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Nabelschnur: Aufgaben, Risiken und mögliche Komplikationen

Die Nabelschnur versorgt dein Baby im Mutterleib mit allen wichtigen Nährstoffen. Wusstest du aber, dass dein Kind sogar Purzelbäume mit ihr machen kann? Mehr dazu, sowie Informationen zu möglichen Komplikationen und Gefahren findest du hier.

Die Nabelschnur versorgt dein Baby im Mutterleib mit allen wichtigen Nährstoffen und Hormonen.
Die Nabelschnur versorgt dein Baby im Mutterleib mit allen wichtigen Nährstoffen und Hormonen.
© Bigstock/ Sopotniccy

Ab wann bildet sich die Nabelschnur?

Die Nabelschnur bildet sich schon zu Beginn deiner Schwangerschaft. Ab dem Zeitpunkt der Einnistung – also, wenn die befruchtete Eizelle sich in der Gebärmutterwand eingenistet hat – wächst auch die Nabelschnur. Ab dem Moment, in dem das Herz des Kindes zum ersten Mal schlägt (um den Beginn der 4. SSW) wird es auch von der Nabelschnur versorgt.

Wie ist die Nabelschnur aufgebaut?

Die Nabelschnur (Funiculus umbilicalis) hat eine Länge von etwa 50 bis 60 Zentimeter und misst zwischen einem und zwei Zentimetern im Durchmesser. Was vielen Menschen nicht bewusst ist, die Nabelschnur besteht in der Regel aus drei Gefäßen, die spiralig geschwungen sind. Die drei Gefäße sind zwei relativ dünne Nabelarterien und eine weiche, dicke Nabelvene. Wo ist die Nabelschnur bei der Mutter befestigt? Die Nabelschnur mündet an einem Ende in die Plazenta (Mutterkuchen) im Mutterleib, am anderen Ende am Bauch des Babys. So kann sie perfekt ihre wichtigste Aufgabe erfüllen: Die Versorgung deines Kindes.

Zwischen deinem Blut und dem Blut deines Kindes befindet sich eine dünne Zellschicht, durch die Sauerstoff und Nährstoffe an dein Baby, und Abfallstoffe an dich gegeben werden. Sie wird als Plazenta-Schranke bezeichnet. Die Plazentaschranke verhindert den direkten Blutkontakt – so wird dein Kind vor einigen Krankheitserregern geschützt.

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Nabelschnur Aufgaben: Versorgung des Babys mit Nährstoffen

Wie funktioniert das mit der Nabelschnur? Die Funiculus umbilicalis versorgt dein Baby mit allen wichtigen Nährstoffen und Hormonen, die es zum Wachsen braucht. Aber nicht nur das, auch der Sauerstoff, der für den Stoffwechsel unerlässlich ist, gelangt so zu deinem Baby. Von deinen Lungen wird Sauerstoff über das Blut zur Gebärmutter transportiert und von da an das Kind weitergegeben.

Die Nabelschnur transportiert nicht nur wichtige Stoffe zu deinem Baby, sie gibt auch alle Abfallprodukte wieder an dich zurück. Damit die frischen Nährstoffe sich mit den Abfallstoffen nicht mischen, besteht sie aus den drei Gefäßen. Die Nabelvene versorgt dein Kind mit sauerstoffreichem Blut und Nährstoffen. Die zwei Arterien befördern sauerstoffarmes Blut und Abfallstoffe wieder in deinen Blutkreislauf zurück. Du scheidest die Abfallstoffe dann ganz normal aus.

Nabelschnur: Babys erstes Spielzeug

Ungefähr ab dem 4. Schwangerschaftsmonat greift dein Kind vielleicht schon nach der Nabelschnur, drückt und umklammert sie. Dadurch übt dein Kind schon mal das Greifen im Mutterleib. Vielleicht hast du ja Glück und das Greifen ist auf einem Ultraschallbild zu sehen.

Wenn sich Kinder im Mutterleib drehen und bewegen, halten sie sich an der Nabelschnur fest. Die Kleinen benutzen sie also dazu, um im Mutterleib zu turnen und Purzelbäume zu schlagen.

Sorgen, dass dein Kind die Nabelschnur beschädigen oder kaputtmachen kann, brauchst du übrigens keine haben. Denn sie besteht aus einer weichen Schicht (Wharton-Sulze), die sehr dehnbar ist und die Gefäße perfekt geschützt. Trotzdem kann es durch die Kindsbewegungen zu anderen Komplikationen, wie beispielsweise Knoten, kommen.

Nabelschnurvorfall, Nabelschnurbruch und Nabelschnurknoten

#1 Nabelschnurknoten

Rainer Steldinger und Thomas Klosterhalfen unterscheiden im Buch „Gynäkologie und Geburtshilfe“ zwischen einem echten und einem falschen Nabelschnurknoten.

