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Geplanter Kaiserschnitt: 13 Dinge, die du wissen solltest

Auch wenn sich die meisten Frauen eine natürliche Geburt wünschen, ist ein geplanter Kaiserschnitt in bestimmte Situation notwendig. Welche das sind, was der Unterschied zum Wunschkaiserschnitt ist und welche Risiken mit einem Kaiserschnitt verbunden sind, erfährst du hier.

Geplanter Kaiserschnitt und Wunschkaiserschnitt: Wo liegt der Unterschied?
Geplanter Kaiserschnitt und Wunschkaiserschnitt: Wo liegt der Unterschied?
©Bigstock/Martin Valigursky

#1 Wann ist ein geplanter Kaiserschnitt notwendig?

Grundsätzlich ist ein Kaiserschnitt immer dann erforderlich, wenn die Gesundheit von Mutter und Kind durch eine vaginale Geburt bedroht wäre. Allerdings ist Kaiserschnitt nicht gleich Kaiserschnitt. Man unterscheidet zwischen:

  • Primäre Sectio (geplanter Kaiserschnitt)
  • Sekundäre Sectio
  • Kaiserschnitt auf Wunsch

Für den geplanten Kaiserschnitt entscheiden sich die Eltern und der Arzt schon vor Beginn der Geburt. Er ist medizinisch notwendig und wird noch vor Einsetzen der Wehen an einem geplanten Termin durchgeführt. Von sekundärer Sectio spricht man, wenn bei einer bereits begonnen, vaginalen Geburt ein Umstieg auf einen Kaiserschnitt erforderlich wird.

#2 Geplanter Kaiserschnitt und Wunschkaiserschnitt: Wo liegt der Unterschied?

Entscheidest du dich für einen geplanten Kaiserschnitt – ohne dass er unbedingt notwendig wäre, spricht man von einem „Wunschkaiserschnitt“. Er wird in der Regel aufgrund von persönlichen Gründen – beispielsweise Angst vor Geburtsverletzungen oder der Wunsch nach Planbarkeit des Geburtstermins – durchgeführt. Der Eingriff wird –  wie der geplante Kaiserschnitt –  zu einem bestimmten Termin durchgeführt.

Ärzte betrachten diesen Trend allerdings mit Sorge, denn ohne medizinische Gründe hat ein Kaiserschnitt mehr Nach- als Vorteile. Kaiserschnitt-Risiken und -folgen sollten also gut bedacht sein, bevor man sich für eine Wunschsectio entscheidet.

Mehr Information zu den Vor- und Nachteilen eines Wunschkaiserschnitts findest du im Video:

#3 Warum wird der Termin so früh gelegt?

Meist wird der Kaiserschnitt ein bis zwei Wochen vor dem errechneten Termin angesetzt. Der Grund: Viele Kliniken wollen vermeiden, dass die Schwangere plötzlich mit Wehen im Kreißsaal steht. Dann muss es nämlich sehr schnell gehen. Gerade nachts ist die Besetzung auf der Geburtsstation kleiner, das Team länger auf den Beinen, das Risiko für Komplikationen steigt.

#4 Wann ist der beste Zeitpunkt für einen geplanten Kaiserschnitt?

Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass es hauptsächlich davon abhängt, wie es dir und deinem Kind geht. Geht es dem Kind gut und ist der Grund für einen Kaiserschnitt zum Beispiel ein zu enges Becken, dann wird in der Regel bis zum Beginn der 39. SSW abgewartet.

Wenn die Versorgung des Kindes außerhalb der Gebärmutter besser gewährleistet ist als innerhalb, zum Beispiel bei einer schweren Plazentainsuffizienz oder wenn eine Fruchtwasserinfektion durch vorzeitigen Blasensprung droht, ist ein Kaiserschnitt praktisch jederzeit möglich.

Vor der 32. SSW werden Kinder mit einem Gewicht unter 1500 Gramm in der Regel mit Kaiserschnitt geholt, weil es in diesem Fall die schonendere Art der Geburt ist.

#5 Was mache ich, wenn ich vor dem geplantem Kaiserschnitttermin Wehen bekomme?

Wenn dein Kind nicht mehr warten will, ist das im Allgemeinen kein Problem. Dann wird der primäre zum sekundären Kaiserschnitt.

#6 Werde ich beim Kaiserschnitt wirklich im Intimbereich rasiert?

Ja, deine Haare werden im Bereich des Schambeins vollständig entfernt, um eine mögliche Infektion zu verhindern. Die Haare im Bereich der großen Schamlippen bleiben heute in den meisten Fällen dran.

Für die Geburt den Intimbereich rasieren. Ist das wirklich notwendig? Im unserem Artikel erfährst du mehr: Sollte man sich für die Geburt untenrum rasieren?“

Video-Empfehlung

#7 Wie läuft der Kaiserschnitt ab?

Als Vorbereitung für die OP wird ein Blasenkatheter gelegt und das Schamhaar rasiert. Wird der geplante Kaiserschnitt unter einer lokalen Betäubung durchgeführt, wird vor dem Bauch im Operationsraum ein Sichtschutz angebracht. So bekommst du so wenig wie möglich vom eigentlichen Eingriff mit. Durch die lokale Betäubung spürst du keinerlei Schmerzen, Druck- und Zugbewegungen am Bauch sind aber immer noch spürbar.

