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Hausgeburt: Alles, was du darüber wissen solltest

Bei einer Hausgeburt bringt eine Schwangere ihr Baby in den eigenen vier Wänden auf die Welt. Immer mehr Frauen entdecken den Geburtsort Zuhause für sich. Es gibt aber auch viel Kritik an der außerklinischen Geburt. Hier findest du alle wichtigen Infos rund um das Thema Hausgeburt!

Ist eine Hausgeburt eine Option für mich?
Ist eine Hausgeburt eine Option für mich?
© Bigstock/ romrodinka

In diesem Artikel:

Das Thema Hausgeburt wird immer noch sehr kontrovers diskutiert. Früher war es üblich, dass Kinder zu Hause geboren wurden – seit Mitte des letzten Jahrhunderts ist das Krankenhaus aber Geburtsort Nummer eins. Trotzdem gibt es einige Schwangere, die eine Geburt in den eigenen vier Wänden aus verschiedensten Gründen bevorzugen!

Wie läuft eine Hausgeburt ab?

Wie auch bei einer Geburt im Krankenhaus oder im Geburtshaus gilt auch für eine Hausgeburt: Jede Geburt ist anders. Ein genauer Ablauf einer Geburt zu Hause lässt sich also nicht planen. Hier aber einmal beispielhaft der generelle Ablauf einer Hausgeburt:

  1. Etwa drei Wochen vor dem Entbindungstermin ist deine Hebamme immer telefonisch erreichbar – du rufst sie an, wenn die Wehen einsetzen.
  2. Deine Hebamme kommt zu dir nach Hause, wenn die Wehen eingesetzt haben oder die Fruchtblase geplatzt ist – sie bringt alle wichtigen Utensilien für die Geburt mit (zum Beispiel Desinfektionsmittel oder Utensilien zum Abnabeln)
  3. Je nachdem, ob du eine Wassergeburt oder eine natürliche Geburt willst, sitzt du entweder in einem Wassergeburtsbecken oder du bist während der Geburt in einem geheizten Raum.
  4. Eine normale Geburt verläuft dann in den drei üblichen Phasen: Eröffnungsphase, Austreibungsphase und Nachgeburtsphase.
  5. Deine Hebamme leitet dich durch die Geburt und ruft im Notfall auch den Notdienst oder bricht die Hausgeburt ab.
  6. Nach der Geburt untersucht die Hebamme dein Kind und macht die U1: Sie hört Lunge und Herz ab, kontrolliert die Blutung sowie Reflexe. Auch dein Befinden wird von ihr überwacht. Die U2 wird dann zwischen dem vierten und zehnten Lebenstag von einem Kinderarzt durchgeführt.
  7. Auch in den nächsten Tagen wird deine Hebamme dich und dein Kind besuchen und untersuchen.

Für wen eignet sich eine Hausgeburt nicht?

Grundsätzlich haben alle Frauen das Recht auf die freie Wahl des Geburtsortes – das ist so im Sozialgesetzbuch festgelegt. Es gibt natürlich auch einige Umstände, unter denen Ärzte und Hebammen dringend von einer Hausgeburt abraten oder sie verweigern. In diesen Fällen ist das Risiko für dich und dein Kind zu hoch – höre also besser auf deinen Arzt. Eine Geburt zu Hause eignet sich nicht für dich, wenn…

