß man jedoch, dass Gestosen mit einem erhöhten Blutdruck einhergehen.

Symptome: Was sind typische Anzeichen einer Gestose?

Spätgestosen bzw. hypertensive Schwangerschaftskrankheiten treten ab der 20. Schwangerschaftswoche auf. Die Symptome sind abhängig von der Form der Gestose.

Von einem schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck (Gestationshypertonie) spricht der Arzt, wenn der Blutdruck ab der 20. SSW über 140/90 liegt, die Werte vor der Schwangerschaft jedoch im Normalbereich lagen.

Die Gestationshypertonie bleibt meist bis etwa sechs Wochen nach der Entbindung bestehen, es kommt dabei nicht zu einer vermehrten Ausscheidung von Eiweiß im Urin (Proteinurie). Oft spüren die Betroffenen keine Auswirkungen und fühlen sich wohl.

In etwa 50% der Fälle entwickelt sich aus einem Schwangerschaftsbluthochdruck eine Präeklampsie, früher auch EPH-Gestose genannt.

  • Neben erhöhten Blutdruckwerten kann die Erkrankung mit einer vermehrten Eiweißausscheidung einhergehen.
  • Im Gesicht, an Händen und Füßen können sich Wassereinlagerungen bilden.
  • In schweren Fällen klagen die Patientinnen über starke Kopfschmerzen, Seh- und Hörstörungen.

Das HELLP-Syndrom stellt eine besonders schwere Form der Präeklampsie dar. Der Begriff stammt aus dem Englischen und steht für die Hauptsymptome der Erkrankung:

Hämolyse (Zerfall von roten Blutkörperchen)
Elevated Liver Enzymes (erhöhte Leberwerte)
Low Platelets, eine niedrige Zahl an Thrombozyten

Betroffene Frauen fühlen sich krank und leiden unter starken Schmerzen im rechten Oberbauch. Ein HELLP-Syndrom kann sich sehr schnell entwickeln und lebensgefährliche Folgen für die Mutter nach sich ziehen.

Bei entsprechenden Anzeichen sollte sofort eine Klinik aufgesucht werden.

Das gilt auch bei einer Eklampsie. Es handelt sich dabei um die schwerste Form der Gestose. Charakteristisch sind Epilepsie-artige Anfälle, die mit Krämpfen und Bewusstlosigkeit einhergehen können. Erste Anzeichen einer Eklampsie können folgende Symptome sein:

  • Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Kopfschmerzen und Sehstörungen

Ursachen und Risikofaktoren: Wie kommt es zu einer Gestose?

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, was genau dem Anstieg des Blutdrucks in der zweiten Schwangerschaftshälfte zugrunde liegt. Letztlich scheint es sich um Anpassungsstörungen auf die körperlichen Anforderungen der Schwangerschaft zu handeln.

Grundsätzlich kann eine Gestose bei jeder Schwangeren auftreten, nach bisherigen Erkenntnissen begünstigen diese Faktoren einen Anstieg des Blutdrucks:

  • Gestose in vorhergehenden Schwangerschaften
  • erste Schwangerschaft oder Mehrlingsschwangerschaft
  • Alter der Mutter über 40
  • Fettleibigkeit (BMI über 35)
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Gestosen in der nahen Verwandtschaft
  • bestehende Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Autoimmun- und Nierenerkrankungen
: Ursachen und Behandlung

Diagnose: Wie wird die Gestose festgestellt?

Bei potenziellen Anzeichen auf eine Gestose sollte man unverzüglich seinen Frauenarzt aufsuchen, um einem schweren Krankheitsvorlauf und etwaigen Komplikationen vorzubeugen.

Um die Erkrankung eindeutig zu diagnostizieren, erfolgen mehrere Untersuchungen:

Messung des Blutdrucks
Urinuntersuchung zur Feststellung der Eiweißkonzentration
Blutuntersuchung

Mittels Ultraschalls und CTG werden zudem der Gesundheitszustand des Kindes untersucht und dessen Herztöne aufgezeichnet.

Behandlung: Was kann man bei einer Gestose tun?