Wirkt die Betäubung, wird das Baby meist mit dem Misgav-Ladach-Verfahren geholt. Das heißt, im Bereich der Bikinizone am Unterbauch wird ein 12 bis 15 Zentimeter langer waagrechter Schnitt gesetzt und die Haut darunter Schicht für Schicht durch Dehnen bis zur Gebärmutter aufgespalten. Das Baby wird dann vorsichtig aus der Gebärmutter gehoben, die Nabelschnur wird durchtrennt und dann kann es auch schon zu seiner Mutter auf den Arm.

Der Arzt entnimmt jetzt noch die Plazenta und verschließt sowohl die Gebärmutter als auch die Bauchdecke.

Übrigens: Der Papa darf sowohl Wunsch- als auch beim geplantem Kaiserschnitt dabei sein.

#8 Wie werde ich betäubt?

Bei einem geplanten Kaiserschnitt kann die Schwangere meist über die Art der Anästhesie entscheiden, d.h. ob die Schnittentbindung unter Vollnarkose oder mit einer örtlichen Betäubung (Spinalanästhesie oder einer Periduralanästhesie) durchgeführt wird.

#9 Wie lange dauert die Kaiserschnitt-Operation?

Die Dauer eines Kaiserschnitts ist von Fall zu Fall verschieden und von individuellen Umständen abhängig. Wenn du zum beispielsweise aufgrund vorheriger Operationen im Bauchbereich Verwachsungen und Vernarbungen hast, nimmt der Eingriff mehr Zeit in Anspruch. Normalerweise kann man bei einem Kaiserschnitt aber mit einer reinen Operationsdauer von circa 15 bis 30 Minuten rechnen. Dazu kommen noch etwa eine halbe Stunde für die Narkoseeinleitung und die Lagerung der Patientin.

#10 Was passiert nach dem Kaiserschnitt?

Nach dem Kaiserschnitt wirst auf die Wöchnerinnenstation gebracht und kannst sich dort von dem Eingriff erholen. An der Bettkante sitzen und auch Aufstehen ist nach der Sectio caesarea bereits nach einigen Stunden möglich und auch nötig, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern. Die frühzeitige Bewegung dient außerdem dazu, die Darmtätigkeit anzuregen und so einer Verstopfung nach Kaiserschnitt vorzubeugen.

Die Kaiserschnittnarbe verheilt in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen. Nach wenige Tagen ist die Wunder allerdings schon geschlossen und die Fäden beziehungsweise Klammern können gezogen werden. Nach dem Kaiserschnitt bleiben die meisten Patientinnen für etwa vier bis sieben Tage im Krankenhaus. Im Falle eines Notfallkaiserschnitts oder bei Komplikationen kann ein längerer Klinikaufenthalt notwendig sein.

#11 Kinder kriegen in der Light-Version: Ist die Geburt beim Kaiserschnitt wirklich schmerzfrei?

Nein. Das ist ein Irrglaube, der sich leider sehr hartnäckig hält. Ein Kaiserschnitt – ob geplant, auf Wunsch oder durch Notwendigkeit – ist alles andere als „der leichte Weg“. Auch wenn der Kaiserschnitt heutzutage sanfter durchgeführt wird als früher – es werden weniger Nerven und Gefäße durchgetrennt – schmerzfrei ist er auf keinen Fall. In der Regel musst du mit drei bis vier Tage postoperativen Schmerzen rechnen. Das betrifft besonders Bewegungen, die die Bauchdecke belasten – also beim Aufstehen, Husten oder Niesen. Bei starken Schmerzen kann der Frauenarzt schmerzstillende Mittel verschreiben, die auch Stillenden einnehmen dürfen, ohne das Kind zu gefährden.

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#12 Welche medizinischen Risiken gibt es?

Obwohl der Kaiserschnitt mittlerweile ein Routineeingriff ist, kann es dennoch zu Komplikationen kommen. Wie nach jeder Operation kann es im Nachhinein zu Blutungen, Wundinfektionen, Thrombosen oder Verwachsungen der Narbe kommen. Babys, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, haben öfter Atemstörungen, weil sie Fruchtwasser verschluckt haben.

Was man auch nicht vergessen darf: Nach der OP ist die Mutter die ersten Tage körperlich stark beeinträchtigt. Durch die Bauchwunde kann sie schlecht laufen, hat Schmerzen und ist nicht in der Lage, das Kind allein zu versorgen. Aus diesem Grund muss sie auch bis zu sechs Tage im Krankenhaus bleiben. Auch für das Kind ist der Eingriff nicht ohne.

#13 Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt?

Nein. In vielen Fällen spricht nach einem Kaiserschnitt nichts gegen eine vaginale Entbindung. Ausschlaggebend ist, warum er gemacht wurde. Besteht derselbe Grund immer noch, etwa wenn dein Becken zu eng ist, kann ein erneuter geplanter Kaiserschnitt sinnvoll sein.

Wurde der Kaiserschnitt aufgrund einer Wehenschwäche oder einer sehr langen Geburtsdauer durchgeführt, kann beim nächsten Mal eine Geburt auf „normalen“ Wege versucht werden.

Quellen