  • …du eine Vorerkrankung hast: Bei bestimmten Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Präeklampsie kann es sein, dass du nach der Geburt ärztliche Vorsorge benötigst.
  • …du über 35 Jahre alt bist: Je älter Frauen bei der Geburt sind, desto öfter müssen Mutter und Kind nach der Geburt behandelt oder überwacht werden.
  • …es deine erste Geburt ist: Das Risiko für eine Geburtskomplikation steigt, wenn es deine erste Geburt ist, um etwa 50 Prozent. Wenn du dazu noch älter als 35 Jahre bist, erhöht sich das Risiko noch mehr.
  • …es sich um eine Risikoschwangerschaft handelt: In diesem Fall lehnen Hebammen sowieso meist eine Hausgeburt ab, da das Risiko für dich und dein Baby zu groß ist.
  • …dein Baby eine Erkrankung hat: Wenn in den Vorsorgeuntersuchungen der Verdacht auf eine Erkrankung bei deinem Kind besteht, braucht es vielleicht nach der Geburt schnell ärztliche Versorgung.
  • …Komplikationen bei der Geburt wahrscheinlich sind: Bei sehr leichten oder schweren Kindern rät die Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) von einer Hausgeburt ab. Auch wenn wenig Fruchtwasser vorhanden ist oder ein Nabelschnurvorfall besteht, könnte es zu Komplikationen bei der Geburt kommen. Besteht das Risiko schon jetzt, solltest du lieber in einer Klinik gebären.
  • …du bei einer früheren Geburt Komplikationen hattest: Wenn es bei einer früheren Geburt schon mal Probleme gab, eignet sich eine Hausgeburt für dich nicht, da es auch bei der jetzigen Entbindung wieder zu Komplikationen kommen könnte.
  • …du bestimmte Operationen hattest: Wenn bei dir beispielsweise eine Operation an der Gebärmutter durchgeführt wurde, kommt für dich keine Hausgeburt infrage, da ein erhöhtes Risiko für dich besteht. Übrigens: Wenn du einen Kaiserschnitt hattest, besteht ein geringes Risiko, dass die Narbe bei der Geburt aufgeht. Deswegen wird auch bei Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, genau abgewägt.
  • …du Mehrlinge erwartest: Auch hier wird meistens eine genaue Beobachtung von dir und deinen Kindern benötigt. Deswegen raten Hebammen und Frauenärzte meist von einer Hausgeburt ab.
  • …dein Baby in der Beckenendlage liegt: Liegt dein Baby in der Steißlage oder Querlage, wird es nach der Geburt ärztlich überwacht und versorgt werden müssen.
  • …deine Plazenta eine untypische Lage hat: Wenn deine Plazenta ganz oder teilweise über dem Muttermund liegt, musst du in einer Klinik entbinden. Bei einer Plazenta praevia muss immer ein Kaiserschnitt gemacht werden.
  • …dein Kind eine Frühgeburt ist: Wenn dein Kind früh zur Welt kommt, braucht es je nach Schwangerschaftswoche intensive ärztliche Versorgung. Hier ist eine Hausgeburt nicht geeignet.
  • …deine Wohnung ungünstig liegt: Wenn du beispielsweise im neunten Stock ohne Aufzug wohnst, können Notärzte bei einem Notfall nicht schnell zu dir kommen. Auch, wenn deine Wohnung sehr weit von Krankenhaus entfernt ist, ist eine Hausgeburt nicht ratsam.
  • …dein Kind übertragen ist: Geburten nach dem Entbindungstermin können auch mit Schwierigkeiten verbunden sein. Damit eine Hebamme eine Hausgeburt durchführen kann, brauchst du bei ET+3 (also drei Tage nach dem Entbindungstermin) die Erlaubnis eines Facharztes für die Geburt zu Hause. Nur, wenn der Arzt sein okay gibt, kann die Hebamme die Geburt durführen, ohne Schwierigkeiten bekommen zu können. Mehr dazu im Abschnitt „Die Hebamme“.

Aufklärung ist wichtig!

Oft sind sich Frauen der Risiken einer Geburt nicht bewusst und darum ist es wichtig, dass bei der Überlegung „Hausgeburt oder nicht“ genau informiert wird. Eine Hebamme mit Erfahrungen auf dem Gebiet der Hausgeburten sollte genau aufklären – dies fördert auch das Vertrauensverhältnis zwischen ihr und deiner Familie.

Grundsätzlich gilt deswegen: Besprich den Wunsch einer Hausgeburt immer mit deinem Frauenarzt und deiner Hebamme. Sie kennen deine individuelle Situation besser und können dich beraten.

Hausgeburt Risiko: Wie sicher ist es wirklich?

Beim Thema Hausgeburt sind sich Ärzte und Hebammen nicht einig. Viele Hebammen betonen, dass eine Hausgeburt mit der richtigen Vorbereitung sicher ist. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erklärt zum Beispiel:

Statistiken haben gezeigt, dass es bei entsprechender Vorbereitung während einer Hausgeburt nur selten zu kritischen Situationen kommt, die nicht vor Ort in den Griff zu bekommen sind. Falls eine solche Situation eintreten sollte, ist es meist immer noch möglich, in die nächstgelegene Klinik zu fahren.

Manche Frauenärzte und Verbände halten diese Art der Geburt für sehr risikoreich. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) lehnt in einem Positionspapier aus dem Jahr 2018 die außerklinische Geburtshilfe ab. Professorin Birgit Seelbach-Göbel, Vorstandsmitglied der DGGG erklärt gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass es selbst bei risikoarmen Schwangerschaften bei bis zu zehn Prozent der Frauen zu Komplikationen kommt, bei denen ein ärztliches Eingreifen notwendig ist.

