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Nackenfaltenmessung – Wie sicher ist das Ergebnis?

Eine Nackenfaltenmessung kann für werdende Eltern belastend sein. Sie liefert erste Hinweise, ob das Kind möglicherweise eine Chromosomenanomalie wie Trisomie 21 hat. Wann du eine Nackenfaltenmessung durchführen kannst und wie sicher die Ergebnisse sind, erfährst du hier.

Eine Nackenfaltenmessung ist für Paare keine leichte Entscheidung
Eine Nackenfaltenmessung ist für Paare keine leichte Entscheidung
© Unsplash/ Angelina Bishep

Nackenfaltenmessung: Warum wird sie durchgeführt?

Ist mein Kind gesund? Eine Frage, die alle werdenden Eltern beschäftigt. Mit Hilfe der Nackenfaltenmessung können Gynäkologen schon in der Frühschwangerschaft eine erste Antwort darauf geben. Mit den Untersuchungsergebnissen können sie das Risiko für mögliche Chromosomenstörungen, wie Trisomie 21, oder andere genetische Erkrankungen ziemlich genau einschätzen.

Mögliche Erkrankungen, welche die Nackenfaltenmessung nachweisen kann:

  • Trisomie 21 (Down Syndrom)
  • Trisomie 13
  • Trisomie 28
  • Herzfehler und andere Organfehlbildungen

Die Nackenfaltenmessung – auch Nackentransparenzmessung, Nackendichtemessung oder NT-Screening genannt – wird nur mit Hilfe eines 3D-Ultraschalls durchgeführt. Sie gehört damit zu den nicht-invasive Methoden der Pränataldiagnostik. Das heißt, sie kommt, anders als eine Untersuchung des Fruchtwassers oder eine Chorionzottenbiopsie, ohne einen Eingriff aus und ist daher risikoarm. Meist findet der NT-Test im Rahmen des Ersttrimesterscreenings statt.

Dieses Screening wird zum Beispiel auch Schwangeren über 35 Jahren grundsätzlich empfohlen. Denn rein statistisch gesehen haben Spätgebärende ein höheres Risiko, dass ihr Kind an einer Chromosomenstörung leidet.

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Für wen macht eine Nackenfaltenmessung Sinn?

Spätgebärende können von der nicht-invasiven Methode der Pränataldiagnostik profitieren. Ab einem Altern von 35 Jahren gehören Frauen grundsätzlich zu den Risikoschwangeren. Das heißt, meist wird ihnen ohnehin zu einer Fruchtwasseruntersuchung geraten. Fällt eine Nackenfaltenmessung aber bereits negativ aus, können Paare unter Umständen leichter auf weitere Diagnostik verzichten.

Auch der eigene Stammbaum kann bei der Entscheidung helfen. Gab es in deiner Familie oder in der deines Partners bereits Fälle von zum Beispiel Trisomie 21 oder Herzfehler? Dann ist ein früher, erster Test sinnvoll. Zu einer Nackenfaltenmessung zwingen, kann euch aber keiner. Es bleibt eine persönliche Entscheidung.

Nackenfaltenmessung: Ablauf der Untersuchung

Die Nackenfaltenmessung verläuft nicht viel anders als eine normale Ultraschalluntersuchung und ist daher für dich und dein Kind unbedenklich. Mit einem hochauflösenden Ultraschall untersucht der Arzt den Bereich des kindlichen Nackens. Nahezu bei jedem Ungeborenen sammelt sich hier zwischen der 11. SSW und 14. SSW Flüssigkeit an. Auf dem Ultraschall ist das als schwarzer Spalt zu sehen. Es gibt statistische Werte, wie groß dieser in der jeweiligen Entwicklungswoche sein darf. Weicht der Messwert zu stark von den Normwerten ab, kann das ein Indiz auf eine Chromosomenstörung sein.

Der richtige Zeitpunkt für die Nackenfaltenmessung: Wann testen?

Für die Nackenfaltenmessung gibt es nur ein recht enges Zeitfenster zwischen der 11. SSW und 14. SSW. Davor ist das NT-Screening nicht möglich, da dein Baby noch zu klein ist. Nach der 14. SSW verringert sich der Flüssigkeitsstau im Nacken deines Kindes wieder – absolut unabhängig von einer eventuell vorliegenden Krankheit. Ihr habt damit also auch nur eine kurze Bedenkzeit, ob ihr euch für oder gegen einen Test entscheidet.

