Venenbeschwerden in der Schwangerschaft: Krampfadern an Beinen und Scheide

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
Frau mit Krampfadern sitzt im Schneidersitz auf dem Boden
Krampfadern in der Schwangerschaft sind keine Seltenheit
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Viele werdende Mütter entwickeln in der Schwangerschaft Krampfadern, die nicht nur an den Beinen, sondern auch im Intimbereich auftreten können. Aus medizinischer Sicht sind Vulvavarizen und Krampfadern an den Beinen zwar in der Regel harmlos, aber durchaus unangenehm. Was helfen kann, Venenproblemen vorzubeugen und bestehende Beschwerden zu lindern, erfährst du hier.

Was sind Krampfadern?

Bei Krampfadern – in der medizinischen Fachsprache Varizen genannt – handelt es sich um erweiterte, oberflächliche Venen. Sie haben eine geschlängelte oder verästelte Form, schimmern bläulich durch die Haut und sind teilweise erhaben oder knotig.

Unsere Venen haben die Aufgabe, das Blut aus dem Körper zum Herz zurückzuführen. Staut sich das Blut länger in den Venen, dehnen sich die Gefäße aus und Krampfadern entstehen. Dazu kommt es vor allem in den Beinen, Varizen können sich aber auch in anderen Körperregionen entwickeln.

Ursachen der Venenprobleme in der Schwangerschaft

Krampfadern in der Schwangerschaft sind keine Seltenheit. Die hormonelle Umstellung, genauer gesagt der starke Progesteron-Anstieg, hat eine entspannende Wirkung auf die Venenwände, was zu deren Ausdehnung führt. Zudem drückt das größer werdende Kind bereits ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel auf das Venensystem. Durch die zunehmende Druckbelastung wird der venöse Rückfluss des Blutes erschwert.

Das Risiko zur Ausbildung von Krampfadern erhöht sich mit jeder weiteren Schwangerschaft. Außerdem spielen genetische Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Varizen.

Typische Beschwerden bei Krampfadern an den Beinen

Krampfadern an den Beinen machen sich nicht nur durch optisch unschöne Veränderungen – vornehmlich an den Rückseiten von Ober- und Unterschenkeln –  bemerkbar, sondern können auch mit verschiedenen Beschwerden einhergehen:

  • Schwere, müde Beine
  • Schwellungen (Ödeme) an Unterschenkeln und Knöcheln, die abends zunehmen
  • Kribbeln, Krämpfe und Unruhegefühl in den Beinen, vor allem in der Nacht

Bei langem Sitzen und Stehen nehmen die Symptome meistens zu. Wärme kann die Beschwerden zusätzlich verstärken.

Vulvavarizen: Krampfadern im Intimbereich

Schätzungen zufolge sind rund 20 % aller Schwangeren von Krampfadern im Genitalbereich, z.B. an Scheide und Schamlippen, betroffen. Vermutlich liegt die Zahl jedoch höher, da viele Frauen aus Scham nicht zum Arzt gehen.

Die Krampfadern haben meist eine zylindrische oder sackartige Form, können sich an den betroffenen Stellen unregelmäßig schlängeln oder Knäule bilden. Mit zunehmender Zahl der Schwangerschaften vergrößert sich der Durchmesser der Vulvavarizen.

Krampfadern im Intimbereich bleiben oftmals völlig symptomfrei. Falls Beschwerden auftreten, äußert sich das meist mit:

  • Schmerzen an der Vulva
  • Brennen und Schweregefühl im Perineum, also dem Bereich zwischen After und äußeren Geschlechtsorganen
  • Schwellungen der Schamlippen am Abend

Krampfadern im Intimbereich manifestieren sich im Allgemeinen zwischen der 12. und 24. SSW. Während der ersten Schwangerschaft treten sie oftmals nach 18 bis 24 Wochen auf, bei weiteren Schwangerschaften machen sich Vulvavarizen bereits zwischen 12. und 18. Woche bemerkbar.