Diese Zahlen bestätigt auch der Qualitätsbericht der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e.V. Demnach waren im Jahr 2018 13.828 Einlings-Geburten außerklinisch geplant und haben auch so begonnen. 15 Prozent – also etwa 2.000 – davon mussten aufgrund von Komplikationen ins Krankenhaus verlegt werden. Speziell auf die Hausgeburt bezogen sieht die Lage so aus: „72 Prozent aller Erstgebärenden werden bei begonnener Hausgeburt nicht verlegt.“

15 der außerklinisch geplanten Kinder sind laut dem Bericht außerklinisch verstorben, sieben nach der Verlegung in die Klinik. Damit liegt die perinatale Mortalität 2018 für außerklinische Geburten bei 0,16 Prozent.

Sterblichkeitsraten von Hausgeburten und Klinikgeburten zu vergleichen, ist aber keine gute Idee. Denn in Kliniken gebären viele Frauen, bei denen es sehr wahrscheinlich zu Komplikationen kommen wird. Daher ist die Sterblichkeitsrate bei Klinikgeburten meistens deutlich höher.

Hausgeburt in Corona-Zeiten

Die Corona-Krise löst bei viele Schwangeren Unsicherheiten und Ängste aus – vor allem, wenn es um die Geburt geht. Da liest man von Vätern, die nicht in den Kreissaal dürfen und Besuchsverbote für Neugeborene. Das ist es verständlich, dass der Wunsch nach Hausgeburten in die Höhe schießt.

Hebammen und andere Experten raten aber davon ab: Denn eine Hausgeburt kann mit vielen Gefahren und Risiken für dich und dein Kind verbunden sein. Da eine Hausgeburt lange Vorbereitung bedarf, sollte die Entscheidung auch nicht kurz vor der Geburt getroffen werden.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass auch in Corona-Zeiten eine Geburt in der Klinik für dich und dein Kind komplett sicher ist!

Hausgeburt: Die Hebamme

Wenn du eine Geburt zu Hause planst, ist deine Hebamme eng in die Planung miteinbezogen. Such dir also etwa in der 12. oder 13. SSW eine sympathische und erfahrene Hebamme. Nicht jede Hebamme macht auch Hausgeburten – deshalb kann die Suche etwas anstrengend sein.

 

Das Hebammengesetz erlaubt es Hebammen, dich bei der Schwangerschaft und Geburt ohne ärztliche Hilfe zu begleiten, solange sie haftpflichtversichert sind. Hat die Hebamme keine Hebammen-Haftpflichtversicherung, ist sie nicht versichert, wenn es bei der Geburt zu Komplikationen und Schäden kommt.

Dein Arzt oder deine Ärztin ist außerdem verpflichtet, dafür zu sorgen, dass bei deiner Entbindung eine Hebamme anwesend ist.

Die ET+3-Regel

Vorher hast du bereits von der ET+3 Regel gehört – Laut dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-SV) darf eine Hausgeburt nach dieser Zeit der Übertragung nicht stattfinden, wenn ein Facharzt es nicht erlaubt hat. Wenn die Hebamme die Geburt trotzdem durchführt, muss sie unter anderem mit einer Strafe rechnen. Der Deutsche Hebammenverband erklärt: „Wenn ein Facharzttermin stattgefunden hat und dort festgestellt wurde, dass kein Risiko vorliegt, dann ist die Geburt im häuslichen Umfeld kein Ausschluss mehr.“

Wie sollte ich mich auf eine Hausgeburt vorbereiten?

Vor der außerklinischen Geburt wird dir deine Hebamme genau erklären, was du vorbereiten solltest, wie eine Hausgeburt abläuft und, was du sonst noch wissen solltest. Halte dich hier an die Empfehlungen deiner Hebamme und stelle Dinge wie Getränke, Erfrischungstücher und warme Socken bereit.

Neben Dingen, die du besorgen solltest, gibt es auch einige organisatorische Dinge, die vor einer Hausgeburt wichtig sind:

