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Missed Abortion: Die unbemerkte Fehlgeburt

Etwa 15 bis 20 Prozent aller klinisch erkannten Schwangerschaften enden als Fehlgeburt. Manche davon in einer Missed Abortion. Sie tritt am häufigsten auf. Was bei einem verhaltenen Abort im Körper passiert und was das für weitere Schwangerschaften bedeutet, kannst du hier lesen. Außerdem findest du am Ende vom Artikel einen Erfahrungsbericht einer Frau, die eine Missed Abortion erlebt hat.

Eine verhaltene Fehlgeburt wird zur psychischen Belastungsprobe.
Eine verhaltene Fehlgeburt wird zur psychischen Belastungsprobe.
© Pexels/ Andrea Piacquadio

Was ist eine Missed Abortion?

Eine Missed Abortion wird auch verhaltene Fehlgeburt oder verhaltener Abort genannt. Von dem englischen Wort „to miss“ (=verpassen) abgeleitet, merken schwangere Frauen nicht, dass der Embryo nicht mehr lebt und „verpassen“ sozusagen den Moment Bei Fehlgeburten verspüren Schwangere üblicherweise Schmerzen und erleiden starke Blutungen und Krämpfe. Bei einer Missed Abortion hingegen stirbt der Embryo, ohne, dass die Frau Symptome verspürt.

Anders als bei typischen Fehlgeburten, stößt der Körper den Embryo nicht von allein ab. Bei einer Missed Abortion bleibt der tote Embryo also in der Gebärmutter. Auch wächst die Plazenta weiter und produziert Fruchtwasser. Dadurch bleibt der Schwangerschaftstest für einen kurzen Zeitraum positiv, auch wenn es kein Leben mehr gibt.

Wie häufig tritt eine Missed Abortion auf?

Die ersten zwölf Schwangerschaftswochen werden als Risikozeit betrachtet, weshalb sich viele Paare Zeit lassen, die Schwangerschaft zu verkünden. In diesen Wochen finden die meisten Fehlgeburten statt. Die Missed Abortion macht etwa 90 Prozent davon aus.

Wie behandelt der Arzt eine verhaltene Fehlgeburt?

Schwangere Frauen bemerken nicht, dass sich etwas anders anfühlt. Es gibt keine Anzeichen, die auf eine Fehlgeburt hindeuten. Jedoch erzählen viele Schwangere, dass sie plötzlich typische Schwangerschaftssymptome, wie Übelkeit nicht mehr hatten. Eine Diagnose erfolgt meist erst bei der nächsten Ultraschalluntersuchung. Der Arzt kann keinen Herzschlag mehr erkennen. Im Anschluss wird noch der hCG-Wert gemessen, der, sollte es sich um eine Missed Abortion handeln, gesunken ist.

Auch wenn der Arzt dich mit einer Missed Abortion diagnostiziert, solltest du dir eine zweite Meinung einholen. Im seltenen Fall kann der Embryo nämlich an der Chorionhöhle anliegen (Eckenhocker). Diese Stelle kann vom Ultraschallgerät nicht erfasst werden. Somit ist eine Fehldiagnose nicht unmöglich.

Sollte es doch zu einer verhaltenen Fehlgeburt kommen, wird der Embryo unter Berücksichtigung der Schwangerschaftswoche entfernt. Bis zur zwölften Schwangerschaftswoche wird er mithilfe einer Absaugung oder Ausschabung herausgenommen. Tritt eine Missed Abortion nach dem dritten Monat auf leitet man die Geburt mithilfe einer Infusion ein. Danach erfolgt die Ausschabung. Viele Frauen entscheiden sich auch für einen natürlichen Abgang.

Missed Abortion: Natürlicher Abgang oder Ausschabung?

Wenn du eine Missed Abortion erleidest, wirst du dir die Frage stellen müssen, ob du einen natürlichen Abgang oder eine Ausschabung willst. Nach einer fachlichen Beratung kannst du in der Regel selbst entscheiden welchen Weg du wählst.