  • Falscher Nabelschnurknoten
    Hier knickt die Nabelschnur in der Länge ab. So kann der Anschein eines Knotens entstehen. Der falsche Nabelschnurknoten ist kein Notfall und ist für dein Kind auch ungefährlich.
  • Echter Nabelschnurknoten
    Durch viel Bewegung und eine lange Nabelschnur kommt es oft vor, dass Babys durch eine Schlinge durchschlüpfen und eine Art Knoten erzeugen. Zum Problem werden diese Knoten erst, wenn sie sich festziehen und Gefäße einklemmen. Dann spricht man von einem echten Nabelschnurknoten – und der kann gefährlich werden, denn es kann zu einer Sauerstoff-Unterversorgung des Kindes kommen. Bei einem echten Nabelschnurknoten wird dein Arzt das Kind intensiv mit dem CTG überwachen. Es besteht die Gefahr eines perinatalen Kindstods durch die Unterversorgung.

Echte Nabelschnurknoten kommen aber nur in ein bis zwei Prozent aller Schwangerschaften vor.

#2 Nabelschnurumschlingung

Die Nabelschnur kann sich bei der Geburt um den Hals des Kindes schlingen. Laut der deutschen Stammzellenspenderdatei passiert das bei 20 bis 30 Prozent aller Geburten. Trotzdem werden viele Kinder ganz normal entbunden. Es kann aber auch während der Geburt zu einer Unterversorgung kommen. Je nachdem, in welchem Stadium der Geburt das passiert, werden verschiedene Maßnahmen ergriffen:

  • Die Nabelschnur wird sofort durchtrennt und dann das Kind entbunden
  • Die Geburt wird beschleunigt – zum Beispiel durch die Saugglocke
  • Es wird ein Kaiserschnitt durchgeführt

#3 Nabelschnurvorfall

Bei einem vorzeitigen Blasensprung ist es möglich, dass die Nabelschnur noch vor dem Kopf des Kindes liegt. Ein Nabelschnurvorfall kommt in nicht mal einem Prozent aller Geburten vor. Damit es in solchen Fällen nicht zu einer Unterversorgung bei der Geburt kommt, wird oft ein Notkaiserschnitt durchgeführt.

Bei einem späteren Blasensprung liegt der Kopf deines Kindes wahrscheinlich schon tiefer im Becken. Das Risiko eines Nabelschnurvorfalls ist dann sehr gering.

#4 Nabelschnurbruch/ Nabelbruch

Wenn die Organe des Kindes durch den Nabel in die Nabelschnur wandern, wird von einem Nabelschnurbruch gesprochen. Durch eine Operation direkt nach der Geburt wird der Nabelschnurbruch behandelt.

Nabelschnur: Komplikationen, die du verhindern kannst

Nicht nur die Nabelschnur selbst kann zu einer Komplikation werden. Gifte, Medikamente und Nikotin werden durch die Verbindung von Mutter und Kind ungefiltert an dein Baby weitergegeben. Dass Alkoholkonsum in der Schwangerschaft die geistige Entwicklung hemmen und zu Fehlbildungen führen kann, ist schon lange bekannt. Nikotin erhöht unter anderem die Gefahr für eine Frühgeburt.

Ein anderer Risikofaktor ist der Rhesusfaktor von dir und deinem Kind. Wenn du Rhesus-negativ und dein Baby positiv ist, kann es sein, dass dein Körper Antikörper gegen die roten Blutkörper deines Kindes bildet. Riskant wird das meistens erst bei deiner zweiten Schwangerschaft mit einem positiven Kind – da kann es zu Blutarmut deines Kindes kommen. Mögliche Folgen: körperliche Schäden oder eine Totgeburt. Dein Arzt kann aber schon davor eine Anti-D-Prophylaxe vornehmen, um Komplikationen zu vermeiden.

Nabelschnur durchtrennen nach der Geburt

Bei Geburtstrends wie der Lotusgeburt wird gewartet, bis die Nabelschnur selbst abfällt. Welche Vor- und Nachteile eine Lotusgeburt haben kann, kannst du in unserem Artikel zum Thema nachlesen.

Wann fällt die Nabelschnur ab?

Nach rund zwei Wochen fällt der vertrocknete Rest dann von allein vom Babybauch ab. Zurück bleibt nur der Bauchnabel. Ist die Nabelschnur abgefallen kann der vertrocknete Rest entsorgt werden. Ob der Bauchnabel deines Kindes nach innen oder nach außen gestülpt sein wird, hängt meistens von genetischen Faktoren ab.

Alternative: Nabelschnur auspulsieren lassen

Du kannst dich dazu entscheiden, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen. Hier wird die Nabelschnur erst abgeklemmt, wenn sie nicht mehr pulsiert. Welche Argumente dafür und dagegen sprechen und, was du sonst noch über das Thema wissen solltest, kannst du im Artikel: „Nabelschnur auspulsieren lassen“ nachlesen.

Nabelschnurblut: Spenden oder einlagern?

Bei der Geburt bleibt außerdem Nabelschnurblut zurück. Dieses Blut enthält Stammzellen, die bei der Behandlung von verschiedenen Krankheiten, wie zum Beispiel Leukämie zum Einsatz kommen. Deshalb werden Mütter manchmal gefragt, ob sie Nabenschnurblut spenden oder selbst einlagern wollen.

Quellen