  1. Stelle eine Liste mit wichtigen Telefonnummern zusammen: Darauf gehören Nummern deines Partners, der Hebamme, vom Krankenhaus und Rettungsdienst sowie Babysittern oder Angehörigen.
  2. Soge für eine Betreuung deiner anderen Kinder: Babysitter, Freunde, Familie oder Nachbarn kannst du schon vorher über die geplante Hausgeburt informieren.
  3. Mach dich mit der Strecke zum Krankenhaus bekannt: Auch wenn du davon ausgehst, dass du nicht im Krankenhaus entbindest, sollten du und dein Partner die Strecke, Lage der Eingänge und Parkplatzsituation am Krankenhaus trotzdem kennen. Im Notfall kann das Zeit sparen – außerdem kannst du dich sicherer fühlen.
  4. Stelle sicher, dass eine Fahrt ins Krankenhaus möglich wäre: Es kann sein, dass deine Hausgeburt abgebrochen werden muss – in diesem Fall musst du ins Krankenhaus. Stelle hierfür sicher, dass ein Auto und ein Fahrer zur Verfügung stehen. In Notfällen kann natürlich immer ein Krankenwagen gerufen werden.
  5. Stelle sicher, dass Notärzte schnell zu dir kommen können: Halte am Tag der Hausgeburt Einfahrten zum Haus frei und stelle auch sicher, dass Sanitäter sich nicht erst durch einen vollgestellten Gang kämpfen müssen.
  6. Kläre, ob deine Krankenkasse die Kosten für die Hausgeburt übernimmt!

Außerklinische Geburt: Kosten – wer trägt sie?

Wie auch bei einer Geburt in der Klinik trägt auch bei einer Hausgeburt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Es kann jedoch sein, dass zusätzliche Kosten für die Rufbereitschaft deiner Hebamme in Höhe von etwa 250 bis 300 Euro fällig werden, die du selbst tragen musst.

Wenn du eine außerklinische Geburt planst, solltest du dich bei deiner Krankenkasse informieren, ob und welche Kosten übernommen werden. Frag am besten auch deine Hebamme, welche Pauschale sie berechnet.

Vorteile einer Hausgeburt

  • Zu Hause kannst du dich vielleicht besser entspannen als in einer Klinik.
  • Du kannst die hektische Fahrt zur Klinik und die Aufnahme überspringen
  • Du und dein Baby stehen bei der Geburt im Mittelpunk – alle Beteiligten kümmern sich nur um dich und dein Kind: Kein Schichtwechsel der Krankenschwestern, usw.
  • Da viele Frauen bei einer Hausgeburt keine Schmerzmittel bekommen, kannst du dich intensiv auf die Geburt konzentrieren und aktiv daran teilhaben.
  • Du wirst nach der Geburt in der Regel nicht von deinem Baby getrennt.
  • Geschwister und Familienmitglieder können dabei sein – hier gibt es eigentlich keine Grenze. Wer in den Raum passt, kann grundsätzlich dabei sein.
  • Du kennst deine Hebamme schon seit einigen Wochen/Monaten und fühlst sich mit ihr wohl – dann kann die Geburt angenehmer machen.
  • Genau wie bei einer Klinikgeburt werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen.

Nachteile einer Hausgeburt

  • Es ist keine PDA verfügbar – deine Hebamme wird dir aber andere Mittel zur Schmerzbewältigung zeigen.
  • Selbst bei einer komplikationslosen Schwangerschaft mit gesundem Baby können Probleme und Komplikationen bei und nach der Geburt vorkommen, bei denen ein schneller Kaiserschnitt oder eine Operation der Mutter notwendig ist. Erfahrene Hebammen erkennen erste Anzeichen meist schnell und brechen die Hausgeburt rechtzeitig ab.
  • Im Notfall musst du ins Krankenhaus gebracht werden, das ist mit viel Stress und Ängsten verbunden.
  • Freunde und auch einige Ärzte haben vielleicht wenig Verständnis für die Entscheidung.

Wann muss eine Hausgeburt abgebrochen werden?

Wenn es bei der Geburt zu schweren Komplikationen kommt, kann die Hausgeburt abgebrochen werden. Dann wirst du in eine Geburtsklinik verlegt. Grundsätzlich gilt hier die Regel: Wenn eine akute Gefahr für dein Leben oder das Leben deines Kindes besteht, wirst du verlegt.

Mögliche Gründe sind:

  • Du bist extrem erschöpft und kannst nicht mehr weiterpressen
  • Die Geburt geht nicht mehr voran
  • Durch eine Fehlstellung könnten dein Kind oder du verletzt werden
  • Die Vitalwerte deines Kindes fallen plötzlich ab – es könnte akuten Sauerstoffmangel haben
  • Deine Werte fallen ab – auch Blutungen oder Fieber können mögliche Gründe für eine Verlegung in die Klinik sein.

Geburtshaus: ein möglicher Kompromiss

Geburtshäuser werden von Hebammen geführt und bieten eine angenehme, entspannte Atmosphäre. Vor Ort befinden sich alle wichtigen Diagnose- und Notfallgeräte, was die Sicherheit der Geburt noch einmal erhöht. Doch auch hier muss bei ernsten Komplikationen eine Verlegung in die Klinik möglich sein.

Quellen