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Grippeimpfung in der Schwangerschaft: Ja oder Nein?

Schniefende Nasen, Taschentücherberge und Viren überall: Es ist Grippesaison. Bist du jetzt gerade schwanger, stellst du dir vielleicht die Frage: Soll ich mich impfen lassen? Warum die Antwort hier eindeutig ja lautet, was du bei der Grippeimpfung beachten musst und warum dein Baby deswegen nicht gefährdet ist, erfährst du hier.

Kann die Grippeimpfung meinem Baby schaden?
Kann die Grippeimpfung meinem Baby schaden?
©Unsplash/Hyttalo Souza

In diesem Artikel:

Grippeimpfung Schwangerschaft: Ab dem vierten Monat empfohlen

Impfungen sind ein sehr sensibles Thema. Kommt dann auch noch eine Schwangerschaft hinzu, führt das schnell zu hitzigen Diskussionen. Fakt ist allerdings, dass eine Grippeimpfung in der Schwangerschaft explizit empfohlen wird. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt allen gesunden Schwangeren die Grippeimpfung ab dem vierten Schwangerschaftsmonat. Schwangere mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Bluthochdruck sollten sich bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel gegen Grippe impfen lassen. Bei ihnen ist die Gefahr von Komplikationen besonders hoch.

Aber warum erst nach dem vierten Monat?

Grundsätzlich ist die Impfung in jedem Stadium der Schwangerschaft unbedenklich. Das Robert-Koch-Institut erklärt aber:

„Damit soll verhindert werden, dass die im 1. Schwangerschaftsdrittel häufiger auftretenden Spontanaborte fälschlicherweise mit der Impfung in Verbindung gebracht werden und so im Einzelfall für die Betroffenen zu einer besonderen psychischen Belastung werden.“

Grippeimpfung Schwangerschaft: Warum eigentlich, ist doch nur die Grippe?

„Nur die Grippe“ stimmt so nicht. Die echte Grippe (Influenza) sollte auf jeden Fall ernst genommen werden – vor allem in der Schwangerschaft. In diesen neun Monaten ist die Immunabwehr weniger aktiv. Die Folge: Es besteht ein höheres Risiko, dass eine Grippeerkrankung schwer verläuft und mögliche Komplikationen lebensbedrohlich werden können.

Außerdem sind die Behandlungsmöglichkeiten während einer Schwangerschaft stark eingeschränkt: Um die gesunde Entwicklung deines Kindes und deine Sicherheit nicht zu gefährden, werden Medikamente in der Schwangerschaft nur nach strenger Prüfung im Einzelfall verabreicht. Sicherer und einfacher ist daher, eine Grippeinfektion bereits im Vorfeld zu verhindern.

Die Grippe wird oft mit einem grippalen Infekt oder einer Erkältung in einen Topf geworfen. Allerdings sollte eine Influenza nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn auch bei einem gesunden Immunsystem ist eine Grippe auf keinen Fall harmlos. Durch die Infektion läuft dein Immunsystem auf Hochtouren, dein Körper ist somit anfälliger für andere Erkrankungen, wie einer Lungen- oder Herzentzündung.

Grippeinfektion erhöht das Risiko für eine Frühgeburt

Dein Ungeborenes kann sich zwar nicht mit der Grippe anstecken, aber eine schwere Erkrankung der werdenden Mutter ist per se immer gefährlich. Zudem erhöht eine Grippeinfektion während der Schwangerschaft die Gefahr von Wachstumsverzögerungen sowie von Fehl- oder Frühgeburten.

„Infektionen und hohes Fieber alarmieren den Körper und sind ein starker Impuls dafür, dass Wehen einsetzen, auch wenn der natürliche Geburtstermin noch nicht erreicht ist“, informiert der Berufsverband der Frauenärzte. „Deshalb haben Frauen, die an einer Influenza erkranken, ein deutlich erhöhtes Risiko, dass ihr Baby zu früh zur Welt kommt“.

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Ist die Grippeimpfung eine Lebendimpfung?

