Hypnobirthing: Das Versprechen einer schmerzfreien Geburt?

Hypnobirthing: Das Versprechen einer schmerzfreien Geburt?

Hypnobirthing ist in den letzten Jahren zum echten Geburtstrend geworden. Werdende Mütter versprechen sich davon eine schmerzfreie Geburt. Doch kann das Konzept wirklich funktionieren? Hier findest du einen Überblick über das Konzept, Erfahrungsberichte von Müttern und was Kritiker zur Hypno-Geburt zu sagen haben.

junge Frau meditiert
Hypnobirthing: Mit Meditation zur fast schmerzfreien Geburt © Unsplash/ Aubin A Sadiki

Hypnobirthing: Schmerzfreie Geburt ohne Angst?

Entwickelt und etabliert hat das Hypnobirthing die Amerikanerin Marie Mongan in den 90er Jahren. Ihr Buch „HypnoBirthing: A Celebration Of Life“ gilt als die Bibel unter den Hypnobirthing-Anhängern. Ihr Konzept eines nahezu schmerzfreien Geburtserlebnisses geht auf die These des englischen Geburtshelfers Dr. Grantly Dick-Read zurück.

Er war der Meinung, dass nur die Angst vor der Geburt die Schmerzen verursacht. Und Angst führt zu Anspannung und diese hindert den Körper daran, sich für die bevorstehende Entbindung zu öffnen. Der Körper verkrampft und die natürlichen Kontraktionen werden als Schmerz empfunden. Die Geburt wird also zum Teufelskreis aus Angst, Anspannung und Schmerzen.

Hypnobirthing Kurse sollen mit Selbsthypnose helfen

Eben dieser Kreislauf soll beim Hypnobirthing durchbrochen werden. Ausgebildete Hypnobirthing-Trainerinnen vermitteln in einem geburtsvorbereitenden Kurs Techniken zur Selbsthypnose. Mit Hilfe spezieller Meditations- und Atemtechniken lernt die werdende Mutter sich selbst in einen tranceähnlichen Zustand tiefster Entspannung zu versetzen. Dadurch, dass sie ihrem Körper voll und ganz vertraut und der Geburt ihren natürlichen Verlauf lässt, verkrampft sie nicht und die Wehen werden als weniger schmerzhaft empfunden.

Video-Empfehlung

Trainierinnen versuchen insgesamt Assoziationen mit Schmerz zu vermeiden: Daher wird zum Beispiel auch nie von „Wehen“ gesprochen, die ja schon vom Wortklang her weh tun. Stattdessen werden Begriffe wie „Wellen“ verwendet. Der Muttermund wird oft als eine Blüte beschrieben, die sich langsam öffnet und dann erstrahlt. Die Geburt soll so als etwas rein Positives wahrgenommen werden, vor dem man sich nicht fürchten muss.

Kann Hypnobirthing funktionieren?

Wer im Internet nach persönlichen Erfahrungen zum Thema Hypnobirthing sucht, der findet in Foren oder auf Mama-Blogs zahlreiche Geburtsberichte. Und auch auf YouTube gibt es tausende Videos oder Tutorials zum Thema. Ist eine schmerzfreie Geburt also wirklich möglich? Offensichtlich sind viele Mütter absolut überzeugt von Mongan’s Konzept. Umfassende repräsentative Studien gibt es allerdings noch nicht, die die Wirksamkeit des Hypnobirthing wissenschaftlich belegen könnten.

Hat es funktioniert? Die persönliche Hypnobirthing-Story einer Mama

Kritik am Konzept des Hypnobirthing

Neben den vielen Befürwortern des Hypnobirthing gibt es auch genug Kritiker. So stehen zum Beispiel einige Hebammen dem Geburtstrend gemischten Gefühlen gegenüber. Zwar würde man es grundsätzlich begrüßen, dass Frauen sich wieder stärker auf ihr Körpergefühl verlassen wollen, jedoch gingen viele von ganz falschen Erwartungen aus, schreibt Hebamme Jana Friedrich auf ihrem Hebammenblog. „Ich habe in der Klinik bisher erstaunlicher Weise leider nur schlechte Erfahrungen mit Hypnobirthing-Geburten gemacht (…). Alle Hypnobirther, die mir oder meinen Kolleginnen begegnet sind, waren sämtlichem Klinikpersonal sehr misstrauisch gegenüber und trauten unseren Einschätzungen überhaupt gar nicht.“ Letztendlich führet dies, so Friedrich, am Ende meist zu einem Notkaiserschnitt.

Wer beginnt, sich mit dem Thema Hypnobirthing zu befassen, der lässt sich vielleicht von der allgemeinen Begeisterung anstecken. Schließlich verspricht Mongan’s Methode nichts anderes als das, was sich alle Mütter insgeheim wünschen: eine einfache Geburt ohne große Schmerzen. Dementsprechend groß kann die Enttäuschung werden, wenn dieses Versprechen an Entbindungstag dann nicht erfüllt wird.

Du solltest deswegen nicht vergessen, dass ein positives Geburtserlebnis grundsätzlich von verschiedensten Faktoren und Umständen abhängig ist. Auch das individuelle Schmerzempfinden spielt eine Rolle. Mache Frauen kommen bei der Entbindung schneller an ihre Belastungsgrenzen als andere. Auch Komplikationen sind leider bei jeder Geburt möglich – mit oder ohne Selbsthypnose. Daher ist es wichtig, auch auf die Erfahrung des Klinikpersonals zu vertrauen. Ob und in wie weit Hypnobirthing eine sinnvolle Methode der Geburtsvorbereitung ist, solltest du am besten mit deiner Hebamme besprechen.