Nackenfaltenmessung: Kosten

Da die Nackenfaltenmessung nicht zu den regulären Vorsorgeuntersuchungen gehört, wird sie von den Krankenkassen nicht übernommen. Daher solltest du dich vorher am besten mit deinem Arzt über die Notwendigkeit und die entstehenden Kosten unterhalten.

Nackenfaltenmessung: Ergebnisse

Bei der Nackenfaltenmessung handelt es sich um Messungen im Millimeterbereich. Das bedeutet, die Untersuchung kann nur dann saubere Ergebnisse liefern, wenn der Ultraschall möglichst hochauflösend ist. Du solltest dich also bereits vorab informieren, ob das Gerät deines Frauenarztes entsprechend zertifiziert ist. Auch die Erfahrung des Gynäkologen spielt eine entscheidende Rolle, wir zuverlässig die Nackenfaltenmessung-Ergebnisse sind.

Die Fetal Medicine Foundation Deutschland ist ein Zusammenschluss von Fachärzten, der sich für eine hohe Untersuchungsqualität einsetzt. Auf der Website findest du zum Beispiel eine Liste von Ärzten mit entsprechender Zusatzqualifikation.

Wie sicher ist die Nackenfaltenmessung?

Grundsätzlich kann eine Nackenfaltenmessung nur ein statistisches Risiko einer Chromosomenstörung des Ungeborenen bestimmen. Das bedeutet, dass die Untersuchungsergebnisse keine Diagnose sondern nur Wahrscheinlichkeiten sind. Ein hoher Wert bei der Nackentransparenz muss also nicht zwingend ein Indiz für eine schwere Krankheit sein. Dennoch: „Die Trefferquote, Trisomie 21 aus der Kombination von Nackentransparenz und mütterlichem Alter zu ermitteln, liegt bei 70 bis 90 Prozent. Die Nackentransparenz-Messung gilt damit als verlässlichste nicht-invasive Methode der Pränatalmedizin“, schreiben Frank Kainer und Anette Nolden in ihrem Schwangerschaftsratgeber „Das große Buch zur Schwangerschaft“.

Daher raten Ärzten Paaren mit einem auffälligen Befund, auf jeden Fall eine Folgeuntersuchung, wie etwa eine Fruchtwasseruntersuchung, machen zu lassen. Diese kann die erste Risikoeinschätzung bestätigen oder eben auch wiederlegen.

Wie geht es nach der Nackenfaltenmessung weiter?

Viele Paare erhoffen sich von der Nackenfaltenmessung die Sicherheit, dass ihr Kind gesund ist. Doch eine Garantie dafür kann das NT-Screening nicht geben. Gerade unklare Ergebnisse können die Schwangerschaft daher stark belasten. Weitere Untersuchungen wie die Fruchtwasseruntersuchung sind erst Wochen später durchführbar – frühestens ab der 16. SSW. Eine Zeit des bangen Wartens.

Macht euch aber noch einmal bewusst: Eine Nackenfaltenmessung kann nur statistische Wahrscheinlichkeiten ermitteln. Und damit bedeutet ein auffälliges Testergebnis zunächst nur, dass ein erhöhtes Risiko für eine Chromosomenveränderung besteht.

Übrigens: Nur 20 Frauen unter 10.000 Schwangeren bekommen ein Kind mit dem Down-Syndrom. Mit 35 Jahren steigt das Risiko auf 1:360 an, das sind etwa 0,33 Prozent.

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Quellen:

Kainer, Franz; Nolden, Annette (2009): Das große Buch zur Schwangerschaft. Umfassender Rat für jede Woche. Gräfe und Unzer, S. 164-165

Sohn, Christof; Holzgreve, Wolfgang: Ultraschall in Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme, S. 120 – 133
Siegbert, Sonja; Krajewski, Christin (2017): Pränataldiagnostik – Beratung, Methoden und Hilfen, Hrsg. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Holzgreve, Brigitte (2007): 300 Fragen zur Schwangerschaft. Gräfe und Unzer, S. 235

Fetal Medicine Foundation Deutschland: Patienten-Info. In: www.fmf-deutschland.info. URL: https://www.fmf-deutschland.info/de/patienten-info/was-sie-wissen-sollten/ (letzter Aufruf 14.02.2018)