Nein. Bei der Grippeimpfung handelt es sich um einen Totimpfstoff. Wie der Name es schon erahnen mag, enthält der Impfstoff nur abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können. Diese werden vom Körper als fremd erkannt und regen das körpereigene Abwehrsystem zur Antikörperbildung an, ohne dass die Erkrankung ausbricht.

Seit diesem Jahr kommt übrigens generell der Vierfach-Grippe-Impfstoff zum Einsatz. Er enthält vier verschiedene Virus-Stämme, der bisher häufig verabreichte Impfstoff lediglich drei.

Kann die Grippeimpfung meinem Baby schaden?

Auch hier ein Nein. Die Viren und auch die abgetöteten Virusteilchen aus der Impfung, werden in der Plazenta festgehalten und erreichen dein Kind nicht. Solange dein Baby also noch in deinem Bauch ist, ist es davor geschützt, selbst infiziert zu werden.

Außerdem werden während der Schwangerschaft Abwehrstoffe durch die Plazenta auf dein Ungeborenes übertragen – der sogenannte Nestschutz. Dein Kind ist in den ersten Lebensmonaten also gegen alle Keime geschützt, gegen die du auch immun bist. Lässt du dich impfen, gilt der Impfschutz auch für dein Baby.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Grundsätzlich ist die Grippeimpfung gut verträglich, aber auch nicht frei von Nebenwirkungen. Gelegentlich kann es nach der Impfung zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle kommen, die auch schmerzen kann. Außerdem kann es sein, dass in den ersten drei Tagen nach der Impfung Symptome wie Frösteln, Müdigkeit, Übelkeit oder Muskelschmerzen auftreten können. Auch ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber, Appetitlosigkeit sowie Muskel- und Kopfschmerzen sind häufig.

Solche Impfreaktionen klingen in der Regel nach ein bis zwei Tagen wieder ab. Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen sind bei allen Impfstoffen sehr selten.

Wichtig: Bist du gegen Hühnereiweiß allergisch, muss das sein Arzt vorher wissen. Dann darf nämlich nicht mit allen Grippeimpfstoffen geimpft werden. „In der Saison 2019/20 ist jedoch wieder ein hühnereiweißfreier (in Zellkulturen hergestellter) Grippeimpfstoff verfügbar, der für Allergiker geeignet ist“, informiert die Bundeszentrale für gesundheitlichen Aufklärung.

Was kann die Grippeimpfung NICHT?

Die Impfstoffe haben eine hohe Wirksamkeit, allerdings kann die Grippeimpfung nicht hundertprozentig vor der Influenza schützen. In einzelnen Fällen, in denen Schwangere trotz Impfung an erkrankten, verlief die Infektion aber deutlich milder.

Außerdem schützt die Impfung nicht für unbegrenzte Zeit. Influenzaviren verändern sich ständig und bilden häufig neue Varianten. Damit man gegen die jeweils neuen Erreger geschützt ist, ist es sinnvoll sich jedes Jahr neu impfen zu lassen.

Achtung: Die Grippeimpfung für Schwangere schützt nicht vor Erkältungskrankheiten.

Was zahlt die Krankenkasse?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Grippeimpfung für alle Versicherten, für die sie empfohlen ist. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung gegen Grippe insbesondere allen Menschen, die bei einer Grippe ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben.
Zu diesen Risikogruppen zählen:

  • Menschen, die über 60 Jahre alt sind
  • Schwangere ab dem vierten Schwangerschaftsmonat, bei chronischen Grunderkrankungen bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung durch ein Grundleiden
  • Medizinisches Personal und Personal in Pflegeeinrichtungen

Was kann ich zusätzlich noch tun?

Influenzaviren werden über Tröpfchen, zum Beispiel beim Sprechen oder Husten, über die Hände oder bei Kontakt mit verunreinigten Oberflächen übertragen. Zusätzlich zur Grippeimpfung in der Schwangerschaft kann das Ansteckungsrisiko durch einfache Hygienemaßnahmen verringert werden. Wasche dir also nach dem U-Bahn fahren oder einkaufen die Hände (auch zwischen den Fingern) oder verwende Papiertaschentücher nur einmal.

Quellen