Das passiert beim natürlichen Abgang

Ein natürlicher Abgang passiert, wie der Name es schon sagt, auf natürlichem Wege. Dadurch bleibt der verstorbene Embryo noch eine Weile in der Gebärmutter. Der Körper entscheidet allein, wann er ausgestoßen wird und registriert, aufgrund des sinkenden hCG-Wert, dass keine Schwangerschaft mehr vorliegt. Dann beginnt der Prozess des natürlichen Abgangs. Das kann Tage, aber auch Wochen dauern. Viele Frauen wählen bei einer verhaltenen Fehlgeburt den natürlichen Abgang, da sie dadurch mehr Zeit haben die Missed Abortion zu verarbeiten. Außerdem möchten sie ihrem Körper die Zeit geben sich mit der Veränderung auseinanderzusetzen.

Der natürlicher Abgang ist mit Bauchkrämpfen und Blutungen verbunden. Je nachdem in welcher Schwangerschaftswoche die verhaltene Fehlgeburt festgestellt wurde, können die Blutungen stärker ausfallen. Auch können kleine Reste der Fruchtblase ausgeschieden werden. Wenn du einen natürlichen Abgang wünschst, solltest du zuvor mit deinem zuständigen Arzt besprechen, ob das der richtige Weg für dich ist. Ist die Schwangerschaft nämlich schon zu fortgeschritten, können Komplikationen auftreten und dir wird von einem natürlichen Abgang abgeraten.

Sollten sich die Schmerzen und Blutungen über einen längeren Zeitraum strecken und von Fieber begleitet werden, dann musst du sofort zum Arzt. Du kannst aber auch den kompletten Prozess von einer Hebamme oder einem Arzt begleiten lassen.

Das passiert bei der Ausschabung

Die meisten Frauen entscheiden sich für eine Ausschabung. Bei der Behandlung wird das restliche Gewebe aus der Gebärmutter entnommen. Das beinhaltet Teile der Plazenta und des Embryos. Unter Vollnarkose wird mit speziellen Instrumenten das Gewebe entfernt.

Ursachen einer Missed Abortion

Verhaltene Fehlgeburten können verschiedene Ursachen haben. Der häufigste Grund ist, dass der Embryo an einer genetischen Störung (Chromosomenstörungen) leidet. Um das festzustellen, kann das abgestoßene Gewebe im Labor untersucht werden.

Aber auch andere Risikofaktoren lösen eine verhaltene Fehlgeburt aus:

  • Fehlbildung der Gebärmutter oder Plazenta
  • Verstärkte Blutgerinnung
  • Ungesunder Lebensstil (Nikotin, Alkohol)
  • Hormonelle Störung
  • Blutgruppenunverträglichkeit

Psychische Belastung

Fehlgeburten jeglicher Art sind eine Belastung. Die eingehende Trauer wird oftmals von Schuldgefühlen begleitet. Du solltest dir aber auf keinen Fall Vorwürfe machen und noch weniger solltest du die Gefühle in dich hineinfressen. Sprich mit Freunden oder engen Verwandten. Auch kannst du dich mit anderen Müttern in Foren austauschen. Eine Fehlgeburt ist nichts wofür du dich schämen oder schuldig fühlen musst.
Nimm Abschied von deinem Kind und gib dir selbst Zeit. Viele Krankenhäuser bieten Bestattungszeremonien für zu früh oder nie geborene Kinder an.

Hier findest du noch weitere Anlaufstellen:

Kann man nach einer Missed Abortion wieder schwanger werden?

Prinzipiell man kann nach einer verhaltenen Fehlgeburt schwanger werden: solange medizinisch nichts dagegenspricht. Daher kannst du es wieder probieren, sobald du bereit dafür bist. Eine neue Schwangerschaft ist mit viel Mut verbunden. Viele Paare sind besorgt, dass das Risiko einer Fehlgeburt erhöht ist. Das ist jedoch von der Ursache der vorherigen Fehlgeburt abhängig. Deshalb solltest du das Gewebe auch unbedingt im Labor untersuchen lassen.

Es lässt sich sagen, dass erbliche und physische Ursachen, sowie chronische Erkrankungen das Risiko einer weiteren Fehlgeburt erhöhen. Wenn eine Frau mehr als dreimal eine Fehlgeburt erleidet, spricht man auch von „habituellen Aborten“. Etwa ein Prozent aller Paare sind davon betroffen.
Ist die Fehlgeburt aufgrund einer Schwangerschaftserkrankung entstanden, dann können sich die Eltern beim Gynäkologen beraten lassen. Sind erbliche Erkrankungen die Ursache, solltet ihr eine humangenetische Beratung aufsuchen.