Eine Gestose kann nicht geheilt werden. Das weitere Vorgehen hängt davon ab, um welche Art der Gestose es sich im Einzelfall handelt und welche Symptome auftreten. Ziel der Maßnahmen ist eine Stabilisierung von Mutter und Kind.

Bei einem leichten schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck kann eine ambulante Behandlung erfolgen. Körperliche Anstrengungen und Stress sind zu vermeiden, in der Regel stellt der Gynäkologe eine Krankschreibung aus.

In wöchentlichen Kontrollterminen wird der Blutdruck überwacht. Für die medikamentöse blutdrucksenkende Therapie eignen sich während der Schwangerschaft nur wenige Medikamente, da eine mangelhafte Versorgung des Kindes über die Plazenta vermieden werden muss.

: was darf ich nehmen?

Ab einem Blutdruck von 150/100, bei einer krankhaft erhöhten Eiweißausscheidung im Urin, einer Präeklampsie oder Hinweisen auf HELLP-Syndrom oder Eklampsie erfolgt die Einweisung in eine Klinik. Ein stationärer Aufenthalt ist zudem notwendig, wenn Bluthochdruck oder Proteinurie in Verbindung mit Risikofaktoren wie bestimmten Vorerkrankungen oder Mehrlingsschwangerschaften auftreten.

HELLP-Syndrom und Eklampsie sind medizinische Notfälle, deren Behandlung auf der Intensivstation erfolgt.

In beiden Fällen ist eine vorzeitige Entbindung – meist durch Kaiserschnitt – notwendig. Der Zeitpunkt hängt vom Gesundheitszustand von Mutter und Kind ab.

Bei einer Gestose ist auch nach der Geburt noch etwa sechs bis acht Wochen eine medizinische Versorgung der Mutter notwendig. Bei einer erneuten Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Gestose.

Eine Gestose gefährdet nicht nur in der akuten Situation das Kindeswohl, sondern zeigt auch langfristige Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung.

Nach einer aktuellen Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Helsinki kann sich eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung auf die psychische Gesundheit des Kindes auswirken. Demnach wurden bei den Kindern, deren Mütter an einer Präeklampsie litten, häufiger mentale Störungen wie Depressionen, Angst und Verhaltensstörungen festgestellt als bei Kindern von Müttern, deren Blutdruck in der Schwangerschaft normal war.

: über die Baby-Entwicklung

Prophylaxe: Wie lässt sich einer Gestose vorbeugen?

Durch die gezielte Schwangerenvorsorge mit regelmäßiger Blutdruckmessung, Kontrolle der Gewichtszunahme und Ausscheidung von Urin sowie der Leber- und Nierenfunktion kann eine Gestose heutzutage frühzeitig erkannt werden.

: regelmäßig Blutdruck messen

Zur heimischen Blutdruckmessung eignen sich vor allem automatische Oberarm-Blutdruckmessgeräte. Testergebnisse von Stiftung Warentest helfen bei der Wahl eines zuverlässigen Messgerätes. Einige können die Messergebnisse sogar direkt in einer App dokumentieren. Bei erhöhten Werten kann man rechtzeitig den Frauenarzt aufsuchen, die erfassten Daten helfen dem Arzt beim Befund.

Der Blutdruck sollte an beiden Armen gemessen werden, ein Unterschied von mehr als 20 mmHg zwischen linkem und rechtem Arm sollte ebenfalls ärztlich abgeklärt werden.

Schwere Krankheitsverläufe wie Eklampsien kommen deshalb nur noch selten vor.

Zur Vorbeugung empfiehlt es sich Stress und eine ungesunde Lebensführung zu vermeiden. Schwangere Frauen sollten auf eine ausgewogene, proteinreiche Ernährung achten.

Als Maßnahme gegen Wassereinlagerungen in den Beinen ist unbedingt auf entwässernde Tees oder Obstkuren zu verzichten, stattdessen können das Hochlagern der Beine, warme Bäder oder das Tragen von Kompressionsstrümpfen helfen.

Kam es bereits in der vorhergehenden Schwangerschaft zu einer Gestose, verordnet der Frauenarzt vorsorglich die Einnahme von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS).

Jegliche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sollten jedoch grundsätzlich nur nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Quellen

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