Krampfadern gehen häufig nach der Geburt zurück

In der Regel bilden sich Krampfadern an den Beinen, die in der Schwangerschaft entstanden sind, im Wochenbett von selbst vollständig zurück. Vulva-Krampfadern verschwinden laut Angaben betroffener Frauen innerhalb von zwei bis acht Monaten nach der Geburt. Dabei scheint das Stillen einen wesentlichen Einfluss zu haben: Je kürzer die Stillzeit, desto eher ist ein Rückgang der Krampfadern im Intimbereich zu verzeichnen.

: Sind Krampfadern in der Schwangerschaft gefährlich?

Krampfadern sind zwar meistens harmlos, dennoch empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Gefährlich werden kann es, wenn es zu einem Rückstau des Bluts in den Venen kommt und Blutgerinnsel (Thrombosen) entstehen. Im schlimmsten Fall kann das zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Unverzüglich zum Frauenarzt gehen solltest du,

  • falls du zum ersten Mal schwanger bist und bereits innerhalb der ersten zwei Wochen Krampfadern im Intimbereich bemerkst
  • zusätzlich zu Vulvavarizen Beschwerden wie plötzlicher Harndrang und/oder Schmerzen beim Sitzen, Stehen oder Sex auftreten

Was hilft bei Krampfadern in der Schwangerschaft?

In den meisten Fällen ist bei Varizen in der Schwangerschaft keine ärztliche Behandlung notwendig. Zur Linderung von Schwellungen und Schmerzen in den Unterschenkeln kann der Arzt Kompressionsstrümpfe verordnen, die im Sanitätshaus individuell angepasst werden. Bei Beschwerden an den Oberschenkeln empfiehlt sich das Tragen von Kompressionsstrumpfhosen, die sich an den Bauchumfang anpassen lassen. Durch die Kompression wird Druck auf die Venen ausgeübt, das kann den Rückfluss des Blutes verbessern.

Für Schwangere, die von Vulvavarizen betroffen sind, gibt es im Sanitätsfachhandel spezielle Schwangerschaftsbodys. Dadurch wird das Gewicht des Bauches übernommen und eine Druckentlastung des Beckenbodens erzielt.

Grundsätzlich empfiehlt sich regelmäßige moderate Bewegung, z.B. Spazierengehen, Nordic Walking, Radfahren und Schwimmen. Vermeide längeres Stehen und lege die Beine zwischendurch immer mal wieder hoch.

So kannst du Krampfadern in der Schwangerschaft vorbeugen

Am besten treten Krampfadern erst gar nicht auf. Zur Vorbeugung empfehlen Venen-Spezialisten folgende Maßnahmen:

  • Vermeide langes Sitzen und Stehen. Schlage beim Sitzen nicht die Beine übereinander. Falls du aus beruflichen Gründen viel sitzen musst, stehe zwischendurch öfter auf und lauf ein paar Schritte. Hilfreich sind auch kleine gymnastische Übungen wie z.B. ein Kreisen der Füße.
  • Integriere täglich kleine Bewegungseinheiten in deinen Alltag. Neben den oben genannten Aktivitäten ist auch Wassergymnastik für Schwangere ideal geeignet.
  • Trage bequeme, flache Schuhe und regelmäßig Kompressionsstrümpfe.
  • Verzichte auf enganliegende Kleidung.
  • Hitze (Sonnenbad, Besuch von Sauna und Solarium) ist zu vermeiden.
  • Gönn dir regelmäßige Kneipp-Güsse, indem du deine Beine – beginnend an den Füßen bis hoch zum Oberschenkel – mit kühlem Wasser abduschst.
: Venengymnastik in der Schwangerschaft

Täglich einige Minuten Venengymnastik können der Entwicklung von Krampfadern gezielt entgegenwirken. Eine Anleitung für leichte Übungen, die sich zuhause gut mit einfachen Hilfsmitteln durchführen lassen, hat die Deutsche Venen-Liga hier zusammengestellt. Besprich die Übungen vorab mit deinem Arzt.

Quellen

Alle Informationen in diesem Artikel stammen aus öffentlichen und zuverlässigen Fachquellen wie dem Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten oder der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, worauf wir bei der Quellenauswahl achten und wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen, erfährst du hier.