Missed Abortion: Erfahrungsbericht

Die 37 Jahre alte Youtuberin Nicki vom Kanal Nickisbeautyworld hatte im April 2020 eine Missed Abortion und verlor ihr Baby in der 9. Schwangerschaftswoche. Wie sie die verhaltene Fehlgeburt bemerkt hat und was dann geschah, erzählt sie uns in diesem Erfahrungsbericht.

Wie hast du von der verhaltenen Fehlgeburt erfahren?
Bereits in der 6. SSW sagte mir die Ärztin, dass sie keinen Herzton des Babys feststellen kann, allerdings wäre das nicht so eigenartig, denn manchmal hört man in der 6. SSW noch kein Herzton. Ich bin dann zur Routineuntersuchung gegangen, da sollte ich bereits ca. in der 8-9. SSW Woche gewesen sein. Sie sagte sie kann den Herzton des Babys immer noch nicht feststellen.

Wie lief der Termin beim Arzt ab?
Mir wurde daraufhin Blut abgenommen, um den HTG-Wert zu untersuchen. Wäre dieser gesunken, würde das Baby nicht mehr leben. Ich musste einige Tage auf das Ergebnis warten, dann nochmal hin zur Untersuchung. Der Wert war zwar nicht gesunken, aber es gab noch immer keinen Herzschlag. Das war merkwürdig, gab mir Hoffnung, aber trotzdem weiterhin Ungewissheit. Ich musste erneut Blut abgeben und nochmal einige Tage bangen. Es war ein ganz schlimmes Gefühl nicht zu wissen, ob man eventuell schon seit Tagen oder sogar Wochen, ein totes Baby im Bauch trägt.

Als beim zweiten Termin immer noch kein Herzschlag da war und mein HTG-Wert letztendlich gesunken war, war klar, dass das Baby nicht mehr lebt.

Wieso hast du dich für eine Ausschabung und gegen einen natürlichen Abgang entschieden?
Die Frauenärztin klärte mich über den normalen Abgang und die Ausschabung im Krankenhaus auf. Ich entschied mich nach einigen Stunden Bedenkzeit für die Ausschabung, denn das psychische Leiden war bereits genug. Ich wollte es einfach so schnell wie möglich hinter mich bringen. Bis ich den Ausschabungstermin bekam, fingen auch schon die ersten Blutungen an. Es war elendig. Leider hatte ich auch große Angst vor der Ausschabung, da ich bereits eine traumatische Erfahrung in der Vergangenheit damit hatte.

Wie gehst du mit der Trauer um? Was hat dir geholfen?
Es ist sehr schwierig mit der Trauer umzugehen. Diese wird auch immer bleiben. Dazu kam zeitgleich die Trennung von meinem Partner. Doppelte Trauer. Ich habe mir selbst sehr viel Kraft zugesprochen, habe versucht so viel wie möglich mich abzulenken, was fast unmöglich war, denn dazu kam die Corona-Pandemie, wo man hauptsächlich nur daheimbleiben musste. Als Andenken habe ich mir ein Teelichthalter anfertigen lassen (von anderen Mamis mit Sternenkinder, die sowas selbst basteln) mit süßen Motiven, die an das Sternenbaby erinnern. Da zünde ich jeden Abend eine Kerze für das verlorene Baby an.

Welchen Ratschlag würdest du Mamas geben, die gerade von einer verhaltenen Fehlgeburt erfahren haben?
Ich gebe Mamis diesen Ratschlag: Gebt euren Kinderwunsch nicht auf. Früher oder später kommt das gewünschte Baby und es klappt alles wie erhofft :).
Dadurch, dass ich mein Erlebtes öffentlich geteilt habe, haben sich unzählige Frauen bei mir gemeldet, die das gleiche durchgemacht haben. Das man nicht allein ist gibt Kraft, sowie die Hoffnung, dass das Wunschbaby noch kommt. Einfach weiterversuchen.

Was würdest du dir von Menschen in deinem Umfeld wünschen?
Meine Familie und Freunde haben nicht negativ auf meine verhaltene Fehlgeburt reagiert. Sie haben mir Kraft gegeben und den Rücken gestärkt. Genauso wie die Frauen, die meine Geschichte auf Youtube verfolgt haben.

Quellen